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Ein lauer Winterabend in Serres, 16.000 Zuschauer, Flutlicht an - und am Ende ein Spiel, das eher an Schach als an Spektakel erinnerte. Panserraikos und Odysseas Athen trennten sich am achten Spieltag der griechischen Superliga mit einem torlosen 0:0, das allen Beteiligten irgendwie nicht so richtig schmecken wollte - außer vielleicht den Torhütern, die endlich mal zeigen durften, warum sie überhaupt mitspielen. Odysseas Athen, trainiert vom altgedienten Otto "Rehakles" Rehakles, war über weite Strecken das aktivere Team. Ganze 15 Schüsse aufs Tor zählten die Statistiker, doch keiner davon wollte den Weg an Panserraikos-Keeper Lucas Cromwell vorbei finden. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste der 32-jährige Schlussmann nach Abpfiff. "Aber wenn sie noch eine Stunde länger geschossen hätten, hätte ich auch noch gestanden." Schon früh zeichnete sich ab, dass Athen spielerisch mehr zu bieten hatte. Rechtsaußen Ktesias Giannopoulos prüfte Cromwell in der 15. Minute zum ersten Mal ernsthaft - und legte gleich in der 25. und 43. Minute nach. Doch der Keeper des Heimteams war in Bestform, hechtete, faustete, und dirigierte seine Abwehr lautstark, als ginge es um den Champions-League-Finaleinzug. Panserraikos hingegen setzte auf kontrollierten Ballbesitz - 54,9 Prozent -, aber wenig Durchschlagskraft. Sechs Torschüsse in 90 Minuten, das ist eher Diätkost für die Fans. "Wir wollten ruhig aufbauen", erklärte Mittelfeldroutinier Jake Hamlin, der selbst kurz vor der Pause aus der Distanz abzog, "aber Odysseas stand kompakt. Da war kaum Platz, nicht mal für einen Pass durch die Hosentasche." Der vielleicht gefährlichste Moment der Gastgeber kam in der 66. Minute, als Hugo Deluguerre, der französische Linksaußen mit dem Charme eines Altmeisters, plötzlich frei vor Torhüter Tamir Ben auftauchte - und den Ball so elegant über die Latte zirkelte, dass man fast glauben konnte, er wollte das absichtlich tun. "Ich habe den Wind falsch eingeschätzt", murmelte er später mit einem Augenzwinkern. "Oder der Ball hat mich falsch eingeschätzt." Odysseas Athen dagegen spielte phasenweise wie eine Mannschaft, die unbedingt ein Tor erzwingen wollte. Besonders Espen Berthelsen auf der linken Seite war unermüdlich. Zwischen der 24. und 81. Minute tauchte sein Name gleich fünfmal in der Schussstatistik auf. Doch was nützt der schönste Name, wenn das Tornetz unberührt bleibt? "Wir hatten Chancen für zwei Spiele", knurrte Trainer Rehakles, "aber der Ball hatte heute offenbar etwas gegen uns." Auch taktisch blieb es ein Duell auf Augenhöhe. Beide Teams agierten in ausgeglichener Grundordnung, Panserraikos etwas vorsichtiger, Odysseas mit mehr Aggressivität, aber ohne Pressing. "Man spürte, dass niemand den ersten Fehler machen wollte", meinte ein Zuschauer auf der Tribüne, der sich als ehemaliger Linienrichter vorstellte. "Hätte einer von denen auch nur einmal richtig gezuckt, wäre das Spiel vielleicht explodiert." Stattdessen blieb es bei einem kontrollierten Nichtangriffspakt im Mittelfeld, unterbrochen von gelegentlichem Aufschreien des Publikums, wenn Espen oder Giannopoulos wieder vergeblich Maß nahmen. In der 60. Minute brachte Rehakles frische Flügel: Radovan Ctyroky und Christian Flo ersetzten Vicente Galisteo und Piotr Aldonin - ein klares Signal, noch einmal alles auf Sieg zu setzen. Doch Panserraikos hielt stand. Der junge Fotios Machlas, 21 Jahre alt, zeigte auf der linken Seite, warum er als Zukunftshoffnung gilt: stark im Zweikampf, mutig im Antritt, und mit einem satten Schuss, der in der 65. Minute das Außennetz erzittern ließ. Als in der Nachspielzeit Odysseas-Stürmer Janne Sauso noch einmal zum Kopfball ansetzte, hielten 16.000 Menschen kurz die Luft an. Doch Cromwell pflückte auch diesen Ball herunter - und grinste danach so breit, dass man dachte, er habe gerade ein Elfmeterschießen gewonnen. "Wir haben heute nicht schön gespielt, aber clever verteidigt", resümierte Panserraikos’ Kapitän Hamlin. "Und wenn du gegen eine Mannschaft von Otto Rehakles zu null spielst, hast du nicht alles falsch gemacht." Rehakles selbst sah das naturgemäß anders: "Ein Punkt ist ein Punkt. Aber wenn du 15 Mal aufs Tor schießt und keiner rein will, fängst du an, an höhere Mächte zu glauben." So endete ein Abend voller Anläufe ohne Ankunft, voller Energie ohne Ertrag. Die Fans verabschiedeten ihre Teams mit höflichem Applaus - und vielleicht dem Gedanken, dass es ja auch mal schön ist, wenn ein Spiel keine Verlierer kennt. Und irgendwo in der Kabine von Panserraikos soll Lucas Cromwell leise gesungen haben: "Null Tore, null Punkte verloren, null Sorgen." Wenn das kein Torwart-Hit ist. 10.04.643987 03:32 |
Sprücheklopfer
Wir sind in der Arena der Buhmann der Nation. Es geht um Millionen, und die Fehlentscheidungen häufen sich. Sobald es strittig wird, wird gegen uns gepfiffen. Da müssen wir das Ding eben wieder abreißen.
Rudi Assauer