// Startseite
| US Sports |
| +++ Sportzeitung für USA +++ |
|
|
|
50.000 Zuschauer, Flutlicht, 5. Spieltag der 1. Liga USA - und am Ende ein 0:0, das gleichzeitig alles und nichts war. Die Atlanta Gorillas und die Miami Strikers trennten sich torlos, aber wer dabei war, weiß: Langweilig war’s trotzdem nicht. Es war ein Spiel, das man auch "Die Kunst des Verpassens" nennen könnte. Anja Meister, die Trainerin der Gorillas, stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, schüttelte den Kopf und sagte trocken: "Wir hätten heute noch drei Stunden spielen können, und Diego hätte trotzdem nur das Aluminium getroffen." Es war diese Mischung aus Ironie und Frust, die das Spiel perfekt zusammenfasste. Denn Chancen hatte Atlanta reichlich: 16 Torschüsse, fast doppelt so viele wie Miami. Schon in der 2. Minute prüfte der 18-jährige Joseph Winfield den Strikers-Keeper Hugo Simao, der mit einer Glanzparade gleich mal zeigte, dass er an diesem Abend keinen Spaß versteht. Nur drei Minuten später versuchte es Diego Rielo - zielstrebig, aber nicht zielsicher. "Ich schwöre, der Ball hat sich in der Luft umentschieden", grinste Rielo später, "erst wollte er ins Eck, dann wohl doch lieber ins Fangnetz." Miami dagegen spielte, wie es ihr Trainer Liam Capo später nannte, "kontrolliert defensiv mit kreativer Schüchternheit". Fünf Torschüsse, davon einer ernsthaft gefährlich - in der 12. Minute, als Aggelos Doxiadis aus 20 Metern einfach mal draufhielt. Gorillas-Torhüter Alois Zemlik lenkte den Ball mit einer Hand über die Latte und brüllte danach laut: "Nicht mit mir, Aggelos!" - was selbst die vorderen Reihen auf der Tribüne hörten. Die Partie lebte von Tempo, Einsatz und von der Frage: Wann fällt endlich ein Tor? Atlanta drückte, Miami verteidigte, und der Ballbesitz war mit 51 zu 49 Prozent fast ausgeglichen - aber die Statistik täuscht. Die Gorillas spielten offensiv, aggressiv, mit langen Bällen und mutigem Pressing, während die Strikers im Dauer-Abwehrmodus verharrten wie eine Schildkröte im Panzer. In der 31. Minute gab’s die erste Gelbe Karte - Nenad Denic, Atlantas Innenverteidiger, grätschte derart rustikal, dass man kurz meinte, der Rasen müsse neu verlegt werden. Später kam Larry Comstock in der 88. Minute ebenfalls in den Notizblock des Schiedsrichters - eine Art Ehreneintrag für zu viel Leidenschaft. Und dann war da noch die 69. Minute: Trainerin Meister wechselte dreifach - Neville für Gamoneda, Alves für Winfield, Hunt für Krämer. Ein jugendliches Aufbäumen. Charles Neville, gerade mal 17, kam rein und hatte in der 79. Minute sogar die große Chance: flach, scharf, knapp vorbei. Der Junge schlug die Hände vors Gesicht, während 50.000 Menschen kollektiv aufstöhnten. "Ich wollte cool bleiben", sagte Neville später, "aber mein linker Fuß hatte andere Pläne." Miami, mittlerweile glücklich über jedes abgewendete Gegentor, versuchte in den letzten Minuten noch einen Konter. In der 71. Minute zog Lazaros Kaklamanis ab - Zemlik wieder auf dem Posten. Danach kam nicht mehr viel. Nur noch eine Gelbe Karte in der Nachspielzeit für Henri Celine, der offenbar beschlossen hatte, dass man auch mal über die Schmerzgrenze hinaus verteidigen darf. Nach dem Schlusspfiff blickte Liam Capo in die Kameras und sagte mit einem Schmunzeln: "Ein Punkt in Atlanta? Das nehmen wir mit. Wir sind hier schließlich nicht im Wunschkonzert." Seine Mannschaft hatte es geschafft, 90 Minuten lang zu verteidigen, als ginge es ums Überleben. Anja Meister dagegen suchte nach den richtigen Worten: "Wir haben uns Chancen erarbeitet, wir hatten den Willen - aber der Ball wollte einfach nicht. Vielleicht hat er Angst vor dem Jubel." So blieb es beim 0:0, einem torlosen Spektakel mit 21 Torschüssen, drei Gelben Karten und einer gehörigen Portion Frust auf beiden Seiten. Die Gorillas dominierten, Miami überlebte, und das Publikum bekam wenigstens Spannung satt. Ein älterer Fan fasste es beim Hinausgehen treffend zusammen: "Ich hab schon schlechtere Nullnummern gesehen. Aber wenn der Ball mal reingeht, dann hoffentlich nicht erst nächste Saison." Man darf gespannt sein, ob Atlanta in der kommenden Woche wieder trifft - oder ob Anja Meister dem Ball endgültig eine Therapiestunde verordnet. Bis dahin bleibt dieses 0:0 ein Lehrstück in Sachen vergeblicher Leidenschaft - und ein Beweis dafür, dass Fußball manchmal die schönste Tragödie der Welt ist. 16.03.643987 03:26 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt