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Das Flutlicht über dem Athener Odysseas-Stadion flimmerte noch, als die 15.504 Zuschauer bereits wussten: Heute würde kein Drama, sondern Handwerk geboten. Und zwar solides, griechisch-britisch-skandinavisches Handwerk, mit einer Prise iberischer Finesse. Odysseas Athen besiegte den tapferen, aber überforderten Gast Thrasivoulos mit 2:0 - ein Ergebnis, das so klar war wie der Abendhimmel über Attika. Schon nach neun Minuten rauschte der Ball zum ersten Mal ins Netz. Vicente Galisteo, der elegante Spanier auf der linken Seite, zog nach einem Pass von Radovan Ctyroky ab - und zwar so trocken, dass man meinen konnte, er hätte vorher einen Sandsturm geatmet. "Ich hab einfach gesehen, dass die Sonne richtig stand", grinste Galisteo nach dem Spiel, "und dann dachte ich: Warum nicht?" Warum nicht, tatsächlich. Es war der Auftakt zu einem Spiel, in dem Odysseas die Flügel benutzte wie ein antiker Held seine Sandalen. Thrasivoulos, mit einer offensiven Grundordnung angetreten, wirkte zwar mutig, aber oft so, als hätten sie den Spielplan im Bus liegen lassen. Zwei frühe Schüsse - einer von Takis Terzanidis, einer von Makis Damanakis - erinnerten daran, dass sie auch mitspielen durften. Danach gehörte das Feld jedoch den Hausherren, die mit 17:4 Torschüssen und 55 Prozent Ballbesitz das Spiel kontrollierten wie ein Schachmeister ein Kinderturnier. Trainer Otto "Rehakles" Rehakles - ja, der Spitzname passt - stand stoisch an der Linie, die Hände tief in den Manteltaschen, und nickte nur selten. Nach dem Spiel erklärte er mit einem süffisanten Lächeln: "Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten: Ball halten, Gegner müde machen, und die Zuschauer nicht zu sehr stressen." Kurz vor der Pause häuften sich die Chancen: Akagündüz prüfte den Keeper in der 30. und 31. Minute, Espen Berthelsen setzte einen Kopfball daneben, und Ctyroky selbst schrammte in Minute 38 knapp vorbei. Thrasivoulos? Nun ja, sie liefen. Und zwar viel. Nach dem Seitenwechsel brachte Rehakles frischen Wind: Deconinck kam für Akagündüz, Zsengeller ersetzte den abgekämpften Patton in der Innenverteidigung. Eine Minute später - als hätte der Trainer es geahnt - fiel das 2:0. Wieder Ctyroky als Vorlagengeber, diesmal auf den flinken Engländer Luke Cunningham. Der nahm den Ball mit der Brust an, legte ihn sich zurecht und drosch ihn in der 61. Minute unhaltbar unter die Latte. "Ich hab den Ball kaum gesehen, aber ich wusste, wo er hinmuss", erklärte Cunningham, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Radovan hat’s mir einfach serviert wie ein Kellner im Fünf-Sterne-Restaurant." Thrasivoulos’ Trainer - dessen Namen selbst die Stadiondurchsage verschluckte - versuchte danach, mit lautstarken Anweisungen und wildem Gestikulieren das Ruder herumzureißen. Doch seine Spieler schienen eher auf eine Insel als auf ein Tor zuzusteuern. Vier Schüsse insgesamt, davon einer in der 80. Minute von Giannopoulos - das war’s. Im Mittelfeld ackerte Jari Tainio unermüdlich, während hinten Zsengeller nach seiner Einwechslung sofort für Ordnung sorgte. Der junge Keeper Jari Tainio (22) hatte einen ruhigen Abend - so ruhig, dass er nach dem Spiel scherzte: "Ich hab mehr Pässe zu meinen Innenverteidigern gespielt als Thrasivoulos auf unser Tor geschossen." Statistisch war alles klar: 55,5 Prozent Ballbesitz für die Athener, 17 Torschüsse, eine Zweikampfquote von 56,6 Prozent. Thrasivoulos hielt tapfer dagegen, ohne je wirklich gefährlich zu werden. Die Zuschauer kommentierten das Geschehen mit einem kollektiven "Na gut, das war solide" - ein Satz, der in Athen ungefähr so viel Begeisterung ausdrückt wie anderswo ein Freudenfeuer. Am Ende stand Rehakles zufrieden vor den Journalisten. "Ich bin kein Mann der großen Worte", sagte er, "aber wenn man seine Chancen nutzt und hinten stabil steht, ist das fast so schön wie ein Gyros nach Mitternacht." Galisteo lachte laut, Cunningham nickte, und irgendwo auf der Tribüne summten die Fans schon von der nächsten Partie. Odysseas Athen hat an diesem siebten Spieltag der griechischen Liga nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch gezeigt, dass Disziplin und Spielwitz sich nicht ausschließen. Und Thrasivoulos? Sie werden sich fragen, wie man 90 Minuten lang offensiv eingestellt sein kann, ohne je gefährlich zu werden. Vielleicht hilft da ein Blick auf den Gegner - oder ein guter Espresso. Denn eines ist sicher: In Athen haben sie an diesem Abend nicht nur gewonnen, sie haben sich selbst ein wenig wiedergefunden - irgendwo zwischen Rehakles’ Taktiktafel und Galisteos linkem Fuß. 29.03.643987 13:52 |
Sprücheklopfer
Wir sind in der Arena der Buhmann der Nation. Es geht um Millionen, und die Fehlentscheidungen häufen sich. Sobald es strittig wird, wird gegen uns gepfiffen. Da müssen wir das Ding eben wieder abreißen.
Rudi Assauer