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Ein 0:0 kann langweilig sein. Dieses hier war es nicht - zumindest nicht für Liebhaber taktischer Feinheiten, aufmerksame Torhüter oder Menschen mit einer ausgeprägten Vorliebe für vergebene Großchancen. Der FC San Sebastian und Blancos Madrid trennten sich am 7. Spieltag der 1. Liga Spanien torlos, aber keineswegs ereignislos. 43.500 Zuschauer im Estadio de la Costa sahen, wie die Madrider zwar 15 Torschüsse abfeuerten, aber nicht einen einzigen Ball im Netz unterbrachten. Schon in der ersten Minute sorgte der 19-jährige Alex Juarez für einen Warnschuss auf Seiten der San Sebastianer - ein Versuch, der mehr jugendlichen Übermut als Zielgenauigkeit verriet. Danach übernahmen die Gäste das Kommando: Donis, Edgecomb, Budan - sie alle prüften den Keeper Pierre Guillory, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, unüberwindbar zu sein. "Ich habe einfach beschlossen, dass heute keiner an mir vorbeikommt", grinste der Torwart nach Abpfiff. Blancos Madrid, unter der Leitung von Coach Anton Schneider, spielte von Beginn an mit offenem Visier. Offensiv, mit starkem Pressing und dem Willen, das Tor mit chirurgischer Präzision zu treffen - nur leider mit der Treffsicherheit eines schlecht kalibrierten Navigationsgeräts. Besonders Lubomir Penksa, der bullige Mittelstürmer, verzweifelte im zweiten Durchgang gleich mehrfach: In der 55., 76., 77. und 82. Minute donnerte er den Ball jeweils in Richtung Küste, aber nie in die Maschen. Der Frust war ihm anzusehen. Ein Reporter fragte ihn später, was er gedacht habe, als der vierte Versuch misslang. Penksa lachte bitter: "Dass das Tor vielleicht weiter links steht, als ich dachte." San Sebastian setzte auf Konter. Trainer Daniel Derksen ließ seine Elf tief stehen, lange Bälle auf die schnellen Spitzen Assis und Calderon waren das Mittel der Wahl. In der 18. und 22. Minute zeigte Calderon, wie gefährlich diese Taktik sein konnte - zweimal zwang er Madrids Keeper Rui Alves zu Glanzparaden. In der Schlussphase hatte derselbe Calderon noch zweimal den Sieg auf dem Fuß (88. und 90. Minute), aber auch er schien am Ende lieber einen Punkt statt eines Tores mitzunehmen. Zwischendurch wurde es hitzig. Jonathan Maes sah in der 42. Minute Gelb, Pau Vasquez folgte zehn Minuten später. "Ich wollte nur den Ball, ehrlich!", verteidigte sich Vasquez nach dem Spiel mit einem Lächeln, das wenig Reue erkennen ließ. Trainer Derksen reagierte zur Stunde 60 - vielleicht mehr aus Sorge um die Disziplin als aus taktischen Gründen - und brachte den erfahrenen Salvador Henrico. "Salva sollte Ruhe reinbringen", erklärte der Coach. "Er hat sie gebracht - vielleicht etwas zu viel davon." Madrid wechselte ebenfalls: Donis musste in der 60. Minute für Sergio Viana weichen, während Trainer Schneider kurz vor Schluss gleich doppelt tauschte - Fernandes und Martini raus, Meireles und Coupek rein. Dumm nur, dass Meireles sich in der Nachspielzeit verletzte. "Er hat sich beim allerersten Sprint das Bein vertreten", seufzte Schneider. "Er wollte zu schnell glänzen." Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das Madrid hätte gewinnen müssen - aber nicht wollte, und San Sebastian - das wohl nicht konnte. 52,9 Prozent Ballbesitz, 15:7 Torschüsse, aber null Tore: Das ist die Art Statistik, die in Madrid normalerweise für Krisensitzungen sorgt. Derksen dagegen war zufrieden: "Wir haben den Favoriten geärgert, das ist auch eine Kunst." Nach dem Schlusspfiff applaudierten die Zuschauer höflich. Kein Pfeifkonzert, kein Jubel - eher ein kollektives Schulterzucken. "Manchmal ist Fußball wie ein gutes Buch ohne Schlusskapitel", sagte ein Zuschauer beim Hinausgehen. Vielleicht trifft es das ganz gut. Und so endet dieser Abend mit einem 0:0, das auf dem Papier unspektakulär wirkt, aber auf dem Rasen eine Geschichte von verpassten Chancen, taktischer Disziplin und einem Torwart in Bestform erzählte. Oder, wie Daniel Derksen es formulierte: "Manchmal ist das schönste Tor das, das nicht fällt." Ein sarkastischer, aber passender Abschluss für ein Spiel, das alles hatte - außer eben Tore. 29.03.643987 19:27 |
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