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4077 Zuschauer im altehrwürdigen Ruhrstadion bekamen am Sonntagabend alles geboten - außer Toren. Der VfB Speldorf und der PSV Neumünster trennten sich im Regionalliga-C-Duell 0:0, ein Ergebnis, das so nüchtern klingt wie der Kaffee nach dem Abpfiff, aber mindestens drei Kapitel in der Vereinschronik verdient: "Leidenschaft", "Latte" und "Leandro". Von Beginn an war klar, dass die Gäste aus Neumünster nicht zum Kaffeekränzchen angereist waren. Schon nach drei Minuten prüfte der 19-jährige Mario Venditti Speldorfs Keeper Stephan Karl mit einem satten Flachschuss - ein erster Gruß aus dem hohen Norden. Karl, der an diesem Abend eher einem Trapezkünstler als einem Torwart glich, parierte reaktionsschnell. "Ich hab den Ball erst spät gesehen", erklärte er später grinsend. "Aber meine Frau sagt immer: Endlich lohnt sich das Yoga." Die Speldorfer, taktisch wie immer "balanciert" im Auftritt, ließen sich davon wenig beeindrucken. Trainer Jakob Meier hatte seine Jungs auf Geduld eingeschworen. "Abwarten und Tee trinken - das ist unser Pressing", witzelte er vor der Partie. Und tatsächlich: während der PSV mit breiter Brust anrannte, hielt Speldorf mit stoischer Ruhe dagegen. Nur zwei Torschüsse kamen am Ende von den Hausherren, was aber weniger mit fehlendem Mut, sondern mehr mit fehlender Präzision zu tun hatte. Ethan Gallagher setzte in der 30. Minute ein erstes Ausrufezeichen. Sein Schuss aus 18 Metern landete jedoch im Fangnetz - immerhin ein schöner Gruß an die Fans in der Nordkurve. Kurz vor der Pause durfte sich Timm Stumpf (41.) noch einmal versuchen, aber auch sein Versuch wurde sichere Beute von Neumünsters junger Nummer eins, Jorge Yago. "Er hat die Ruhe eines Mathematiklehrers in der Nachtschicht", lobte ein Zuschauer anerkennend. Während auf der Tribüne die Bratwurst glühte, glühte auf dem Rasen vor allem Zoltan Koplarovics. Der 20-jährige Flügelflitzer Neumünsters schoss in der 38., 66. und 82. Minute aufs Tor - dreimal scheiterte er, dreimal fluchte er. "Ich dachte, irgendwann muss der Ball ja mal reinfallen", sagte er nach dem Spiel, "aber vielleicht war das Tor heute einfach beleidigt." Neumünster, von Trainer Cedric Catweazle offensiv eingestellt, drängte unermüdlich. Die Gäste verbuchten am Ende 10 Torschüsse und leicht mehr Ballbesitz (51 Prozent). Doch Speldorf verteidigte mit Leidenschaft - und gelegentlich mit dem Regelwerk auf Kante. Drei Gelbe Karten für die Hausherren (Javier Manu in der 18., Rafael Jung in der 73. und Oscar Diaz in der 83. Minute) zeugen davon, dass man den Gästen den Spaß gründlich verderben wollte. "Das war kein böses Spiel, nur ein ehrliches", meinte Meier später mit einem Augenzwinkern. In der 77. Minute versuchte sich dann Yves Kraus mit einem artistischen Abschluss - vorbei. Kurz darauf gab’s Gelb für Elof Uggla (86.), der offenbar dachte, das Wort "Zweikampf" enthalte die Zahl nicht ohne Grund. PSV-Trainer Catweazle nahm es gelassen: "Wir haben alles probiert, aber Speldorf hat gespielt wie ein Parkplatz nach Feierabend - da war einfach kein Durchkommen." Die Nachspielzeit brachte noch einen letzten Versuch: Sergio Diez zog aus 25 Metern ab, aber Stephan Karl flog wie ein Mann mit Mission und parierte mit der rechten Faust. Der Schlusspfiff fühlte sich für Speldorf an wie ein kleiner Sieg, für Neumünster wie ein Déjà-vu in Grau. "Ein Punkt ist ein Punkt", brummte Meier, als er in den Kabinengang verschwand. "Und wer weiß - vielleicht gewinnen wir ja nächste Woche aus Versehen." Sein Gegenüber Catweazle hingegen rang um Fassung: "Wenn du zehnmal schießt und kein Tor machst, brauchst du entweder einen Psychologen oder einen neuen Rasensprenger." Und so endete ein Spiel, das keine Tore, aber jede Menge Geschichten schrieb - über junge Wilde aus Neumünster, abgeklärte Verteidiger aus Speldorf und einen Torwart, der seine Yoga-Übungen in Punkte umwandelt. Das Publikum verabschiedete beide Teams mit ehrlichem Applaus. Vielleicht, weil sie wussten: Ein 0:0 kann genauso spannend sein wie ein 3:3 - nur ohne den ganzen Torjubel. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn’s keine Tore gibt, hat man wenigstens mehr Zeit für die Stadionwurst." Und mal ehrlich - schlechter Trost ist das nicht. 06.03.643987 12:35 |
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