Anpfiff
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Nullnummer mit Unterhaltungswert - Weiler verzweifelt am Chemnitzer Beton

Es gibt Fußballspiele, bei denen man sich fragt, ob der Ball vielleicht einfach keine Lust hatte, ins Tor zu gehen. Das 0:0 zwischen dem Chemnitzer CBC und Weiler im Allgäu am Freitagabend gehört zweifellos in diese Kategorie. 7.192 Zuschauer im Stadion an der Gellertstraße sahen 90 Minuten lang alles - nur keine Tore. Und doch, wer genau hinschaute, der erkannte: Das war kein langweiliges 0:0, das war ein kämpferisches Stück Fußballtheater mit reichlich Ironie.

Schon die erste Szene nach vier Minuten versprach Drama: Jannick Fritsch, der bullige Mittelstürmer aus Weiler, zog aus 16 Metern ab - Chemnitz’ Keeper Valeri Kirilenko streckte sich wie eine Katze auf Koffein und lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. "Ich hab den Wind gespürt und wusste, der Ball will rein. Aber ich wollte nicht", grinste der 19-jährige Torwart später mit jugendlichem Selbstbewusstsein.

Chemnitz, von Trainer Uwe Nestler gewohnt kompakt eingestellt, setzte auf kontrollierte Defensive und gelegentliche Konter. Die Gäste hingegen spielten, als wäre der Strafraum ein Magnet. 12 Torschüsse verzeichneten die Statistiker, aber keiner wollte den Weg ins Glück finden. "Wir haben Chancen gehabt für drei Spiele", murmelte Weilers Coach Mino Raiola nach dem Abpfiff und starrte auf den Rasen, als könne er dort die verlorenen Tore aufspüren. "Aber Chemnitz verteidigt, als ginge es um ihr Lebenswerk."

Die erste Hälfte war geprägt von Weilers unermüdlichem Anrennen und Chemnitzer Gelassenheit. Felipe Gama tanzte in der 14. Minute zwei Verteidiger aus, schloss ab - und fand wieder in Kirilenko seinen Endgegner. Auf der Gegenseite sorgte Matthew Chattan in der 11. Minute für den ersten Chemnitzer Abschluss, aber Gästekeeper Costica Rotariu musste sich kaum bewegen.

Kurz vor der Pause dann Aufregung: Serafim Fyssas holte sich nach einem rustikalen Einsteigen Gelb ab. "Ich hab nur den Ball gespielt", rief er Richtung Schiedsrichter, während der Ball gut drei Meter weiter lag. Das Publikum nahm’s mit einem Raunen, das irgendwo zwischen Empörung und Amüsement lag.

Nach dem Seitenwechsel drehte Weiler weiter am Offensivrädchen. Zwischen der 47. und 53. Minute hagelte es Torschüsse - Michael Siebert, Fritsch erneut, und selbst Rechtsverteidiger Michel Hierro versuchte es aus der Distanz. Doch immer wieder stand entweder ein Chemnitzer Bein im Weg oder der Ball segelte über das Gehäuse. "Das war wie Dartspielen mit Schwimmnudeln", meinte ein Zuschauer augenzwinkernd in der Halbzeitpause.

Chemnitz musste in der 61. Minute einen Rückschlag hinnehmen: Youngster Christopher Sonne verletzte sich nach einem Zweikampf und wurde durch Dimas Pinto ersetzt. "Er hat einen Schlag abbekommen, aber er ist jung, das wächst wieder zusammen", kommentierte Trainer Nestler trocken. Pinto selbst fiel später noch durch eine Gelbe Karte auf - sinnbildlich für den robusten Chemnitzer Abwehrwillen.

Weiler wechselte dreifach in der 60. Minute, brachte jugendliche Frische - unter anderem den 17-jährigen Friedrich Jacobs für den ausgepumpten Hierro. Doch selbst die Teenie-Offensive konnte das Abwehrbollwerk der Sachsen nicht knacken. Der 17-jährige Asen Todorow, frisch eingewechselt in der Innenverteidigung, versuchte es in der 62. Minute mit einem beherzten Kopfball - wieder ohne Erfolg.

In der Schlussphase warf Weiler alles nach vorn. Fritsch scheiterte in der 83. Minute zum vierten Mal an Kirilenko, der sich an diesem Abend endgültig zum Publikumsliebling aufschwang. Und als Chattan in der 84. Minute plötzlich auf der anderen Seite frei vor Rotariu auftauchte, hielt der Gästetorwart seinerseits grandios. Das Publikum applaudierte - beide Keeper wussten, ohne sie wäre hier längst etwas passiert.

Die 89. Minute brachte noch eine letzte Kuriosität: Chemnitz wechselte Verteidiger Henri Roades aus - für ihn kam Linksverteidiger Matti Domarski. "Ich wollte einfach Zeit von der Uhr nehmen", gab Nestler später zu. Und dann, in der Nachspielzeit, versuchte Fritsch es ein letztes Mal - Schuss, Parade, Abpfiff.

Die Statistik spricht Bände: 12:4 Torschüsse für Weiler, 50,5 Prozent Ballbesitz, aber null Tore. Chemnitz dagegen mit 45 Prozent Zweikampfquote, aber 100 Prozent Einsatz. "Wir wollten heute nicht schön spielen, wir wollten einfach nicht verlieren", sagte Kapitän Jacques Lewis mit einem Grinsen, das zwischen Erleichterung und Stolz pendelte.

Am Ende blieb es beim 0:0 - ein Ergebnis, das beide Teams unterschiedlich bewerteten. Weiler fühlte sich um drei Punkte gebracht, Chemnitz feierte den Punkt wie einen Sieg. Und vielleicht hatten sie damit gar nicht so Unrecht. Denn wer so viel Druck aushält, darf sich ruhig kurz wie ein Gewinner fühlen.

Uwe Nestler fasste es zum Schluss zusammen: "Manchmal ist ein 0:0 das ehrlichste Ergebnis. Niemand hat was geschenkt, und keiner hat verloren - außer vielleicht die, die Tore sehen wollten." Und so gingen 7.192 Zuschauer nach Hause - nicht euphorisch, aber gut unterhalten. Fußball kann auch ohne Treffer Spaß machen. Man muss nur genau hinschauen.

21.04.643987 17:22
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Ich habe es mir sehr genau überlegt und dann spontan zugesagt.
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