Notbremse
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Nullnummer mit Unterhaltungswert: Schwabmünchen und Emsdetten teilen die Punkte

Es war ein Spiel, das den neutralen Beobachter mit einer paradoxen Mischung aus Langeweile und Nervenkitzel zurückließ - 0:0, aber mit 25 Torschüssen, einem Gelben Karton und reichlich Theatralik. Schwabmünchen und Borussia Emsdetten trennten sich am 3. Spieltag der Landesliga 19 torlos, doch wer nicht dabei war, wird kaum glauben, dass hier tatsächlich Fußball gespielt wurde.

2.268 Zuschauer fanden sich am Sonntagabend unter Flutlicht im Schwabmünchner Stadion ein, um zu sehen, wie die heimische Elf von Trainer - nennen wir ihn "Mister Balance", denn das passte zu seiner taktischen Ausrichtung - die Borussia aus Emsdetten empfing. Anstoß war um 20:15 Uhr, und schon nach fünf Minuten donnerte Jonas Witte den Ball aus 18 Metern aufs Tor. "Ich wollte ein Zeichen setzen", sagte der linke Mittelfeldmann später. "Leider hat das Zeichen nur den Fangzaun getroffen."

Schwabmünchen legte los wie die Feuerwehr: Nick Beck (7.), Niclas Sauer (10.) und Herbert Buchholz (13.) prüften den Emsdettener Keeper Michael Sorglos, der seinem Namen alle Ehre machte und jeden Ball mit stoischer Gelassenheit festhielt. "Ich hab einfach keine Angst vor Leder", grinste der 20-Jährige nach Abpfiff.

Nach einer Viertelstunde hatte Schwabmünchen bereits fünf Torschüsse verbucht - und trotzdem lag der Ball nie im Netz. "Wenn’s ein Punkt für Schönheit gäbe, hätten wir heute gewonnen", murmelte Buchholz, der insgesamt viermal zum Abschluss kam.

Dann meldete sich Borussia Emsdetten. Simon Holz (9.) und Pattrick König (12.) schossen zwar ebenfalls munter drauflos, doch Marcus Weller im Schwabmünchner Tor war aufmerksam. Der Rest der ersten Halbzeit verlief wie eine Wiederholungsschleife: Schuss, Jubelansatz, Seufzer. Schuss, Jubelansatz, Seufzer. Immerhin: Die Fans bekamen was fürs Eintrittsgeld - wenn auch keine Tore.

Emsdettens Trainer Nico Wolf reagierte früh und wild: Bereits in der sechsten Minute wechselte er dreimal. "Das war kein Zeichen der Panik", verteidigte sich Wolf später mit einem Augenzwinkern. "Ich wollte einfach mal was Neues probieren. Vielleicht überrascht man den Gegner, wenn man plötzlich völlig andere Spieler auf dem Platz hat."

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete - mit einem Torschuss von Herbert Buchholz (51.). Doch an diesem Abend hätte selbst ein Handballtor zu klein für Schwabmünchen gewirkt. Sauer (59., 91.), Heinze (63.) und Adler (79.) reihten sich in die Liste der Unglücksraben ein.

Auf der anderen Seite versuchten König (52., 92.) und der junge Johannes Klein (84.) ihr Glück, doch auch sie fanden in Weller ihren Meister. Nur einmal wurde es kurz giftig: In der 64. Minute sah Klein Gelb, nachdem er den Ball - und ein Stück Bein von Max Adler - mitnahm. "Ich hab den Ball zuerst getroffen, glaub ich", meinte der 18-Jährige unsicher. "Zumindest hoffe ich das."

Taktisch blieb alles beim Alten: Schwabmünchen spielte "balanced", Emsdetten "defensive". Es war, als hätten sich beide Teams vor dem Anstoß heimlich auf ein 0:0 geeinigt und nur vergessen, das Tempo runterzudrehen.

Statistisch gesehen war Schwabmünchen einen Hauch besser: 51 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse, eine Zweikampfquote knapp über 50 Prozent. Auf der Anzeigetafel stand dennoch nur die bittere Wahrheit: 0:0 (0:0).

"Wir hätten heute drei Punkte verdient gehabt", meinte Niclas Sauer hinterher, während er mit einem Eimer Eis auf dem Knöchel saß. "Aber wenn du vorne nicht triffst, kannst du hinten wenigstens stolz auf die Null sein."

Emsdettens Trainer Wolf sah das ähnlich: "Wir haben das gemacht, was wir konnten. Und manchmal ist ein 0:0 wie ein 3:3 - nur ohne Spaß."

Am Ende applaudierten die Zuschauer höflich. Einige schüttelten die Köpfe, andere lachten. Ein älterer Fan fasste es auf der Tribüne perfekt zusammen: "So viele Schüsse, und keiner trifft - das gibt’s ja sonst nur beim Schützenfest."

Vielleicht war dieses torlose Remis kein Fußballfest, aber eine ehrliche Erinnerung daran, dass auch ein 0:0 Geschichten erzählen kann - von Chancen, Pfostenpech, jugendlichem Übermut und Torhütern, die einfach keinen schlechten Tag erwischen wollten. Und wer weiß: Beim nächsten Mal landet einer dieser 25 Schüsse dann doch im Netz.

Bis dahin bleibt Schwabmünchen ungeschlagen - und Emsdetten unbeeindruckt. Nur das Tornetz, das darf sich weiter ausruhen.

02.07.643990 22:30
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