Jornal do Brasil
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Nullnummer mit Drama: Flamengo schießt, Fluminense hält - und Henry lächelt

Es war einer dieser lauen brasilianischen Abende, an denen das Stadion mehr nach Samba als nach Fußball klang. 27.000 Zuschauer drängten sich im Estádio das Laranjeiras, um das traditionelle Duell zwischen AD Fluminense und CF Flamengo zu sehen - und bekamen ein 0:0 serviert, das in seiner eigenen Art durchaus spektakulär war.

"Wenn man 14 Mal aufs Tor schießt und kein Tor erzielt, nennt man das entweder Pech oder Fluminense-Torwart Bailey Bouchard", brummte Flamengo-Coach Dino Ma nach Abpfiff. Er hatte allen Grund, die Stirn zu runzeln: Seine Offensivreihe um Aki Ukkonen, Filipe Gama und Daniel Keller ballerte, flankte und dribbelte, doch das Netz blieb jungfräulich.

Schon in der 2. Minute prüfte Ukkonen den Keeper mit einem satten Schuss aus 15 Metern. Bouchard, der offenbar Koffein im Blut hatte, hechtete wie ein Volleyballer auf der Linie. Und das war erst der Anfang einer langen Nacht für den Schlussmann. In der 11. Minute donnerte Innenverteidiger Noe Fernandes (!) den Ball aufs Tor - ein Versuch, der irgendwo zwischen Mut und Wahnsinn pendelte. Spätestens da dürfte Trainer Ma gewusst haben, dass seine Jungs heute alles probieren würden - wirklich alles.

Fluminense tat, was Fluminense eben tut, wenn es gegen Flamengo geht: solide stehen, auf Konter lauern und hoffen, dass Balazs Krajcik vorne irgendetwas Magisches einfällt. In der 19. Minute blitzte kurz so ein Moment auf, als der junge Ungar sich ein Herz fasste und aus halblinker Position abzog - doch der Ball zischte knapp am Pfosten vorbei, und Fluminenses Trainer Thierry Henry schlug sich mit einem Lächeln die Hand vor die Stirn. "Er wollte wohl zeigen, dass er auch mit dem rechten Fuß schießen kann, obwohl der sonst nur zum Einsteigen in den Bus dient", witzelte Henry später.

Flamengo blieb offensiv, fast schon trotzig. 50,7 Prozent Ballbesitz für Fluminense - ein Wert, der wohl nur durch die Rückpässe der Gäste zustande kam. Die Statistik erzählte ein anderes Spiel: 14 Torschüsse für Flamengo, ganze vier für Fluminense. Doch was sind Zahlen wert, wenn am Ende keiner trifft?

Kurz vor der Pause ein kurioses Schauspiel: Torwart Marco Barbosa verletzte sich beim eigenen Abschlag leicht am Oberschenkel - nichts Dramatisches, aber genug für eine Halbzeitpause mit Wechsel. Der 18-jährige Marcio Vaz kam zu seinem Debüt, und die Flamengo-Fans hielten kollektiv den Atem an. Vaz hielt, was zu halten war - aber das waren eher die Flanken seiner Mitspieler, die den Strafraum in Brand setzen wollten, aber höchstens Funken schlugen.

In der zweiten Hälfte änderte sich das Bild kaum. Daniel Keller prüfte gleich nach Wiederanpfiff erneut den wachsamen Bouchard (46.). Pedro Veloso, der flinke Rechtsaußen, kam in der 57. Minute zu einer guten Gelegenheit, doch wieder war da dieser Mann mit den Reflexen eines Raubtiers. "Ich dachte, der Ball wäre schon drin, aber dann kam dieser verdammte Kanadier mit seinen Hockey-Händen", stöhnte Veloso lachend.

Thierry Henry an der Seitenlinie wirkte derweil erstaunlich gelassen. Während Dino Ma wild gestikulierend jeden Pass kommentierte, stand Henry da wie ein Schachspieler, der genau wusste, dass sein Gegner sich gerade selbst blockierte. "Wir haben gut verteidigt, ja. Aber wir haben auch gut gezittert", meinte er nach dem Spiel trocken.

In der 77. Minute gab es dann doch noch Farbe im Spiel: Fluminenses Rechtsverteidiger Jan Dvorak sah Gelb, nachdem er Filipe Gama auf Höhe der Eckfahne umgesenst hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen, aber der Ball war schneller - und Filipe leider auch", gab Dvorak später zu Protokoll, was beim Publikum für kollektives Schmunzeln sorgte.

Die letzten Minuten wurden zur One-Man-Show des unglücklichen Aki Ukkonen. Der 19-jährige Finne kam in der 89. Minute noch einmal frei vor dem Tor zum Abschluss - und traf wieder nur Bouchard. Als der Schiedsrichter kurz darauf abpfiff, sank Ukkonen auf den Rasen und schlug die Hände vors Gesicht. "Ich hab alles versucht - außer vielleicht, den Ball ins Tor zu tragen", murmelte er.

Am Ende stand ein 0:0, das Flamengo wie eine Niederlage schmeckte und Fluminense wie ein kleiner Sieg vorkam. 14:4 Torschüsse, 55,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Flamengo, aber null Punkte mehr auf dem Konto.

"Das war wie Sushi ohne Fisch - schön angerichtet, aber irgendwas fehlt", sagte ein sarkastischer Fan auf der Tribüne, während Henry mit einem zufriedenen Nicken Richtung Kabine verschwand. Und so bleibt dieser 11. Spieltag der brasilianischen Liga in Erinnerung als jener Abend, an dem ein junger Torwart zur Wand wurde, ein Finne verzweifelte - und Fußball Brasilianisch gesprochen wurde, ohne dass jemand traf.

Vielleicht war das ja auch Kunst.

14.05.643987 21:22
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