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Manchmal sagt ein 0:0 mehr als tausend Tore. So geschehen am Freitagabend in Offenthal, wo 2000 Zuschauer Zeugen eines torlosen, aber keinesfalls langweiligen Schlagabtauschs zwischen Susgo Offenthal und dem SV Grimma wurden. Beide Teams lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, bei dem vor allem die Torhüter zu den heimlichen Hauptdarstellern avancierten - und die Stürmer kollektiv ihren Zielschein verlegt hatten. Schon nach drei Minuten knallte Nils Specht von der rechten Seite den Ball aufs Tor, dass es in der Offenthaler Abendluft nur so zischte. Grimmas Keeper Tim Götz hechtete, als ginge es um die Meisterschaft - und rettete spektakulär. "Ich hab’ den Ball nur noch gespürt, nicht gesehen", schnaufte Götz später mit einem Grinsen, das verriet, wie froh er über seine Reflexe war. Danach übernahm Grimma das Kommando. Die Gäste schossen aus allen Lagen - 21 Torschüsse insgesamt, und doch kein einziger Treffer. Zbynek Bolf, Hanns Rothe und Tom Kohl versuchten es im Dreiminutentakt, als hätten sie eine interne Wette laufen. "Wir hätten noch bis Sonntag spielen können, das Ding wäre wohl immer noch nicht reingegangen", murmelte Kohl nach dem Spiel, während er sich in die Kabine schleppte. Offenthal dagegen versuchte, das Spiel mit Kampf und Kontergeist zu kontrollieren. Trainer Fischer (der Name ist hier sinnbildlich, die Rolle jedoch echt: ein Mann mit Nerven wie Drahtseile) brüllte in der 25. Minute: "Hinten dicht, vorne Wunder!" - und seine Jungs nahmen das offenbar wörtlich. Immerhin: Acht Torschüsse und einige gefährliche Szenen zeigten, dass auch die Hessen nicht gewillt waren, sich einmauern zu lassen. Die beste Chance des Spiels gehörte wohl Grimmas Jeremy Van Hoyweghen. In der 34. Minute jagte er einen Ball aus 20 Metern aufs rechte Kreuzeck - und fand dort nur das Aluminium. Der Klang des Pfostentreffers hallte noch nach, als der Stadionsprecher trocken meinte: "Das war knapp. Sehr knapp." Kurz vor der Pause sah Offenthals Marco Hamann Gelb, nachdem er sich wohl ein bisschen zu sehr in einen Zweikampf mit Rothe verliebt hatte. Der Schiedsrichter zückte die Karte, Hamann grinste schief und rief: "War doch romantisch!" Das Publikum quittierte es mit Applaus - Humor hilft eben, wenn man keine Tore sieht. Nach dem Seitenwechsel ging’s munter weiter: erst Jason Otto mit einem Schuss in der 49. Minute, dann erneut Specht, der an diesem Abend so etwas wie der personifizierte "Beinahe-Jubel" war. Doch in der 59. Minute drehte sich die Stimmung, als Otto verletzt liegen blieb - ein unglücklicher Zusammenprall im Mittelfeld. Er musste raus, Sebastian Moeller kam. "Ich hab’s krachen gehört, aber zum Glück war’s nur das Schienbeinschonerplastik", erzählte Otto später mit erstaunlich guter Laune. Grimma drückte weiter, spielte mit 56 Prozent Ballbesitz und einer satten Zweikampfquote von über 53 Prozent - aber der Ball wollte einfach nicht rein. In der 87. Minute hatte Tom Kohl noch einmal die Riesenchance: allein vor Keeper Joao Arredondo, der den Ball mit einem Reflex parierte, der in jeder Torwartschule als Lehrvideo dienen könnte. "Ich dachte ehrlich gesagt, ich bin zu spät dran", so Arredondo, "aber dann hat der Ball wohl Mitleid gehabt." Zum Schluss wurde es noch einmal hitzig: Tim Keil sah in der 90. Minute Gelb, nachdem er im Frust den Ball ein wenig zu energisch in Richtung Eckfahne drosch. "Ballbesitz ist Ballbesitz", witzelte er später in der Mixed Zone. Trainer Müller (Grimma) zeigte sich nach dem Abpfiff zwischen Stolz und Resignation: "Wir haben alles gemacht außer Tore. Wenn’s dafür Punkte gäbe, wären wir Tabellenführer." Sein Gegenüber, Offenthals Coach Fischer, konterte trocken: "Ein Tor hätten wir alle verdient gehabt, aber bitte nicht gegen uns." Das Publikum verabschiedete beide Mannschaften mit Applaus - und dem kollektiven Gefühl, ein gutes Spiel gesehen zu haben, auch wenn die Anzeigetafel das Gegenteil behauptete. Am Ende stand ein 0:0 (0:0), das in keiner Highlight-Zusammenfassung fehlen dürfte: ein Spiel voller Chancen, Paraden und kleiner Dramen, aber ohne Happy End. Oder, wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions zusammenfasste: "War schön, dass sie uns den Eintritt fürs Elfmeterschießen erspart haben." Und vielleicht fasst das die Sache perfekt zusammen - ein torloses Remis mit reichlich Unterhaltung, einem Hauch Ironie und zwei Teams, die sich gegenseitig das Leben schwer machten. Wer sagt denn, dass Nullnummern langweilig sein müssen? 12.12.643999 16:05 |
Sprücheklopfer
Meine Jungs sitzen noch in der Kabine. Sie wollen alle hierbleiben und nächste Woche wieder hier spielen.
Klaus Toppmöller nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Auswärtssiegen (Pokal- und Punktspiel) mit dem VfL Bochum beim 1.FC Kaiserslautern