Jornal do Brasil
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Nullnummer mit Drama - Gremio beißt sich an zehn Flamengo-Spielern die Zähne aus

Es war eines dieser Spiele, bei denen man sich fragt, ob der Fußballgott gerade im Stau steckt. 46.087 Zuschauer im Estádio Olímpico von Porto Alegre sahen am 9. Spieltag der brasilianischen Liga ein 0:0 zwischen Gremio Porto Alegre und CF Flamengo - und doch war es kein Spiel zum Einschlafen. Es war eher ein Fußballkrimi ohne Täter, dafür mit reichlich Verdächtigen, einer roten Karte und einem überragenden Torwart.

Schon nach drei Minuten prüfte Alexander Robert, der rechte Verteidiger Gremios, die Standfestigkeit der Handschuhe von Flamengos Keeper Curt Binder. "Ich dachte, der Ball sei drin, ehrlich!", rief Robert später lachend, "aber Binder hat wohl Magneten in den Fingern." Es sollte der Auftakt zu einem wahren Torschuss-Festival der Hausherren werden: 12 Schüsse aufs Tor, ein Dutzend Mal Hoffnung, ein Dutzend Mal Ernüchterung.

Flamengo dagegen begann gewohnt zurückhaltend, fast schon philosophisch defensiv. Trainer Dino Ma hatte seine Mannschaft auf Konter eingestellt - was anfangs so aussah, als wolle man eher den Parkplatz als das gegnerische Tor angreifen. Doch der Plan ging fast auf: In der 17. Minute tauchte der 19-jährige Finne Aki Ukkonen plötzlich vor Gremio-Keeper David Djalo auf, verzog aber knapp. "Ich habe kurz gezögert, weil ich dachte, ich sei im Abseits", sagte der Youngster später. "War ich aber nicht. Pech gehabt."

Dann wurde es hitzig. Flamengos rechter Verteidiger Cesar Poncela sah in der 26. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, drei Minuten später erwischte es seinen Nebenmann Olgun Balkan ebenfalls. "Da war mehr Ball als Bein", verteidigte sich Balkan - eine Aussage, die wohl nur er selbst unterschreiben würde.

Gremio dominierte zwar den Ballbesitz (48 zu 52 Prozent - also beinahe Gleichstand, aber mit deutlich mehr Initiative), spielte geduldig, manchmal zu geduldig. Hans Davidsen, der 33-jährige rechte Mittelfeldmann, zog gleich dreimal ab, scheiterte aber jedes Mal knapp. Trainer Huub Stevens schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf: "Wir haben alles versucht, aber das Tor war heute einfach zu."

Nach der Pause schien Gremio noch entschlossener. Uzi Eban prüfte Binder in der 56. Minute mit einem satten Schuss, der Keeper lenkte den Ball spektakulär über die Latte. Und dann - die Szene, die das Spiel auf den Kopf stellte: In der 59. Minute sah Flamengos Nachwuchsmann Luís Deco nach einem übermotivierten Tritt glatt Rot. Der 18-Jährige hatte gerade einmal elf Minuten zuvor eingewechselt worden. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", nuschelte er nach dem Spiel kleinlaut. "Hat wohl jeder gesehen."

Von da an spielte Flamengo in Unterzahl, Gremio im Power-Modus. Stevens reagierte mit einem Dreifachwechsel in der 72. Minute - frisches Blut für den Angriff: Mattias Mattson, Diamantis Dellas und Agustin Ximenes kamen. "Jetzt oder nie", brüllte Stevens über den Platz. Doch es blieb beim "nie".

Flamengo verteidigte mit allem, was Beine hatte. Selbst Stürmer Daniel Keller rückte zeitweise auf die eigene Torlinie zurück. In der 82. Minute brachte Dino Ma noch Hugo Custodio, um Zeit zu schinden und Stabilität zu wahren - was ihm erstaunlich gut gelang. In der Nachspielzeit musste Gremios Richard Bolf nach einem Zusammenprall verletzt raus; ein symbolischer Abschluss eines Abends, an dem nichts reingehen wollte - außer den Spielern in die Kabine.

"Ein 0:0, das sich wie ein 2:2 anfühlt", meinte Gremio-Kapitän Davidsen nach dem Abpfiff. "Wir haben alles gegeben, aber der Ball hatte heute einfach keine Lust." Trainer Stevens war diplomatischer: "Wenn man 12 Schüsse hat und der Gegner 5, dann weiß man, wer das Spiel gemacht hat. Aber im Fußball zählt nur, wer trifft - und das war heute niemand."

Flamengo-Coach Dino Ma grinste verschmitzt: "Mit zehn Mann in Porto Alegre zu null zu spielen, das ist fast wie ein Sieg. Und außerdem spart man sich die Jubeltrainings."

So blieb am Ende ein torloses Spektakel voller Emotionen, Paraden und Karten. Die Fans verabschiedeten ihre Teams mit Applaus - vielleicht auch aus Erleichterung, dass sie keine Eintrittskarte für ein 0:0 gekauft, sondern für 90 Minuten puren Nervenkitzel.

Und irgendwo in den Katakomben des Stadions soll man Huub Stevens gemurmelt haben: "Beim nächsten Mal schießen wir aufs Tor - und nicht auf den Keeper." Ein frommer Wunsch für das nächste Spiel, denn Tore wären langsam wieder schön.

22.04.643987 00:13
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