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Es war einer dieser Abende in Budapest, an denen man sich nach 90 Minuten fragt, ob das Runde überhaupt jemals ins Eckige wollte. 20.000 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion des Honvet Budapest sahen am 5. Spieltag der ungarischen 1. Liga ein 0:0, das so alles hatte - außer Toren. Dafür gab’s reichlich Spannung, ein bisschen Chaos und eine Gelb-Rote Karte als dramaturgischen Höhepunkt. Von Beginn an war klar: Beide Teams hatten sich auf ein ausgeglichenes Duell eingestellt. Honvet, taktisch wie gewohnt "balanced", suchte sein Glück über das Kombinationsspiel, während der FC Kaposvar auf schnelle Gegenstöße lauerte. Schon in der 10. Minute prüfte Laszlo Sebes mit einem kernigen Linksschuss Honvets Keeper Gabor Dardai, der den Ball mit den Fingerspitzen um den Pfosten lenkte. Drei Minuten später zog Karoly Palotai aus 20 Metern ab - wieder Dardai. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er kam zurück wie ein Bumerang", grinste der Torhüter später. Dann übernahm Honvet das Kommando. Balazs Kovacs und Peter Feher sorgten über die Flügel für Betrieb. Feher, der 32-jährige Dauerläufer, zwang Kaposvars Torwart Christopher Bloomfield in der 16. Minute zu einer Glanzparade. Der Engländer zwischen den Pfosten strahlte nach dem Spiel: "Ich habe heute meinen Vertrag verlängert - mit mir selbst." Bis zur Pause blieb es beim torlosen Schlagabtausch. Allerdings nicht ohne Farbe: Bereits in der 8. Minute sah Honvets Innenverteidiger Krisztian Toldi Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, das in den 1980ern noch als "robust, aber fair" durchgegangen wäre. Kurz vor der Halbzeit schrieb sich dann auch Rechtsverteidiger Gabor Mandi in das Notizbuch des Schiedsrichters ein. Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich ein Spiel, das weniger von Taktik als von Temperament lebte. Mandi, offenbar inspiriert von seiner Karte, beschloss in der 58. Minute, das Ganze mit einem zweiten Foul abzurunden - Gelb-Rot, ab unter die Dusche. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte er sich später, "aber der Ball war schneller als gedacht." Trainer und Mitspieler schauten betreten zu Boden, während Kaposvar nun Oberwasser bekam. Die Gäste verpassten in der 67. Minute die größte Chance des Spiels, als Palotai nach feinem Zuspiel von Lantos freistehend vergab. Wenig später drosch Andre Viola das Leder in der 72. Minute aus zehn Metern über die Latte und fluchte anschließend so laut, dass selbst die Ersatzbank errötete. Doch auch zu zehnt gab sich Honvet nicht auf. Peter Feher, der unermüdliche Antreiber, prüfte Bloomfield in der 77. Minute erneut mit einem satten Schuss - wieder gehalten. Kovacs (78.) und der junge Tamas Juhasz (89.) versuchten es noch aus der Distanz. Immerhin: Die Statistik sprach knapp für die Hausherren - 10:7 Torschüsse, 49 zu 51 Prozent Ballbesitz. Aber wer will schon Prozentpunkte feiern, wenn keine Tore fallen? In der Nachspielzeit hatte Laszlo Sebes für Kaposvar sogar noch den Sieg auf dem Fuß. Sein Schuss aus spitzem Winkel rauschte jedoch haarscharf am langen Pfosten vorbei. Der Kaposvar-Trainer kommentierte trocken: "Wenn wir treffen, gewinnen wir. Leider haben wir das zweite Verb im Satz vergessen." Nach dem Schlusspfiff herrschte eine Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung. Honvets Trainer, der sich sichtlich um Contenance bemühte, meinte: "Mit zehn Mann war das ein Charaktertest. Wir haben bestanden - aber das war kein Schönheitspreis." Die Fans applaudierten trotzdem, wohlwissend, dass auch ein 0:0 seine Geschichten schreibt. Etwa die von einem Torhüter-Duell zweier Veteranen, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen trieben. Oder die von einem jungen Juhasz, der in der 89. Minute mutig draufhielt, als andere schon die Kabine im Kopf hatten. Und so endete ein Abend, der niemanden wirklich glücklich machte, aber immerhin niemanden unglücklich genug, um auszurasten. "Ein gerechtes Ergebnis", murmelte ein Zuschauer beim Hinausgehen, "aber ich hätte mir wenigstens ein Eigentor gewünscht - zur Unterhaltung." Vielleicht beim nächsten Mal. Bis dahin bleibt die Erkenntnis: Auch ein torloses Unentschieden kann eine ganze Menge Lärm machen - wenn 20.000 Budapester es gemeinsam verdauen müssen. 16.03.643987 05:20 |
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Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt