Anpfiff
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Nullnummer mit viel Gefühl: Schliersee und Arminia trennen sich torlos

Ein Flutlichtabend wie gemalt, 3931 Zuschauer im kleinen Stadion am See - und am Ende ein 0:0, das so viele Geschichten schrieb, dass man fast vergaß, dass kein Tor fiel. TSV Schliersee gegen Arminia Hannover, Regionalliga D, 10. Spieltag: zwei Teams mit offensiven Ambitionen, aber der Ball wollte einfach nicht ins Netz - egal, wie oft er in Richtung Tor flog.

Von Beginn an machte der TSV Schliersee klar, dass er den Gästen aus Niedersachsen die Idylle am See nicht kampflos überlassen würde. Schon in der 4. Minute prüfte Christoph Schulz mit einem satten Schuss aus 20 Metern Arminia-Keeper Friedrich Engelhardt - der junge Torwart lenkte den Ball mit einer Flugeinlage über die Latte. "Ich hab den Wind gerochen", grinste Engelhardt später und deutete mit dem Finger gen Himmel. "Hier oben fliegt der Ball anders als in Hannover."

Schliersee hatte mehr vom Spiel, das zeigen auch die Zahlen: 53 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse, und phasenweise wirkte es, als hätten die Hausherren eine magnetische Beziehung zum Ball entwickelt. Besonders Ralf Bartsch, der quirlig-wendige Linksaußen, versuchte es immer wieder - in der 9., 38. und 51. Minute, jedes Mal knapp vorbei. "Ich glaub, das Tor steht heute einen halben Meter zu weit rechts", schnaufte Bartsch nach dem Abpfiff.

Arminia Hannover kam nur langsam in die Partie. Ihre Offensive, angeführt von Jordi Munoz und Leo MacDonald, blieb in der ersten Halbzeit eher Andeutung als Bedrohung. Erst in der 31. Minute setzte Munoz ein erstes Ausrufezeichen, als er nach einem schnellen Konter aus spitzem Winkel abzog - doch Schliersees Torhüter Cameron Nolan war hellwach. Der 19-Jährige, sonst eher ein ruhiger Typ, schrie nach der Parade so laut, dass selbst die Möwen kurz die Richtung wechselten.

Trainer Christopher Fey von Schliersee gestikulierte wild an der Seitenlinie. Seine offensive Flügelstrategie, "über die Außen und mit viel Mut", wie er es nannte, brachte Chancen, aber keine Tore. "Wir spielen wie ein Cabrio ohne Motor - schön offen, aber es fehlt der letzte Schub", witzelte er nach dem Spiel.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: mit viel Einsatz und wenig Ertrag. Berat Calik prüfte in der 67. Minute erneut Engelhardt, und als Felix Jahn in der 35. und dann wieder in der Nachspielzeit aus aussichtsreicher Position verzog, sah man Trainer Fey kurz die Augen schließen - vielleicht betete er leise zum Fußballgott, vielleicht zählte er nur die vergebenen Chancen.

Arminia blieb geduldig. Trainer Heiko Stephan, stets die Hände in den Taschen, ließ seine Mannschaft ruhig und strukturiert agieren. "Wir wussten, dass Schliersee Druck machen würde. Wir wollten kompakt bleiben und auf unsere Momente warten", erklärte er. Die kamen tatsächlich gegen Ende: Munoz (69., 88.) und MacDonald (77.) brachten den Ball gefährlich vors Tor, doch Nolan hielt seinen Kasten sauber.

In der 86. Minute dann die vermutlich beste Chance des Spiels - allerdings für Arminia. Christopher Fischer zog aus 18 Metern ab, der Ball strich hauchdünn am Pfosten vorbei. "Ich hab ihn schon drin gesehen", flüsterte ein Hannover-Fan auf der Tribüne, nur um Sekunden später zu hören, wie neben ihm jemand trocken konterte: "Ich auch, aber der Ball halt nicht."

Kurz vor Schluss wurde es dann noch dramatisch: In der 92. Minute schoss Curt Fritzsche für Schliersee, Engelhardt wehrte ab, der Nachschuss von Carsten Hausmann landete im Fangnetz. Sekunden später blieb Hausmann nach einem Zweikampf liegen - verletzt, musste behandelt werden. "Nur eine Prellung", gab Trainer Fey später Entwarnung, "aber sinnbildlich für unser Spiel - wir tun uns weh, aber kommen nicht durch."

Nach 94 Minuten war Schluss. Beide Mannschaften fielen sich respektvoll in die Arme, die Fans spendeten Applaus - für Einsatz, Leidenschaft und, ja, auch für ein 0:0, das alles andere als langweilig war.

"Ein gerechtes Ergebnis", bilanzierte Arminia-Coach Stephan, "Schliersee wollte mehr, wir haben klug verteidigt." Und Torwart Engelhardt fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Manchmal ist die Null eben mehr wert als jede Eins."

Vielleicht hatte er recht. Die Anzeigetafel zeigte 0:0, aber wer dabei war, sah ein Spiel voller Tempo, Emotionen und kleiner Dramen. Ein Unentschieden, das keiner wollte - und doch irgendwie passte.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Schöner Fußballabend. Nur der Ball hat’s nicht gemerkt."

03.05.643987 05:37
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Es gibt jetzt gerade überall auf anderen Pressekonferenzen Trainer, die denselben Käse erzählen wie ich.
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