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Nullnummer mit Unterhaltungswert - Cerrense und Colon teilen sich die Punkte

Es war einer dieser Abende, an denen das Runde einfach nicht ins Eckige wollte. 27.551 Zuschauer im Estadio de Cerrense sahen am Samstagabend ein 0:0, das irgendwie lauter klang, als es auf der Anzeigetafel aussah. CD Cerrense und AD Colon trennten sich torlos - aber wer behauptet, es sei langweilig gewesen, der war vermutlich auf einem anderen Platz.

Schon nach zwei Minuten rauschte Ryan Skene über den linken Flügel wie ein verspäteter Bus, zielte - und scheiterte am glänzend reagierenden Colon-Keeper Joaquin Aganzo. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", lachte Skene später, "aber Aganzo hat wohl noch Spiderman-Gene in sich." Der 35-jährige Torwart war tatsächlich in Galaform, fischte im Laufe des Abends gleich mehrere Bälle aus den Ecken, an denen andere längst resigniert hätten.

Cerrense drückte, kombinierte und schoss - insgesamt zwölfmal auf das gegnerische Tor. Colon kam auf gerade mal vier Schüsse, aber manchmal ist weniger mehr: zwei davon zwangen den sonst beschäftigungslosen Joseba Mendes im Cerrense-Tor zu artistischen Paraden.

Trainer Leahcim Gnipeur hatte vor dem Spiel noch angekündigt, "offensiv, aber mit Vernunft" spielen zu lassen. Nach dem Anpfiff blieb von der Vernunft nicht viel - seine Mannschaft presste, rannte und probierte es mit aller Gewalt. Einmal drosch Innenverteidiger Arnau Sa Pint in der 40. Minute den Ball aus 25 Metern aufs Tor, als hätte er kurz vergessen, dass er kein Mittelstürmer ist. "Ich dachte, warum nicht?", grinste er später. "Wenn’s reingeht, bin ich Held. Wenn nicht, haben wir wenigstens was zum Lachen."

Auf der anderen Seite versuchte Colon, mit jugendlicher Unbekümmertheit gegenzuhalten. Der erst 20-jährige Nelio Menendo prüfte Mendes in der 14. Minute, und Petar Gavrancic tat es ihm in der 27. und 30. Minute gleich. Der Ballbesitz war fast ausgeglichen - 50,8 Prozent für Cerrense, 49,2 für Colon - aber die Spielanteile fühlten sich ganz anders an. Cerrense spielte, Colon verteidigte.

In der 18. Minute gab’s die erste Gelbe Karte: Ruben Benitez grätschte beherzt, aber ungeschickt. Schiedsrichter Esteban Lopez zückte prompt den Karton. Benitez winkte ab: "War Ball! Na ja, halb Ball." Später bekam auch Colon-Verteidiger Joaquin Miguel Gelb, als er in der 66. Minute Skene kurzzeitig wie eine Jacke über den Arm legte.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Cerrense rannte, Colon stand. Nael Marques, der rechte Flügelflitzer, hatte Pech im Abschluss - dreimal suchte er den Weg ins Glück, dreimal wurde er abgeblockt. In der 61. Minute kam Salvador Meira für ihn, brachte frischen Wind, aber auch keine Tore. Kurz darauf wechselte Gnipeur gleich doppelt: Hugo Pacos kam für Joao Gomes, Alejandro Xuarez für Arnau Sa Pint. Ein Zeichen, dass der Trainer den Sieg erzwingen wollte.

Doch egal, wie sehr Cerrense drückte - Colon blieb standhaft. "Wir haben uns gefühlt wie ein Sandsack im Boxring", meinte Colon-Kapitän Ricardo Silfredo, "aber wir sind nicht umgefallen." Seine Mannschaft hielt tapfer dagegen, verteidigte mit allem, was Beine hatte, und war am Ende sogar dem Lucky Punch näher, als Menendo in der 87. Minute noch einmal durchbrach - allerdings ohne Abschluss.

Die Statistik sprach klar für Cerrense: mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote (54,8 Prozent) und deutlich mehr Druck in der Schlussphase. Doch das Netz blieb unberührt, und der Frust auf den Rängen wich irgendwann einer Art resignierter Heiterkeit. "Wenn du zwölfmal schießt und nicht triffst, ist das fast schon Kunst", witzelte ein Fan hinter der Tribüne.

Trainer Gnipeur nahm es mit Galgenhumor: "Ich habe meiner Mannschaft gesagt, sie soll offensiv spielen - nicht, dass sie den Ball adoptieren soll. Wir behalten ihn zu lange." Sein Gegenüber, Colon-Coach (dessen Name die Statistik verschwiegen hat, aber seine Stirn sprach Bände), lächelte nur müde: "Ein Punkt auswärts? Das nehme ich mit, bevor jemand aufwacht."

Am Ende blieb es beim 0:0 - einem dieser Spiele, die man nicht wegen der Tore, sondern wegen der Geschichten behält. Skene, der dreimal knapp scheiterte. Aganzo, der mit 35 noch fliegt wie ein Teenager. Und ein Publikum, das trotz fehlender Treffer mit Applaus verabschiedete.

Vielleicht war es kein Spektakel im klassischen Sinn, aber ein Lehrstück in Sachen Hingabe und Humor. Oder, wie ein älterer Cerrense-Anhänger beim Hinausgehen sagte: "Wenn sie nächste Woche wieder so spielen - dann bring ich meinen Enkel mit. Der soll lernen, was Geduld ist."

23.08.644000 09:54
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