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Ein 0:0 kann vieles sein - langweilig, zäh, taktisch geprägt. Dieses hier war alles davon, aber eben auch ein bisschen mehr. Als sich Tindastoll und KR Stjarnan am 17. Spieltag der 1. Liga Island in einem kühlen Maiabend gegenüberstanden, sahen die 12.500 Zuschauer kein Tor, aber immerhin ein buntes Sammelsurium aus verpassten Chancen, gelben Karten und einem Platzverweis, der selbst den isländischen Rasen frösteln ließ. Schon nach vier Minuten zischte der erste Ball gefährlich durch den Strafraum von Tindastoll - Roger Celine von KR Stjarnan probierte es beherzt, scheiterte aber an Keeper Marcos Menendez, der den Ball zur Seite abwehrte. "Ich wollte den frühen Schock setzen", grinste Celine später, "aber Marcos hatte wohl noch zu viel Kaffee im Blut." Die Gastgeber brauchten etwas, um in die Partie zu finden. Emil Dumitrescu prüfte in der 13. Minute erstmals Ralph König, den Torwart der Gäste. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben - Dumitrescu hatte an diesem Abend offenbar ein Abonnement auf halbgute Chancen. Achtmal zielte Tindastoll insgesamt auf den Kasten, nie zappelte das Netz. "Wir hätten bis Mitternacht spielen können", seufzte Trainer Jörg Wenneker nach dem Spiel, "und Emil hätte trotzdem noch einmal vorbeigezogen." Die erste Halbzeit blieb trotz einiger Aufreger torlos. Dafür sammelte Tindastoll fleißig Karten: Rechtsverteidiger Rafael Miro sah in der 8. Minute Gelb, Innenverteidiger Helgi Hanson folgte vier Minuten später. "Ich wollte nur höflich nachfragen, ob das wirklich ein Foul war", erklärte Hanson später mit einem Grinsen. Der Schiedsrichter verstand den Humor nicht. KR Stjarnan hatte in der Folge mehr vom Spiel - ein hauchdünnes Plus beim Ballbesitz (51 Prozent) und zwölf Torschüsse sprechen eine klare Sprache. Roger Celine und Sigmund Henningsen wirbelten auf den Flügeln, während Liam Latham aus dem Mittelfeld mit wuchtigen Distanzschüssen versuchte, Menendez zu beeindrucken. "Wenn ich noch einmal Latham aus 25 Metern schießen sehe, muss ich ihm eine Eintrittskarte in den Fanblock kaufen", spottete Stjarnan-Trainer Andri Ólafsson augenzwinkernd. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete - mit Chancen, die keine waren. Dumitrescu drosch in der 52. Minute den Ball über das Fangnetz, Celine traf in der 49. Minute nur die Latte, und der Stadionsprecher hatte bald mehr Torschussansagen als Jubelrufe auf dem Zettel. Dann, in der 79. Minute, wurde es hitzig: Rafael Miro, der schon Gelb hatte, rauschte rustikal in einen Zweikampf und sah folgerichtig Gelb-Rot. "Ich habe den Ball gespielt - also zumindest den Gedanken daran", verteidigte sich Miro später. Trainer Wenneker reagierte mit einem tiefen Seufzer und einem taktischen Rückzug, der das Spiel endgültig entschleunigte. In Unterzahl stemmte sich Tindastoll gegen den Dauerdruck der Gäste. Roger Celine, der auffälligste Mann auf dem Platz, traf in der 86. Minute noch einmal den Außenpfosten. In der Nachspielzeit versuchte es Hatay Adin aus der zweiten Reihe, aber Menendez pflückte den Ball wie eine reife Beere vom Baum. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Zuschauer trotzdem höflich - in Island weiß man auch ein 0:0 zu schätzen, wenn es wenigstens ordentlich rappelt. "Das war kein Spiel für Feingeister, aber ein ehrliches", fasste Ólafsson zusammen. Wenneker nickte neben ihm: "Manchmal ist ein Punkt in Unterzahl wie ein Sieg. Nur ohne Spaß dabei." Statistisch betrachtet war das Remis sogar gerecht. Stjarnan hatte mehr Torschüsse und leicht mehr Ballbesitz, Tindastoll dafür mehr Herz - und weniger Spieler auf dem Feld. Ein Reporter fragte Celine, ob ihn das torlose Ergebnis frustriere. "Nein", sagte er trocken, "ich mag es, wenn der Gegner sich freut, mich nicht getroffen zu haben." So endete ein Abend, der keine Tore, aber reichlich Geschichten produzierte. Keine Schönheit, aber ein ehrlicher Arbeiter unter den Fußballspielen. Oder wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Manchmal ist 0:0 halt das isländische 3:3." Und wer weiß - vielleicht fallen die Tore ja im Rückspiel. Vorausgesetzt, Rafael Miro ist dann nicht schon wieder in der Kabine. 12.12.643999 20:39 |
Sprücheklopfer
Ich hatte mit dem Polizisten ein überragendes Gespräch.
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