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Nullnummer mit Unterhaltungswert: Salzburg beißt sich an Altach die Zähne aus

Ein 0:0 der unterhaltsamen Sorte - das ist wohl das treffendste Urteil über den sechsten Spieltag der 1. Liga Österreich, an dem Rot-Weiß Salzburg und der FC Altach am Dienstagabend vor 25.296 Zuschauern im ausverkauften Stadion antraten. Tore? Fehlanzeige. Chancen? Reichlich. Und Emotionen? Jede Menge.

Schon in der vierten Minute zischte der Ball erstmals gefährlich Richtung Altacher Tor. Karsten Klein, der flinke Rechtsaußen der Salzburger, prüfte Keeper Marijo Hrgovic mit einem satten Flachschuss, den der Torwart gerade noch mit dem Fuß parierte. "Ich dachte schon, der ist drin", grinste Klein später, "aber der Hrgovic hat offenbar Spiderman-Gene."

Altach zeigte sich unbeeindruckt. In der zehnten Minute konterte der 23-jährige Greger Lindstrom, dessen Schuss allerdings mehr an eine Rückgabe erinnerte - Salzburgs Torhüter Henrick Ganesvoort pflückte den Ball seelenruhig herunter, als wäre es ein herabfallender Apfel.

Salzburg bestimmte fortan das Spiel, hatte 56 Prozent Ballbesitz und gleich 17 Torschüsse, während Altach mit sieben Versuchen eher sporadisch Gefahr ausstrahlte. Besonders auffällig: Uwe Konrad auf der linken Seite, der mit jugendlicher Unbekümmertheit gleich viermal zum Abschluss kam. Einmal knallte sein Versuch in der 28. Minute an den Pfosten - es war der Moment, an dem die Fans kollektiv aufsprangen, nur um Sekunden später enttäuscht wieder auf den Sitz zu sinken.

Trainer Dietmar Schmitzberger gestikulierte an der Seitenlinie wild, als wolle er das Tor mit reiner Willenskraft herbeizaubern. "Wir hätten zehn Tore schießen können", schnaubte er nach dem Abpfiff. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Wenn du den Ball nicht reindrückst, hilft dir kein Prozentsatz der Welt."

Sein Gegenüber, Altach-Coach José Raul Capablanca - ein Mann, dessen Name schon nach Schachpartie klingt - hatte seine Mannschaft bestens auf das Salzburger Pressing vorbereitet. "Wir wussten, dass sie viel Ballbesitz haben würden. Also haben wir gewartet - und gehofft", sagte er mit einem süffisanten Lächeln. "Am Ende war unser Plan einfach: nicht verlieren."

Der zweite Durchgang begann, wie der erste endete: mit Salzburger Angriffen. Yanik Will prüfte Hrgovic in der 41. und 88. Minute, Klein schoss aus allen Lagen, und selbst Innenverteidiger Leif Söderberg wagte sich in der 78. Minute mit einem Kopfball nach vorn. Doch egal, ob Flügelspiel, Distanzschuss oder flaches Kombinationsspiel - der Ball wollte einfach nicht über die Linie.

In der 74. Minute wechselte Altach seine Taktik: José Raul Capablanca brachte Ari Peltonen für Mittelfeldmann Sigurd Mattson - was in der Theorie nach mehr Offensive klang, in der Praxis aber eher wie ein Sicherheitsgurt funktionierte. Zumindest gelang es den Gästen, das Salzburger Dauerdrücken in geordnete Bahnen zu lenken.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Fans trotzdem. Ein torloses Remis, ja - aber eines, das nie langweilig war. Salzburg zeigte Kampfgeist, Altach zeigte Cleverness, und zusammen lieferten sie ein Lehrstück in Sachen vergeblicher Mühe.

"Manchmal spielst du besser und gewinnst nicht. Heute haben wir besser gespielt und auch nicht gewonnen", fasste Kapitän Martin Lorenz trocken zusammen. Klein ergänzte: "Vielleicht sollten wir das nächste Mal einfach aus Versehen treffen."

Statistisch gesehen war alles klar: Salzburg mit 56 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüssen und einer Zweikampfquote von knapp 55 Prozent - Altach dagegen effizient im Verteidigen, mit 7 Abschlüssen und einem Torhüter in Bestform.

Kurz vor Schluss kam noch einmal Hektik auf, als Altachs Aleksandar Drulic in der 89. Minute aus dem Nichts auftauchte und Ganesvoort prüfte. Der Salzburger Keeper hatte jedoch etwas gegen ein spätes Drama und faustete den Ball mit einer Mischung aus Wut und Erleichterung weg.

"Das war das Spiel der vergebenen Chancen", meinte Schmitzberger beim Gang in die Kabine, während Capablanca ihm auf die Schulter klopfte und flüsterte: "Ein Punkt in Salzburg ist kein schlechter Zug."

Vielleicht war’s also wirklich eine Schachpartie ohne Matt - nur mit viel Bewegung, Emotion und einem Ergebnis, das keinem so richtig schmeckt, aber beiden weiterhilft.

Und so geht Rot-Weiß Salzburg mit einem Lächeln und einem Stirnrunzeln in die nächste Woche, während Altach stolz den Punkt einpackt. Fußball kann manchmal grausam sein - aber selten so unterhaltsam wie bei diesem 0:0.

28.03.643987 03:30
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Ich weiß nicht, ob ich bis dahin schon wieder laufen kann.
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