De Standaard
+++ Sportzeitung für Belgien +++

Nullnummer mit Charakter: Münster und Vise teilen sich das Nichts

Ein lauer Maiabend, 27.730 Zuschauer im Preußenstadion, Flutlicht, Spannung - und am Ende ein 0:0, das irgendwie alles sagte. Preußen Münster gegen RCS Vise, das war kein Leckerbissen für die Statistikfreunde, aber ein Fest für alle, die sich gern über vergebene Chancen, Gelbe Karten und gepflegten Mittelfeldkampf amüsieren.

Beide Teams hatten sich einiges vorgenommen. Waldemar Reger, der Trainer der Preußen, versprach vor dem Spiel "mutige Flügelangriffe und gepflegtes Kurzpassspiel". Sein Pendant Fonsi Glover von Vise konterte mit einem charmanten Lächeln: "Wir sind gekommen, um Tore zu schießen, nicht um neue Freunde zu finden." Am Ende fanden beide - weder Tore noch Feinde.

Die Partie begann zäh, aber nicht langweilig. In der 17. Minute prüfte Patrick Walter erstmals den Münsteraner Keeper Gilles De Wilde, der den Ball so souverän hielt, als hätte er ihn selbst mitgebracht. Kurz darauf versuchte Münster, sich zu befreien: Florian Vercruysse zog aus 20 Metern ab, verfehlte aber das Tor um jene berühmten "zweieinhalb Bierdeckel". Reger klatschte trotzdem in die Hände, vielleicht aus Dankbarkeit, dass sein Team immerhin die Mittellinie gefunden hatte.

In der Folge wechselte das Geschehen hin und her, wie ein nicht enden wollendes Schachspiel mit defekten Figuren. Lucas Bollaert (28.) und Darko Juskic (33.) versuchten sich an harmlosen Distanzschüssen, während auf der Gegenseite Harrison Caviness gleich mehrfach gefährlich wurde. Besonders in der 45. Minute, als er nach einem langen Pass von Mordechai Kashtan frei vor De Wilde auftauchte, aber offenbar die falsche Schuhgröße trug: sein Schuss trudelte harmlos in die Arme des Torwarts.

"Da war mehr drin", knurrte Caviness nach der Partie. "Aber vielleicht war das Tor heute einfach zu klein." Sein Trainer Glover nahm’s gelassen: "Wir wollten offensiv spielen, das haben wir getan. Nur leider ohne die Punkte, die man dafür normalerweise bekommt."

Nach der Pause wurde es ruppiger. Brecht Van Noppen sah in der 47. Minute Gelb, weil er die Meinung vertrat, dass auch ein beherzter Griff ans Trikot zum Fairplay gehöre. Später kassierte auch Vises Innenverteidiger Robin Van Geem (75.) eine Verwarnung, nachdem er Diego Puerta mit einem Tritt in die Vergangenheit stoppte.

Die Preußen hatten mit 55 Prozent Ballbesitz und Kurzpassspiel zwar mehr Kontrolle, aber wenig Ertrag. Vise hingegen lauerte auf Konter, schoss häufiger - elfmal insgesamt - aber ebenso erfolglos. Patrick Walter und Domingo Farinos sorgten in der zweiten Halbzeit für die gefährlichsten Momente, doch De Wilde ließ sich nicht überwinden.

In der 86. Minute hielt das Stadion noch einmal den Atem an, als Geir Grindheim auf links durchbrach und mit einem wuchtigen Schuss das Außennetz erzittern ließ. "Ich war mir sicher, der geht rein", sagte der Norweger später, "bis ich den Jubel gehört habe - vom Balljungen, nicht von den Fans."

Taktisch blieb alles beim Alten: Münster mit ausgewogener Ausrichtung, viel Flügelspiel und sicherem Passspiel, Vise offensiv aufgestellt, aber ohne Pressing. "Wir wollten kein Risiko im Aufbau", erklärte Glover. "Dafür haben wir das Risiko im Abschluss erfunden."

Schiedsrichterin Anneliese Duroc hatte mit den 22 Akteuren wenig Mühe, obwohl man ihr in der 78. Minute anmerkte, dass sie am liebsten selbst aufs Tor geschossen hätte - einfach, um das Ergebnis zu verändern.

Nach dem Schlusspfiff gab es höflichen Applaus. Kein Pfeifkonzert, eher ein kollektives Aufatmen: Es war vorbei. Trainer Reger fasste es trocken zusammen: "Das war kein Feuerwerk, eher ein Grillabend, bei dem die Kohle nie richtig geglüht hat."

So blieb das 0:0 gerecht. Münster kontrollierte, Vise konterte, beide trafen - nur das Tor nicht. Und irgendwo im Westfälischen wird sich ein Fan gedacht haben: Wenn schon kein Sieg, dann wenigstens kein Gegentor.

Zumindest eines ist sicher: Wer dieses Spiel gesehen hat, weiß jetzt, dass Fußball auch ohne Tore viel Stoff für Geschichten bietet - wenn man ein bisschen Humor mitbringt. Und vielleicht ein starkes Bier.

24.12.643999 07:14
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Die Entscheidungen, die ich treffe, sind immer richtig.
Otto Rehhagel
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager