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Ein 0:0 kann vieles sein: langweilig, gerecht, ärgerlich - oder, wie an diesem frostigen Montagabend im KCOM Stadium, eine Mischung aus allem. 27.948 Zuschauer hatten sich eingefunden, um ihre Hull Tigers gegen Wimbledon FC zu sehen, und am Ende gingen sie mit dem seltsam zufriedenen Gefühl nach Hause, dass wenigstens einer den Ball oft genug hatte - auch wenn er nicht rein wollte. Von der ersten Minute an dominierten die Tigers. 54 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse, und das alles gegen ein Wimbledon-Team, das in 90 Minuten keinen einzigen Versuch auf das Tor brachte. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Wimbledons Trainer nach dem Spiel mit sonorer Stimme, die nach englischem Regen klang. Kompakt stand seine Elf tatsächlich - so kompakt, dass sie zeitweise wie eine Wand aus dunkelblauen Trikots wirkte, hinter der Torwart Inigo Ramirez fast ein Nickerchen hätte machen können. Schon in der zweiten Minute prüfte Antonio Hernando den spanischen Schlussmann mit einem Distanzschuss - der Auftakt zu einem einseitigen Abend. Kurz darauf versuchte Billy Chamberlain gleich zweimal, die Kugel über die Linie zu drücken, doch Ramirez blieb unbeeindruckt. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", murmelte Chamberlain später, "aber ich glaube, ich habe öfter aufs Tor geschossen als Wimbledon Pässe nach vorne gespielt." Wimbledon verlegte sich aufs Verteidigen, und das tat die Mannschaft mit stoischer Gelassenheit. In der achten Minute sah Harvey Crichton Gelb, weil er Hernando etwas zu deutlich zeigte, wo die Grenze des Strafraums liegt - und wo die Geduld des Schiedsrichters endet. Danach aber: kaum Fouls, keine weiteren Karten, keine Offensivaktionen. Trainer Oergel von Hull stand an der Seitenlinie und hob immer wieder die Arme, als wolle er seine Spieler zu einer unsichtbaren Choreografie antreiben. "Wir haben alles versucht: kurz, lang, über die Flügel, mit Wucht, mit Gefühl", sagte Oergel nach dem Abpfiff. "Nur mit Erfolg war’s schwierig." Das passte zur Statistik: 13 Schüsse, kein Tor. Wimbledons Abwehrchef Blume blockte, was kam, und der Rest flog ins Fangnetz oder in die Hände des glänzend aufgelegten Ramirez. In der zweiten Halbzeit nahm das Spiel dann eine seltsame Dynamik an. Hull erhöhte den Druck, Wimbledon zog sich noch weiter zurück - so weit, dass selbst der Linienrichter gelegentlich näher am Ball stand als die Gäste-Stürmer. In der 68. Minute brachte Oergel den 18-jährigen Ewan Caviness. Der Jungspund wirbelte, flankte, schoss in der 84. Minute knapp vorbei - und bekam dafür vom Publikum Szenenapplaus. "Ich dachte, der Ball sei drin", grinste Caviness später, "aber dann hab ich gemerkt, dass das Netz nur gezuckt hat, weil jemand dagegengetreten ist." Wimbledon musste kurz darauf wechseln, nachdem Rechtsverteidiger Laurent Chevallier sich am Knöchel verletzte. Sein Ersatz, Benjamin Carter, fügte sich nahtlos in die Betonmischung ein, die das Team aus London anrührte. Hull warf in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorne - Chamberlain mit drei Schüssen zwischen Minute 79 und 90, Wiltshire aus der Distanz, Zapatero mit einem Versuch aus 20 Metern -, doch das Tor blieb verriegelt wie ein englischer Pub nach Mitternacht. Das Publikum verabschiedete seine Mannschaft trotzdem mit Applaus. Vielleicht, weil man gespürt hatte, dass die Tigers wirklich alles versucht hatten. Vielleicht auch, weil ein 0:0 manchmal ehrlicher ist als ein schmeichelhaftes 1:0. "Wir haben defensiv ein kleines Kunstwerk geschaffen", meinte Wimbledons Kapitän Blume mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Müdigkeit schwankte. "Wenn wir das nächste Mal auch noch den Ball sehen, wird’s vielleicht sogar schön." Und Trainer Oergel? Der nahm’s mit Humor: "Wenn wir nächste Woche wieder 13 Schüsse haben, aber diesmal einer reingeht, lade ich den ganzen Kader auf Fish and Chips ein." So endete ein Abend, an dem Hull alle Register zog - nur nicht das entscheidende. Wimbledon verteidigte sich ins Glück, Hull spielte sich in die Verzweiflung, und der Rest war ein torloses Lehrstück darüber, dass manchmal auch ein 0:0 eine Geschichte erzählen kann - nur eben ohne Happy End, aber mit reichlich Ballbesitz. 15.08.643987 13:41 |
Sprücheklopfer
Che Guevara war ein Rebell, ein Kämpfer für sein Land. Das will ich auch sein. Ich will den Schwachen helfen. Das ist im Fußball genauso, da muss man den schwachen Gegner auch aufbauen. Das ist so eine eigene Logik von mir, dazu will ich gar nicht viel sagen.
Torsten Legat zu seiner Che Guevara-Tätowierung