Sovetskij Sport
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Novosibirsk trotzt dem Frost - 2:1-Heimsieg gegen Anzhi Makhachkala

Es war einer dieser Abende in Sibirien, an denen selbst die Flutlichtmasten klirrten. 12.500 Zuschauer froren tapfer im Stadion von FK Novosibirsk, doch sie wurden für ihre Standhaftigkeit belohnt: Ihre Mannschaft besiegte Anzhi Makhachkala mit 2:1 und zeigte, dass Fußball im Januar bei minus zehn Grad durchaus ein wärmendes Erlebnis sein kann.

Kaum hatte Schiedsrichter Petrov das Spiel angepfiffen, da bebte das Stadion schon. Ganze 60 Sekunden waren gespielt, als Kacper Radomski nach Zuspiel von Sander Mesick den Ball in bester Frühstarter-Manier ins Netz drosch. "Ich dachte erst, der Schiri pfeift noch den Anstoß richtig an", grinste Radomski später. Trainer Surafel Äthiop raufte sich da schon die Mütze - vor Freude. "So kann man ein Spiel natürlich beginnen. Ich wollte eigentlich erst mal sehen, ob der Ball überhaupt rollt."

Das 1:0 war ein Schock für Anzhi, die eigentlich offensiv eingestellt waren, aber zunächst mehr mit der frostigen Luft als mit dem Gegner kämpften. Ihr Offensivkonzept "Alles über die Flügel" verpuffte, weil die Außenbahnen mehr einem gefrorenen Acker glichen. Trotzdem hatte Anzhi im Verlauf der ersten Halbzeit deutlich mehr Abschlüsse - 13 Torschüsse insgesamt, während Novosibirsk nur 7 verzeichnete. Doch Torwart Bertalan Orth hielt, was zu halten war, und manchmal auch das, was gar nicht zu halten war.

"Wir hätten zur Pause führen müssen", knurrte Anzhi-Coach Francesco Guidolin nach dem Spiel. "Aber wir haben den Ball behandelt, als wäre er eine heiße Kartoffel." Tatsächlich war es der Gastgeber, der den Ballbesitz dominierte - 58 Prozent sprechen eine klare Sprache. Novosibirsk wirkte abgeklärter, spielte kurze, sichere Pässe, während Anzhi mit langen Bällen auf den schnellen Marco Pinto und Gudmund Nelsen hoffte.

Und dann, kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, kam die kalte Dusche für die Hausherren: In der 46. Minute traf der flinke Isländer Nelsen nach Pass von Bruno Castel zum Ausgleich. Ein sehenswerter Treffer - technisch sauber, humorlos abgeschlossen. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Nelsen später lakonisch. "In dem Moment dachte ich: Wenn ich jetzt nicht schieße, friert mir der Fuß ein."

Doch Novosibirsk zeigte Charakter. Statt einzubrechen, drehten sie auf. Der rechte Mittelfeldmotor Sander Mesick, bereits Vorlagengeber zum 1:0, legte in der 59. Minute erneut mustergültig auf - diesmal für Linksaußen Osip Dazjuk. Der ließ sich nicht zweimal bitten und versenkte den Ball zum 2:1. Der Jubel war so laut, dass die Tauben auf der Tribüne kurzzeitig die Orientierung verloren.

"Sander war heute unser Architekt", lobte Trainer Äthiop später. "Zwei Vorlagen, null Frostbeulen - das nenne ich Einsatz." Dazjuk nickte und fügte mit einem Lächeln hinzu: "Ich hab ihn nach dem Spiel gefragt, ob er meine Miete übernehmen will - so oft hat er mir heute aufgelegt."

Anzhi versuchte danach alles. Guidolin brachte frische Kräfte: Alrik Nelsen kam für Caio Jimenez, kurz darauf ersetzte Ferenc Opata den verletzten Agustin Obregon. Doch die Wechsel brachten keine Wende. Während Anzhi zunehmend hektischer agierte und in den letzten Minuten auf volles Pressing umstellte, verteidigte Novosibirsk mit Leidenschaft - und einem gelben Kartenfestival: Arnau Sancho sah in der 84. Minute Gelb, Jörg Bock in der Nachspielzeit.

"Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", scherzte Bock nach dem Spiel über seine Verwarnung. "Der Schiri hat mich wohl zu sympathisch gefunden."

So blieb es beim 2:1 - ein Sieg, der den FK Novosibirsk in der Tabelle nach oben katapultiert und die Fans mit warmen Herzen in die eiskalte Nacht entließ. Anzhi dagegen musste sich eingestehen, dass 13 Torschüsse und 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe nichts nützen, wenn Präzision und Geduld fehlen.

"Wir waren wie eine Rockband ohne Rhythmus", sagte Trainer Guidolin zum Schluss, "laut, schnell, aber ohne Takt."

Ein Satz, den man sich in Novosibirsk vermutlich als Wandtattoo im Kabinengang anbringen wird. Denn dieser Sieg war kein Zufall, sondern das Ergebnis von Mut, Disziplin - und einer gehörigen Portion sibirischer Kälte.

Und irgendwo zwischen dampfenden Atemwolken und heißem Tee dürfte Surafel Äthiop zufrieden in die Nacht geblickt haben. "Es war kein schönes Spiel", meinte er, "aber es war unseres."

Ein Satz, der perfekt zu diesem Abend passte - und zu einem Team, das selbst den Frost bezwingen kann.

06.03.643987 09:13
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Mich nerven Trainingslager. Weil ich am liebsten bei meiner Frau bin. Doch inzwischen bin ich genauso oft mit Helmer auf der Bude - aber immer mit dem Hintern zur Wand.
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