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Ein lauer Maiabend in Curitiba, 16.000 Zuschauer, die Sonne verschwindet hinter den Tribünen - und Glorioso Curitiba verschwindet gleich mit. Zumindest gefühlt. Denn was Palmeiras SP beim 3:0-Auswärtssieg am ersten Spieltag der 3. Liga Brasilien (2. Div) zeigte, war weniger ein Fußballspiel als vielmehr eine Lehrstunde in Effizienz. Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen. Heimtrainer - der Name war auf der Aufstellung kaum zu erkennen, aber seine Körpersprache sagte alles - ließ seine Elf mit stolzen 58 Prozent Ballbesitz aufspielen. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", knurrte er nach Schlusspfiff, "und das haben wir ja auch - nur leider nicht das Ergebnis." Schon früh, in Minute 13, gab es die erste Gelbe Karte für Garip Cetin, den erfahrenen Mittelfeldmotor Curitibas. Ein Zeichen: viel Einsatz, wenig Fortune. Nur vier Minuten später zeigte Palmeiras, wie man’s besser macht. Der 19-jährige Vicente Quaresma, ein Linksaußen mit der Coolness eines Routiniers, verwandelte nach Pass von Innenverteidiger (!) Cesc Coelho zum 0:1 - die erste echte Chance, der erste Stich. "Ich hab gar nicht richtig gesehen, wie der Ball reinging", lachte Coelho hinterher, "aber Vicente trifft ja sogar, wenn er niest." Curitiba versuchte zu antworten, Lionel Nene prüfte den Gästekeeper Veloso gleich dreimal - erst in Minute 16, dann in der 35. und 38. Minute. Doch Veloso, ein Fels im Tor, ließ sich nicht beirren. "Ich hatte heute das Gefühl, dass der Ball magnetisch zu mir wollte", sagte er verschmitzt. Kurz vor der Pause dann der nächste Schlag: Wieder Quaresma, diesmal nach feinem Zuspiel von Sergio Carvalho. 0:2. Halbzeit. Und die Fans? Schweigen, das lauter war als jedes Pfeifkonzert. Palmeiras-Trainer Juan Dos Reis kam mit einem zufriedenen Halblächeln aus der Kabine. "Wir spielen jung, wild und manchmal sogar nach Plan", sagte er, als wüsste er, dass seine Jungs noch nicht fertig sind. In der zweiten Hälfte zeigte Glorioso zwar mehr Ballbesitz, aber weniger Biss. Palmeiras dagegen blieb eiskalt. Der 17-jährige Dimas Gomes krönte in der 73. Minute einen blitzsauberen Angriff - wieder nach Vorlage des omnipräsenten Carvalho - mit dem 0:3. Und das, obwohl Curitiba in dieser Phase fast schon verzweifelt auf den Anschlusstreffer drängte. "Ich dachte, ich hätte ihn über das Stadiondach geschossen", grinste Gomes nach dem Spiel, "aber dann jubelten plötzlich alle - ich hab wohl doch gezielt." Die Statistik liest sich wie ein Witz auf Kosten der Heimmannschaft: 58 Prozent Ballbesitz, aber nur sechs Torschüsse. Palmeiras dagegen: 16 Schüsse, drei Tore. Das nennt man dann wohl Effizienz. Dazu kam, dass die Gäste auch körperlich präsenter waren - 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, trotz zweier Gelber Karten (Rafael Mino in der 66. Minute und später Amaury Morte auf Seiten Curitibas in der 88.). Die jungen Gäste aus São Paulo zeigten eine erstaunliche Reife. Mit Vicente Quaresma (19), Dimas Gomes (17) und Marco Valente (17) standen gleich drei Teenager im Angriff - und sie spielten, als hätten sie nie etwas anderes getan. Selbst der späte Wechsel von Quaresma zu Ingo Adao (62.) änderte nichts am Spielfluss. Palmeiras blieb offensiv, blieb strukturiert, blieb gnadenlos. Ein kleiner Dialog auf der Bank fasste das Spiel treffend zusammen: "Chef, sollen wir auf Defensive umstellen?" "Warum?", fragte Dos Reis und deutete auf die Anzeigetafel. "Die machen das ja schon für uns." Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten sogar einige Heimfans den Gästen - halb aus Respekt, halb aus Fassungslosigkeit. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz nicht alles ist", murmelte Curitibas Kapitän Luis Varela, der Torwart, während er sich die Handschuhe auszog. "Vielleicht sollten wir mal fragen, ob Tore auch zählen, wenn man schöner spielt." Palmeiras hingegen reist mit breiter Brust zurück nach São Paulo. Drei Punkte, drei Tore, drei verschiedene Torschützenbeteiligte - und das Gefühl, dass hier ein junges Team gerade die Bühne betritt. "Das war nur der Anfang", prophezeite Dos Reis zum Abschluss. "Wenn meine Jungs so weitermachen, brauchen sie bald eine eigene Liga." Ein augenzwinkerndes Schlusswort: Curitiba hat den Ball geliebt, Palmeiras das Tor - und am Ende gewinnt im Fußball eben nicht der Romantiker, sondern der Realist. 11.08.644000 15:15 |
Sprücheklopfer
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