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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 36.901 Zuschauer im Britannia Stadium - und am Ende ein Spiel, das zwar keine Tore, dafür aber reichlich Diskussionsstoff bot. Stoke City und die London Gunners trennten sich am 6. Spieltag der 1. Liga England torlos, aber nicht farblos. Von der ersten Minute an war klar: Hier trifft rohe Entschlossenheit auf gepflegten Ballbesitz. Die Gunners, taktisch gewohnt "balanced", ließen den Ball zirkulieren, als wollten sie ihn hypnotisieren. 57 Prozent Ballbesitz und acht Torschüsse belegen ihre Dominanz, doch am Ende blieb das Zielobjekt unbezwingbar - auch dank Stokes Torwart Simcha Amir, der mehrfach in bester Catwalk-Manier durch den Strafraum sprang. "Ich hatte heute einfach das Gefühl, dass der Ball mich mag", grinste der Keeper nach dem Spiel und klopfte liebevoll auf seine Torwarthandschuhe. Dabei begann das Spiel mit einem Paukenschlag - oder zumindest mit Maurice Blanchett, der bereits in der ersten Minute den ersten Schuss auf Amirs Kasten abfeuerte. Der Ball zischte knapp am Pfosten vorbei, und der Keeper brüllte seine Abwehr wach: "Leute, das ist kein Trainingsspiel!" Diese Worte sollten prophetisch werden, denn die Gunners ließen es im Laufe der ersten Halbzeit an Schärfe vermissen. Stoke City hingegen kämpfte sich mit rustikalem Charme ins Spiel. Louis Kirkwood prüfte den gegnerischen Torwart Dorian Verguts in der achten Minute, und spätestens als Jose Duran in der 28. Minute aus halbrechter Position abzog, war das Publikum da. "Da war mehr Feuer im Stadion als in manchem Grillabend", flachste ein Fan auf der Tribüne, während Trainer Horst Fiedler an der Seitenlinie wild gestikulierte. Fiedler, der Mann mit dem ewigen Stirnrunzeln, hatte seine Elf mutig eingestellt. Die Statistik mag gegen ihn sprechen (42,6 Prozent Ballbesitz, sieben Schüsse), doch Einsatz und Leidenschaft waren unbestreitbar. "Wir wollten ihnen das Leben schwer machen - und das ist uns gelungen", sagte Fiedler nach dem Abpfiff mit einem zufriedenen Nicken. Dass Stoke bis zum Schluss mit elf Mann auf dem Platz blieb, war allerdings auch eine Frage des Glücks. Rechtsverteidiger Thomas Corraface sah in der 27. Minute Gelb, Linksverteidiger Hugo Chalana und der erfahrene Liam Gross folgten in der 66. und 67. - vermutlich mehr aus Sympathie als aus taktischer Notwendigkeit. "Ich hab doch nur Hallo gesagt", verteidigte sich Gross später mit einem Schmunzeln. "Der Schiri hat’s wohl als Foul verstanden." Zur Pause reagierte Fiedler gleich dreifach: Travassos, Gross und Dominguez mussten runter, dafür kamen die jungen Wilden Billy Shepherd, Gabor Feher (zarte 17!) und Joseph Latham. "Wenn man die Jungs nicht mal reinwirft, wann dann?", meinte Fiedler. Shepherd bedankte sich prompt mit einem beherzten Schuss in der 69. Minute - Verguts konnte gerade noch zur Ecke abwehren. Die Gunners wiederum spielten, als seien sie im Schonmodus: viel Ball, wenig Risiko. Adam Ross (10. und 22. Minute) und Lewis MacLaren (19. und 25.) versuchten es immer wieder, fanden aber in Amir ihren Meister. Trainer Mario Roth war nach dem Spiel sichtlich genervt: "Wir hatten genug Chancen, um zwei Spiele zu gewinnen. Aber wenn du vorne nicht triffst, kannst du auch nicht gewinnen - so einfach ist das." In den letzten Minuten wurde es noch einmal hitzig. Chalana, bereits verwarnt, drosch in der Nachspielzeit den Ball fast ins Londoner Oberhaus - als Schuss getarnt. "Ich wollte nur klären", verteidigte er sich lachend. Doch auch das Publikum wusste: Das 0:0 war leistungsgerecht. Ein Spiel ohne Tore, aber mit Geschichten. Stoke City zeigte Herz, die Gunners zeigten Technik - und beide zeigten, dass Fußball manchmal auch ohne Netz und doppelten Boden auskommt. Oder, wie Horst Fiedler es formulierte: "Wir haben heute keine Punkte verloren, wir haben ein Stück Stolz gewonnen." Das Publikum ging zufrieden nach Hause, die Reporter mit vollen Notizblöcken, und Mario Roth wahrscheinlich mit einem leisen Magengrummeln. Denn wer den Ball so souverän beherrscht und trotzdem keinen Sieg einfährt, der weiß: In Stoke wird Fußball nicht gespielt - er wird erkämpft. Ein Nullnull also - aber eines, das man sich merken darf. 29.03.643987 01:35 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel