Sovetskij Sport
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Nullnummer mit Drama: Saransk beißt sich an Anzhi die Zähne aus

Ein 0:0, das lauter war als so manches 4:3 - so könnte man den Abend in Saransk wohl zusammenfassen. Vor 15.916 unerschrockenen Zuschauern lieferte der FK Saransk gegen Anzhi Makhachkala ein Spiel der verpassten Gelegenheiten, der dicken Chancen und der noch dickeren Gelben Karten. Am Ende stand zwar kein Tor auf der Anzeigetafel, aber reichlich Gesprächsstoff auf dem Platz.

Von der ersten Minute an war klar: Saransk wollte. Und wie sie wollten! Trainer Jonas Sohnemann hatte seine Elf klar eingestellt - "Balance ist schön, aber Tore sind schöner", raunzte er vor dem Anpfiff. Doch trotz 17 Torschüssen, 52 Prozent Ballbesitz und einer Tacklingquote, die jedem Fitnesscoach Tränen der Freude in die Augen treiben würde, blieb das Netz leer.

Benjamin Cameron, der rechte Wirbelwind im Sturm, prüfte Anzhis jungen Keeper Olof Johansson bereits in der 20. Minute. Johansson, gerade einmal 19 Jahre alt, parierte, als hätte er schon 100 Spiele in den Knochen. "Ich hab einfach den Kopf ausgeschaltet", grinste der Teenager nach der Partie. "Und die Hände eingeschaltet."

In der 22. Minute dann Gabri Teixeira - dreimaliger Torschütze in der laufenden Saison und an diesem Abend mit der Durchschlagskraft eines Presslufthammers - scheiterte haarscharf. Sein Schuss strich nur Zentimeter über die Latte. Noach Keese probierte es wenig später aus der Distanz, aber auch er fand in Johansson seinen Meister.

Anzhi Makhachkala, unter der Leitung von Francesco Guidolin, war dagegen auf Konter aus. "Wir wollten offensiv spielen, aber ohne Ballbesitz", erklärte Guidolin trocken - und schien damit die Paradoxie des modernen Fußballs auf den Punkt zu bringen. Seine Jungs waren jung, wild und manchmal etwas ungestüm. Die Statistik sprach Bände: vier Torschüsse, aber jeder davon mit der Entschlossenheit eines Kamikazefliegers. Jozef Demo (28.) und Fernando Corona (30.) sorgten zumindest für kurze Adrenalinschübe bei den Heimfans.

Nach der Pause drehte Saransk nochmals auf. Teixeira hatte zwischen Minute 59 und 72 gleich vier gute Gelegenheiten - allein, der Ball wollte nicht rein. "Ich glaub, das Tor war heute kleiner", scherzte er nach dem Abpfiff, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Sein Kollege Cameron ergänzte: "Oder der Ball zu rund."

Ab der 60. Minute wurde es ruppiger. Keese sah Gelb nach einem beherzten Einsteigen. Kurz darauf folgten Sergio Goncalves (77.) und Finn Fisker (78.) - beide ebenfalls verwarnt. Sohnemann gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief seinem Rechtsverteidiger Goncalves zu: "Sergio, das war die letzte!" - nur um acht Minuten später mit ansehen zu müssen, wie genau dieser Sergio in Minute 88 mit Gelb-Rot vom Platz marschierte. Er verließ das Spielfeld mit einem Schulterzucken und dem charmanten Kommentar: "Vielleicht hilft’s ja, wenn wir weniger sind."

In Unterzahl stemmte sich Saransk noch gegen das Remis, doch es half alles nichts. Selbst in der Nachspielzeit feuerten Cameron (94.) und Poli (95.) noch Schüsse ab, die Johansson spektakulär entschärfte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie viele Bälle auf mich zuflogen", meinte der Anzhi-Keeper und wurde von seinen Mitspielern kurzerhand zum "Wand von Makhachkala" getauft.

Trainer Sohnemann wirkte nach dem Schlusspfiff fast schon philosophisch: "Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz - viel Aufbau, kein Lacher." Er grinste, klopfte Teixeira auf die Schulter und versprach: "Das nächste Mal schießen wir mit Zielwasser."

Guidolin hingegen zeigte sich zufrieden: "Ein Punkt auswärts, kein Gegentor, keine Panik - das ist für uns wie ein kleines Fest."

Fazit: Saransk hatte mehr vom Spiel, Anzhi hatte mehr Glück, und das Publikum bekam immerhin genug Action, um das Frieren auf den Rängen zu vergessen. 17:4 Torschüsse, 3 Gelbe Karten, eine Gelb-Rote und null Tore - das klingt nach einem Spiel, das man seinen Enkelkindern nicht unbedingt erzählen muss, aber trotzdem irgendwie im Gedächtnis bleibt.

Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions seufzte: "Wenn Fußball Kunst ist, war das heute ein expressionistisches Gemälde - man weiß nicht genau, was es darstellen soll, aber man kann nicht wegsehen."

07.07.643993 11:11
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Rainer Calmund
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