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Es gibt Spiele, bei denen man sich fragt, ob der Ball vielleicht heimlich gegen das Tor allergisch ist. Das 0:0 zwischen dem FC Bazenheid und Racing Club GE am 7. Spieltag der 3. Liga Schweiz (1. Div.) war genau so eines. 16.000 Zuschauer sahen ein Heimteam, das den Ball liebte, ihn aber einfach nicht über die Linie bekam - und einen Gast, der mit jugendlicher Unbekümmertheit verteidigte, als ginge es um den letzten Kaugummi in der Kabine. 62 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse - die Zahlen lesen sich, als wäre Bazenheid auf dem besten Weg zu einem Kantersieg gewesen. Doch in Wahrheit war es ein Abend, an dem sich das Leder und der Torjubel konsequent aus dem Weg gingen. "Ich glaube, der Ball hat heute lieber die Latte als uns gemocht", sagte Wolfgang Walter, der rechte Flügelstürmer, mit einem gequälten Lächeln nach Abpfiff. Walter hatte allein drei Abschlüsse in der ersten Halbzeit, jeder davon gefährlich, keiner davon erfolgreich. Trainer Truthan Trainer (ja, der Mann heißt wirklich so) vom Racing Club GE hatte sichtlich Mühe, seine jungen Wilden im Zaum zu halten. "Wir wollten offensiv spielen, aber irgendwann war klar, dass wir besser Beton anrühren", gab er hinterher zu. Seine Elf, mit einem Altersdurchschnitt, der an eine U19 erinnert, verteidigte mit Herz und gelegentlichem Chaos. Torhüter Olivier Benoist, gerade einmal 18, hielt alles, was auf ihn zuflog - und manchmal sogar Dinge, die gar nicht aufs Tor gingen. Schon früh deutete sich das Ungleichgewicht an. In der 8. Minute prüfte Philippe Arnaud den Gäste-Keeper, kurz darauf versuchte es Patrick Doucet von rechts. Bazenheid kombinierte, flankte, schoss - und scheiterte. Racing Club GE dagegen kam kaum über die Mittellinie, doch in Minute 50 sorgte Mathias Wild mit einem beherzten Schuss dafür, dass auch Daniel Maurice im Bazenheider Tor mal kurz wach werden musste. "Ich hab ihn gesehen, aber ich wollte sicher gehen, dass die Zuschauer auch was von mir haben", grinste der routinierte Keeper später. Die zweite Hälfte verlief wie die erste: Bazenheid rannte an, Racing Club GE stand tief, und irgendwo dazwischen flatterte der Ball ziellos über den Rasen. Rafael Wilke zog zweimal gefährlich ab (44. und 69. Minute), Maurice Menard versuchte es aus der Distanz (72. und 85. Minute) - vergeblich. Als Luis Göbel in der 78. Minute nach einem energischen Zweikampf Gelb sah, hatte man das Gefühl, dass selbst der Schiedsrichter das Spiel ein wenig aufpeppen wollte. Trainer des FC Bazenheid, der sich nach Abpfiff sichtlich um Contenance bemühte, fasste es trocken zusammen: "Wir haben alles gemacht - außer das Tor. Vielleicht sollten wir das nächste Mal die Latte tiefer hängen." Seine Spieler lachten gequält. Die Fans taten, was Fans eben tun: Sie klatschten trotzdem, wohl auch aus Erleichterung, dass niemand an diesem Abend vom Frustschießen Gebrauch machte. Auf der Tribüne hörte man einen älteren Herrn murmeln: "Schöner Fußball, aber null Punkte auf der Anzeigetafel - das ist wie Spaghetti ohne Sauce." Und ja, irgendwie traf das die Stimmung perfekt. Racing Club GE wechselte in der Schlussphase gleich dreimal, brachte frische Beine und noch jüngere Gesichter. Thomas Eckert, gerade 18, wurde in der 85. Minute durch Yanik Giese ersetzt, der wiederum in den letzten Minuten so wild verteidigte, dass man fast Angst um die Eckfahne bekam. Die letzte Chance des Spiels gehörte - natürlich - wieder Mathias Wild. In der 92. Minute zog er ab, scharf, flach, und Daniel Maurice tauchte spektakulär ab. Es blieb beim 0:0, und der Torwart reckte die Faust, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. Statistisch gesehen war’s ein Heimspiel, gefühlt eher eine Geduldsprobe. Bazenheid dominierte alles außer das Ergebnis, während Racing Club GE mit drei Torschüssen aus 90 Minuten den Punkt wie einen Pokal feierte. "Wir nehmen das mit", meinte Trainer Truthan Trainer beim Verlassen des Platzes. "Ein Punkt ist ein Punkt - und Olivier hat jetzt endlich was zu erzählen, wenn er in der Schule gefragt wird, was am Wochenende los war." Für Bazenheid bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Tore schießt - und dass 16.000 Zuschauer eine Menge Geduld haben können. Vielleicht klappt’s beim nächsten Mal. Oder, wie ein Fan auf dem Heimweg sagte: "Solange sie so kämpfen, zahl ich mein Bier gern doppelt." Ein 0:0, das keiner so schnell vergisst - nicht wegen der Tore, sondern wegen allem, was hätte sein können. 29.03.643987 19:11 |
Sprücheklopfer
Ich bin gespannt auf den ersten Augenblick, wenn er auf dem Spielfeld erstmals wegen seiner Erkrankung von einem Gegenspieler dumm angemacht wird. Wenn er ihm dann in die Eier tritt, dann weiß ich, dass er gesund ist.
Uli Hoeneß zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler