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Es war einer dieser Abende im Athener Olympiastadion, an denen man schon beim Aufwärmen das Gefühl hatte: Hier wird’s heute ungemütlich - allerdings nur für die Gäste. 15.310 Zuschauer sahen am 9. Spieltag der griechischen Superliga, wie Odysseas Athen den Inselkickern von Rodos mit 3:0 eine Lehrstunde in Sachen Effizienz und Flügelspiel erteilte. Drei Tore, 20 Schüsse aufs Tor, ein Platzverweis - und ein Trainer, der danach so entspannt war, als hätte er gerade eine Tasse Kamillentee genossen. Schon nach sieben Minuten war klar, wohin die Reise geht. Samuel Greenwald, der flinke Engländer auf der linken Außenbahn, nahm einen Steilpass von Gökay Akagündüz auf, tanzte seinen Gegenspieler aus und schlenzte den Ball eiskalt ins lange Eck. Torwart Jacinto Tortosa flog - hübsch anzusehen, aber nutzlos. "Ich hab’ einfach mal draufgehalten, und diesmal ist er reingegangen", grinste Greenwald später. "Normalerweise landet sowas im Kiosk hinterm Tor." Rodos, das in der Anfangsphase offensiv ausgerichtet war, reagierte mit einer Mischung aus Schockstarre und höflicher Zurückhaltung. Der erste und fast einzige ernsthafte Versuch kam in Minute vier, als Jay Girard aus 20 Metern abzog - Odysseas-Keeper Jari Tainio hielt den Ball so sicher, dass man fast glauben konnte, er habe Klebstoff an den Handschuhen. Danach übernahm Athen endgültig. In der 26. Minute folgte das 2:0 - diesmal durfte Vicente Galisteo jubeln. Nach feinem Doppelpass mit Greenwald zog der Spanier von links nach innen, schaute kurz hoch und schob den Ball überlegt ein. "Wir trainieren das immer wieder - und heute hat’s endlich so ausgesehen, als wüssten wir, was wir tun", sagte Galisteo mit einem Augenzwinkern. Bis zur Pause hätte es leicht 4:0 stehen können. Piotr Aldonin prüfte den Keeper mehrfach, Akagündüz hatte Pech mit einem Distanzschuss, und selbst Rechtsverteidiger Sebastian Adam versuchte sich als Torschütze - leider ohne Fortune. Trainer Otto Rehakles, der erfahrene Fuchs an der Seitenlinie, blieb gelassen. "Wir spielen nicht für Statistiken, sondern für Tore", brummte er in der Halbzeitpause, während er seinen Spielern freundlich, aber bestimmt erklärte, dass Ballbesitz (49 Prozent) keine Währung sei, die Punkte bringt. Nach dem Seitenwechsel schaltete Athen kurz in den Verwaltungsmodus - nur um dann in der 67. Minute endgültig den Deckel draufzusetzen. Espen Berthelsen, der gerade erst richtig warmgelaufen war, nahm eine butterweiche Flanke von Christian Flo direkt und drosch das Leder ins Netz. 3:0, Stadion in Ekstase, Rodos endgültig bedient. Die Gäste, immerhin mit leichtem Ballbesitzvorteil (50,6 Prozent), kamen offensiv kaum noch vor. Zwei kümmerliche Schüsse aufs Tor standen am Ende zu Buche - statistisch gesehen also weniger als ein ordentlicher Versuch pro Halbzeit. "Wir wollten eigentlich mutig auftreten", murmelte Mittelfeldmann Alexandros Sisinis nach dem Spiel, "aber irgendwann haben wir uns nur noch gefragt, wann der Bus zurück zur Fähre fährt." Die Schlussphase bot dann noch eine kleine Portion Drama: Innenverteidiger Jake Patton sah erst Gelb (74.) und in der Nachspielzeit Gelb-Rot, weil er offenbar dachte, der Schiedsrichter hätte seine erste Karte vergessen. "Ich wollte nur zeigen, dass ich Einsatz bringe", rechtfertigte sich der Brite später mit einem Grinsen. Rodos sammelte ebenfalls fleißig Karten - Valenti (80.), Photopoulos (86.) und Sisinis (90.) fanden sich im Notizbuch des Unparteiischen wieder. "Wenn du schon keine Tore schießt, musst du wenigstens Spuren hinterlassen", kommentierte ein Fan trocken von der Tribüne. Am Ende jubelte Athen über einen ungefährdeten Sieg, der sie in der Tabelle nach oben katapultiert. Trainer Rehakles wirkte zufrieden, aber nicht euphorisch: "Drei Tore, kein Gegentor - das ist solide. Aber wenn ich ehrlich bin: Wir hätten auch fünf machen können." Rodos-Coach, dessen Name in der Statistik zwar fehlt, aber dessen Gesichtsausdruck Bände sprach, verließ wortlos das Spielfeld. Man hätte fast Mitleid haben können - wenn Athen nicht so unterhaltsam gespielt hätte. Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Odysseas Athen seinem Namen alle Ehre machte: eine epische Reise durch die Defensive von Rodos, mit Happy End und tosendem Applaus. Nur der Platzwart seufzte leise: "Zwanzig Schüsse aufs Tor - das gibt wieder Arbeit mit dem Rasen." Ein bisschen tragisch, ein bisschen komisch - eben ganz griechischer Fußball. 21.04.643987 17:19 |
Sprücheklopfer
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