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Nullnummer mit Unterhaltungswert: Northeim verzweifelt an Buer

Wer meint, ein 0:0 sei langweilig, sollte sich das Aufeinandertreffen des SSV Buer und Eintracht Northeim vom 17. Spieltag der Landesliga 8 anschauen - oder besser: überstehen. 1719 Zuschauer froren sich am kalten Februarabend die Hände wund, klatschten aber dennoch begeistert, als Schiedsrichterin Klein nach 95 Minuten endlich abpfiff. Denn dieses torlose Remis hatte alles, was Fußballherzen trotz ausbleibender Treffer höherschlagen lässt: Chancen im Minutentakt, verzweifelte Angreifer, fluchende Torhüter und eine Abwehrschlacht, die selbst italienische Trainerlegenden stolz gemacht hätte.

Schon nach drei Minuten donnerte Northeims Routinier Louis Wilhelm den Ball erstmals auf den Kasten - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. 23 Torschüsse feuerten die Gäste insgesamt ab, während Buer gerade einmal fünf zaghafte Versuche zustande brachte. "Wir haben heute das Scheunentor gesucht und den Türrahmen getroffen", knurrte Northeim-Coach Tim Picke nach dem Spiel und verschwand kopfschüttelnd in der Kabine. Seine Jungs kombinierten gefällig, hatten mit 47,9 Prozent Ballbesitz zwar etwas weniger vom Spiel, dafür aber deutlich mehr Zielstrebigkeit. Nur das Ziel blieb eben unberührt.

Buer dagegen verteidigte, als ginge es um das letzte Stück Kuchen auf der Vereinsfeier. Innenverteidiger Nevio Hausmann, der in der 70. Minute für ein rustikales Einsteigen Gelb sah, warf sich in jeden Ball, als wolle er den Begriff "Körperbetont" neu definieren. Hinter ihm stand Torhüter Maik Freitag, der sich an diesem Abend in einen menschlichen Prellbock verwandelte. In der 88. Minute kratzte er noch einen Schuss von Wilhelm aus dem Winkel - eine Parade, die man in Buer vermutlich noch beim Frühschoppen am Sonntag besprechen wird.

Dabei begann alles recht unspektakulär. Northeim kam offensiv, Buer kontrolliert. In der 8. Minute wagte Timm Kruse den ersten Versuch für die Hausherren, ließ aber die Präzision eines Schneesturms vermissen. Kurz darauf verletzte sich Nils Gebhardt ohne gegnerische Einwirkung - Muskel zu, Stimmung runter. Trainer und Mannschaftsbetreuer schrien durcheinander: "Wer kann rechts raus?" - "Jan Max!" Und so kam Jan Max in der 30. Minute für Gebhardt und lieferte fortan das, was man im Ruhrgebiet "ehrliche Arbeit" nennt.

Nur acht Minuten später erwischte es auf der anderen Seite den jungen Northeimer Lionel Ronaldo (ja, der Name verpflichtet). Nach einem Sprintduell fasste er sich an den Oberschenkel und musste runter. Für ihn kam Janis Hofmann, ebenfalls 18 Jahre alt - und voller Tatendrang. Zwei Mal kam er in der Schlussphase zum Abschluss, beide Male entschärfte Freitag mit Katzenreflexen. "Ich hab einfach nur gehofft, dass er mich anschießt", grinste der Keeper später.

In der zweiten Halbzeit drückte Northeim immer stärker. Max Bartsch wirbelte auf rechts, probierte es aus allen Lagen. "Wenn wir heute ein bisschen Zielwasser gehabt hätten, würden wir jetzt tanzen", murmelte er nach Abpfiff. Stattdessen regnete es Chancen: Helmut Wurst (17 Jahre jung, 77. Minute) versuchte’s mit Wucht - drüber. Maximilian Krüger, eigentlich Innenverteidiger, rückte bei einer Ecke nach vorne und prüfte Freitag per Kopf. Und als selbst der junge Gerhard Steiner in der Nachspielzeit Gelb kassierte, weil er beim Pressing zu spät kam, wusste man: Northeim wollte bis zum Schluss.

Buer hingegen blieb seiner "Balanced"-Taktik treu, wie es im Fachjargon heißt - oder, wie Trainer Schmidt (der offiziell gar nicht genannt wurde, aber lautstark an der Seitenlinie dirigierte) später lachte: "Wir haben heute das gemacht, was wir am besten können: stehen." Und wie sie standen! 44 Prozent gewonnene Zweikämpfe klingen nicht nach Beton, doch in den entscheidenden Momenten verteidigten sie mit Herz, Bein und allem, was sonst noch im Weg war.

Als der Abpfiff ertönte, ballten die Buerschen die Fäuste, als hätten sie gerade die Liga gewonnen. Northeim dagegen sank auf den Rasen, fassungslos. "Manchmal ist Fußball einfach ungerecht", seufzte Kapitän Andreas Löffler, "aber vielleicht hat der Ball heute einfach beschlossen, dass er keine Lust auf Netze hat."

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - und vielleicht ein bisschen Mitleid für die armen Stürmer. 0:0, das steht jetzt nüchtern in den Tabellenstatistiken. Doch wer dabei war, weiß: Das war kein langweiliges Nullnull, das war ein abendfüllendes Drama in 95 Akten.

Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Wenn’s keine Tore gibt, muss man sich halt an den Paraden freuen." Und davon gab es schließlich genug.

01.12.643990 01:27
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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