Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Nullnummer mit Unterhaltungswert - Weiler im Allgäu und Bösingen teilen die Punkte

Weiler im Allgäu und der VfB Bösingen haben am fünften Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) den seltenen Beweis erbracht, dass ein 0:0 durchaus kurzweilig sein kann - vorausgesetzt, man betrachtet Fußball als Mischung aus Nervenspiel, Slapstick und taktischem Schach. Vor 13.535 Zuschauern boten beide Teams am Samstagabend ein torloses Spektakel, das Trainer Mino Raiola später als "eine Partie voller fast perfekter Unvollkommenheit" beschrieb.

Von Beginn an legten beide Mannschaften los, als hätten sie vergessen, dass Tore zum Gewinnen nötig sind. Schon in der 7. Minute prüfte Bösingens Pal Herlovsen den jungen Keeper Hanns Peter - ein strammer Schuss, doch mehr als ein lautes Raunen auf der Tribüne sprang nicht heraus. Eine Minute später versuchte es Ezequiel Hernando, der Rechtsaußen mit der Statur eines Tänzers, aber der Zielgenauigkeit eines Zimmermanns im Nebel. "Ich hab ihn perfekt getroffen", schwor er nach dem Spiel, "leider war das Tor woanders."

Weiler im Allgäu antwortete mit jugendlichem Übermut: Linksverteidiger Bernd Jahn, offenbar inspiriert vom Offensivdrang eines brasilianischen Superstars, zog in der 12. Minute einfach mal ab - knapp vorbei. Nael Aznar, der quirligste Allgäuer, prüfte kurz darauf zweimal den Bösinger Torhüter Kamil Chalaskiewicz (15. und 20.), der an diesem Abend zum Helden wider Willen wurde. "Ich wollte eigentlich gar nicht so viel zu tun haben", grinste der Pole nach Abpfiff, "aber Weiler war anderer Meinung."

Die erste Halbzeit blieb von Chancen geprägt, aber auch von kleinen Dramen. In der 44. Minute sah Bösingens junger Linksverteidiger Fabrizio Mare Gelb, nachdem er Aznar an der Seitenlinie etwas zu innig umarmt hatte. Trainer Charlie Brown kommentierte trocken: "Fabrizio hat halt Herz - leider manchmal in den Beinen."

Nach dem Seitenwechsel wurde es kurios. Erst verletzte sich Bösingens Dennis Adamski (50.) ohne gegnerische Einwirkung - laut Augenzeugen beim Versuch, den Rasen zu überreden, nicht so glatt zu sein. Für ihn kam Artur Afzelius, der sofort versuchte, Struktur ins Spiel zu bringen, aber eher wie ein übermotivierter Schachspieler agierte: viel Bewegung, wenig Effekt.

Weiler reagierte mit einem Dreifachwechsel in der 60. Minute. Trainer Raiola, immer für eine Improvisation gut, brachte frisches Blut: Oliver Breadalbane, Eilert Olsson und Heinrich Foerster ersetzten Hierro, Jahn und Born. Foerster war kaum auf dem Platz, da prüfte er Chalaskiewicz zweimal hintereinander (62., 63.) - das Publikum hielt den Atem an, der Ball entschied sich für den Fangzaun.

Statistisch gesehen war Weiler das aktivere Team: 13 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe und fast gleich viel Ballbesitz (49,6 %). Doch das Runde wollte einfach nicht ins Eckige. Selbst Jannick Fritsch, der bullige Mittelstürmer, hämmerte in der 68. und 79. Minute zwei potenzielle Siegtreffer knapp vorbei. "Ich hab das Tor gesehen - es ist nur gewandert", erklärte er später mit einem schiefen Lächeln.

Bösingen blieb gefährlich im Ansatz. Nevio Pena scheiterte in der 74. Minute an Torhüter Peter, der mit einer Mischung aus Reflex und Glück parierte. Kurz darauf kassierte Breadalbane Gelb (75.) - ein Foul, das man wohl als "leidenschaftlich, aber ungeschickt" bezeichnen darf.

Die Schlussphase gehörte wieder den Gastgebern. Aznar (86.) und Linke (87.) feuerten aus allen Lagen, doch Bösingens Abwehr stand wie eine Betonwand in der Abendsonne. Trainer Brown sah zufrieden aus, während Raiola an der Seitenlinie verzweifelt den Rasen anstarrte, als wolle er ihn persönlich verantwortlich machen.

"Wenn du 13 Mal aufs Tor schießt und keiner will rein, dann ist das wie ein Date ohne Happy End", seufzte Raiola später in der Pressekonferenz. Brown konterte charmant: "Ich nehme den Punkt gern - und das Bier danach sowieso."

So endete ein torloses, aber keineswegs langweiliges Duell zweier Mannschaften, die Fußball als Drama ohne Finale inszenierten. Ein 0:0, das man gesehen haben muss, um zu glauben, dass Spannung auch ohne Tore geht - und dass selbst im Allgäu nach Abpfiff noch gelacht wird.

Vielleicht war das größte Kunststück dieses Abends, dass niemand einschlief. Und das, im modernen Fußball, ist ja schon fast ein Sieg.

07.05.643997 14:23
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit.
Felix Magath
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager