Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Nullnummer mit Drama - Aragua schießt, Guayana hält dicht

38258 Zuschauer im Estadio Cachamay sahen am 12. Spieltag der 1. Liga Venezuela ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst - nicht wegen der Tore, sondern wegen ihrer völligen Abwesenheit. CD Guayana und Aragua FC trennten sich 0:0, und doch war es ein Abend voller Emotionen, Schüsse und - nun ja - Karten.

Von Beginn an rollte der Ball fast ausschließlich in Richtung des Tores von Roberto Bertran, dem 21-jährigen Keeper von Guayana, der spätestens nach dem fünften Torschuss in den ersten 15 Minuten zur lebenden Wand mutierte. Araguas Stürmer Egil Ali probierte es gleich mehrfach (14., 15., 20., 28., 60.), doch Bertran hielt alles, was auf ihn zuflog. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", sagte der Torwart nach dem Spiel mit einem müden Lächeln. "Aber ich hatte das Gefühl, sie wollten mich zum Helden machen."

Aragua-Coach Claire Werk hatte ihre Elf offensiv eingestellt - Flügelangriffe, Pressing, Schüsse aus allen Lagen. Das Resultat: 16 Torschüsse, null Treffer und eine Gelb-Rote Karte. "Wir hätten heute drei Tore schießen müssen. Mindestens", knurrte sie nach Abpfiff und blickte finster auf den Notizblock einer Reporterin. "Aber Fußball ist manchmal ein grausamer Lehrer."

In der Tat: Aragua rannte an, kombinierte über die wieselflinken Forwards Jason Adam und Damian Santos, der in der 44. Minute mit einem satten Schuss knapp über die Latte zielte. Doch Guayana stand tief, manchmal zu tief - Trainer Ralf Minge hatte seine Mannschaft auf "aggressiv wie ein Sonntagsspaziergang" eingestellt. Seine Spieler sollten Kräfte sparen, und das taten sie auch. 56 Prozent Ballbesitz, aber nur drei Torschüsse: Das nennt man wohl minimalistischen Fußball.

"Wir wollten den Ball haben, aber nicht zu viel Risiko gehen", erklärte Minge später. "Wir sind schließlich keine Zirkustruppe, die fürs Spektakel bezahlt wird." Dass das Publikum das anders sah, zeigte sich spätestens in der 70. Minute, als ein Pfeifkonzert durch die Ränge ging, während Aragua weiterhin anlief und Guayana den Ball quer spielte.

Dann der Moment des Dramas: In der 72. Minute sah Araguas Innenverteidiger Julian Puerta nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte. Schon zuvor (55.) war ihm der Schiedsrichter mit einer Verwarnung entgegengekommen - diesmal gab’s keine Gnade. "Ich habe nur den Ball gespielt!", rief Puerta noch, während er vom Platz trottete. Sein Trainer sah’s anders: "Julian hat heute zumindest versucht, das Spiel zu beleben. Leider auf seine Art."

Trotz Unterzahl blieb Aragua gefährlicher. Florian Sonntag, frisch eingewechselt für Jason Adam, prüfte Bertran in der 79. Minute erneut - doch wieder flog der Ball in die Arme des unerschütterlichen Keepers. Felipe Gomez, der Santos ersetzte, schoss in der 80. Minute aus spitzem Winkel - wieder nichts.

Auf der Gegenseite? Wolfgang Mertens (19.), David Bachmann (49.) und Kian Carmody (50.) sorgten für die drei einzigen Torschüsse der Gastgeber. Der Ballbesitz war da, die Ideen blieben aus. "Wir wollten sie müde laufen lassen", erklärte Carmody mit einem Grinsen. "Hat ja auch geklappt - nur leider haben wir vergessen, aufs Tor zu schießen."

Araguas Torhüter Johann Cartier musste kaum eingreifen, fror aber offenbar trotzdem. Nach dem Spiel zog er sich demonstrativ in eine Decke gehüllt vom Feld zurück. "Ich hätte auch eine Thermoskanne mitbringen können", witzelte er.

Die Statistik spricht Bände: 16 zu 3 Torschüsse, 43 Prozent Ballbesitz für Aragua, aber kein Tor. Guayana dagegen kontrollierte den Ball, aber nicht das Spiel. "Manchmal ist Fußball wie Schach", sagte Ralf Minge zum Abschluss. "Nur dass hier keiner matt gesetzt wurde."

Die Fans von Guayana gingen trotzdem zufrieden nach Hause - immerhin blieb man ohne Gegentor und mit einem Punkt im Gepäck. Aragua hingegen dürfte sich fragen, wie man ein Spiel so dominieren und trotzdem ohne Treffer abreisen kann.

"Wir werden uns die Chancen nochmal anschauen", versprach Claire Werk in der Pressekonferenz. "Aber wenn die Torfrau des Gegners einen Sahnetag erwischt, kann man nur applaudieren."

Und so endete ein Abend, an dem sich beide Teams in ihrer eigenen Art treu blieben: Guayana kontrolliert und behäbig, Aragua stürmisch, aber glücklos. Das Publikum bekam kein Tor zu sehen - aber immerhin eine Gelb-Rote Karte, viel Drama und genug Gesprächsstoff für die nächste Runde im Stadionkiosk.

Vielleicht war es kein Fußballfest. Aber eines war es sicher: ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man ein 0:0 zu einer kleinen Oper der verpassten Gelegenheiten macht.

26.05.643987 08:59
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Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler
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