Diarios de Futbol
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Nullnummer mit 47.200 Zuschauern: Durango und Seattle trennen sich torlos

Copa Libertadores Qualifikation | 1. Runde - Hinspiel | 05.07.26 | Alacranes Durango - Seattle Sounders 0:0

Ein 0:0, das man entweder als taktisches Meisterwerk oder als Schlafmittel auf Rasen bezeichnen kann - die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Im Hinspiel der 1. Runde der Copa-Libertadores-Qualifikation trennten sich die Alacranes Durango und die Seattle Sounders vor 47.200 Zuschauern in Durango mit einem torlosen Remis. Es war ein Abend, an dem die Torhüter mehr Langeweile als Angstschweiß verspürten, die Trainer wild gestikulierten und das Publikum am Ende trotzdem applaudierte - vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung.

Schon nach wenigen Minuten war klar: Das wird kein Feuerwerk, sondern eine Partie für Feinschmecker der Defensivtaktik. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Durangos Trainer Manni Kaltz mit einem Grinsen, "und das haben wir so gut gemacht, dass wir am Ende selbst nicht mehr wussten, wie man nach vorne kommt."

Dabei hätte es gar nicht so schlecht beginnen können. In der 12. Minute prüfte Davib Malfoy den Seattle-Keeper Irakli Schadrin mit einem Schuss aus halblinker Position - der erste von insgesamt neun Torschüssen der Mexikaner. Nur eine Minute später versuchte es Innenverteidiger Karol Varga, offenbar inspiriert von seiner eigenen Courage, aus gut 25 Metern. Der Ball flog in etwa so gefährlich wie ein Geburtstagsluftballon.

Seattle brauchte etwas, um ins Spiel zu finden, dann aber kam Damian Pacos zu zwei schnellen Abschlüssen (16. und 20. Minute). Beide Male war Durangos Torwart Vincent Antolin hellwach. Besonders sehenswert war sein Hechtsprung beim Versuch von Matthijs Van Vleck in der 31. Minute - ein Moment, in dem 47.000 Kehlen gleichzeitig das "Uhhh" der beinahe entgleisten Spannung ausstießen.

"Wir hätten in dieser Phase ein Tor machen müssen", knurrte Seattles Coach Ein Juppie nach dem Spiel. "Aber vielleicht heben wir uns das für das Rückspiel auf. Spannung ist ja auch was Schönes." Sein Tonfall ließ allerdings vermuten, dass er von Schönheit in diesem Zusammenhang wenig hielt.

In der zweiten Hälfte wirkte Durango etwas mutiger. Malfoy tauchte in der 55. Minute erneut gefährlich vor dem Tor auf, scheiterte aber an Schadrin, der an diesem Abend mehr Hände als Fehler hatte. Kurz darauf sah Seattles Rechtsverteidiger Benjamin Donovan Gelb (49.), nachdem er Lukas Rieger mit einer Grätsche in der Nähe der Coachingzone "begrüßt" hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich Donovan, worauf Rieger trocken erwiderte: "Dann hättest du in die andere Richtung laufen müssen."

Trotz leichter Überlegenheit im Ballbesitz (Seattle 54 zu 46 Prozent) und ausgeglichener Zweikampfquote (Durango 52 Prozent) fehlte beiden Teams das letzte Quäntchen Risiko. Klose probierte es in der 87. Minute mit einem satten Flachschuss, während Conceicao gleich zweimal in der Nachspielzeit (95. und 96.) das Netz erzittern lassen wollte - allerdings nur akustisch.

Trainer Kaltz brachte mit Nevio Pauleta und Iban Fernandes frisches Blut, doch auch das änderte nichts an der Nullnummer. Fernandes kam in der 90. Minute - also genau rechtzeitig, um den Schlusspfiff aus nächster Nähe mitzuerleben.

Die Sounders versuchten es noch einmal mit Van Vleck (90.) und Julian Puerta (93.), beide Male zischte der Ball knapp vorbei. "Wir hätten das Tor treffen müssen", seufzte Van Vleck später. "Aber das Tor war heute kleiner. Ganz sicher."

Statistisch gesehen war das Unentschieden gerecht: 9:7 Torschüsse für Durango, etwas mehr Ballbesitz für Seattle, zwei Gelbe Karten für die Amerikaner - man könnte fast sagen, beide Teams haben ihr Soll erfüllt.

Der Zuschauer im Block F fasste es treffend zusammen: "War nix los, aber wenigstens war’s spannend, dass nix los war." Und tatsächlich - dieser Satz beschreibt das Spiel wohl besser als jede Statistik.

Im Rückspiel am kommenden Mittwoch müssen beide Teams nun zeigen, dass sie nicht nur verteidigen, sondern auch treffen können. "Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, das Tor wiederzufinden", scherzte Kaltz beim Abschied, "zur Not lassen wir’s mit GPS suchen."

Ein torloses Remis also - aber eines, das man nicht so schnell vergisst. Weil es zeigt, dass Fußball manchmal kein Feuerwerk braucht, um Geschichten zu schreiben. Nur 22 Männer, einen Ball, und 47.000 Zuschauer, die sich fragen: "Und das war jetzt das Hinspiel?"

05.07.2026 19:32
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