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Es war ein Abend, an dem der Duft von Grillwürsten und Hoffnung gleichermaßen durch das Stadion von Novi Sad zog - und am Ende roch es für FK Vojvodina doch wieder nach kaltem Schweiß und kalter Realität. 30.000 Zuschauer erlebten beim 2. Spieltag der serbischen Superliga ein Wechselbad zwischen Jubel, Zittern und kollektiver Ernüchterung: Vojvodina unterlag Patizan Belgrad mit 1:2, obwohl sie zur Pause noch geführt hatten. Eigentlich fing alles traumhaft an. Schon in der 7. Minute brachte Dimosthenis Gekas die Gastgeber nach einem feinen Pass von Leandro Quixano in Front. Der Grieche traf eiskalt ins linke Eck - "Ich dachte, der Torwart steht noch beim Aufwärmen", grinste Gekas später. Das Stadion tobte, Trainer Bozo Jovanovic ballte die Fäuste, und mancher Fan glaubte schon an eine kleine Sensation. Doch wer Partizan Belgrad kennt, weiß: Totgesagte rennen am härtesten. Uwe Schumacher, der deutsche Coach auf der Gästebank, blieb stoisch. "Wir hatten 60 Prozent Ballbesitz und null Punkte - das ist mathematisch unhaltbar", meinte er später trocken. Seine Elf nahm das offenbar wörtlich. Nach dem Seitenwechsel kam die Wende mit der Präzision eines Uhrwerks. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff drosch Milan Rakic den Ball nach Vorarbeit von Sreto Basa aus 18 Metern ins Netz - 1:1 (47.). Acht Minuten später wieder Rakic, wieder eiskalt. Diesmal nach einem Pass des aufrückenden Linksverteidigers Milan Ivic. Zwei Tore in acht Minuten - und plötzlich war Vojvodina nur noch Statist im eigenen Drama. "Wir sind gut aus der Kabine gekommen - leider in die falsche Richtung", knurrte Bozo Jovanovic hinterher. Seine Mannschaft wirkte nach dem Ausgleich wie eingefroren. Der Ballbesitz sprach Bände: gerade einmal 38 Prozent für die Hausherren, während Patizan mit 62 Prozent das Spiel diktierte. Vojvodina versuchte, mit viel Herz gegenzuhalten, aber Herz allein gewinnt keine Zweikämpfe. Kai Henderson, der Innenverteidiger mit britischem Einschlag, bekam kurz vor der Pause Gelb, weil er offenbar glaubte, der Ball sei ein gegnerischer Knöchel. "Ich hab’ den Ball gespielt - nur leider war der Ball am Bein", verteidigte er sich später mit einem Achselzucken. In der zweiten Hälfte brachte Jovanovic frische Kräfte: Andre Ganesvoort ersetzte Ioan Mutu, später kamen Dusan Sulejmani und der 18-jährige Zdravko Svitlica. Doch keiner der Joker konnte das Spiel beleben. Gekas versuchte es noch mehrfach (62., 72., 80., 85. Minute), aber entweder stand Patizans Torhüter Ognjen Basta im Weg oder der Ball flog irgendwo in Richtung Donau. Partizan blieb dagegen abgezockt. Rakic, der Mann des Abends, hatte noch zwei weitere Abschlüsse (55., 83.), und auch der junge Igor Stepanov wirbelte unermüdlich über die linke Seite. "Wir wollten zeigen, dass wir auch auswärts Fußball spielen können und nicht nur parken", spottete Schumacher. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen - 14:12 Torschüsse für Partizan, aber spielerisch lagen Welten dazwischen. Während Vojvodina am Ende alles nach vorne warf, rückte der Gegner kaum von seinem defensiven Kurs ab, verteidigte kompakt und lauerte auf Konter. Ein kurzer, fast komischer Moment ergab sich in der 84. Minute, als Kai Henderson erneut nach vorne stürmte und aus 25 Metern abzog. Der Ball flog hoch über das Tor, und ein Fan rief: "Kai, das ist Rugby, nicht Fußball!" Henderson grinste und hob entschuldigend die Hände. Nach Abpfiff starrten die Vojvodina-Spieler betreten auf die Anzeigetafel. 1:2 - ein Ergebnis, das sich härter anfühlte, als es war. "Wir haben alles gegeben, aber Belgrad war cleverer", räumte Kapitän Goran Stankovic ein. Sein Trainer versuchte es mit Galgenhumor: "Wir wollten offensiv spielen, und das haben wir auch. Leider auch beim Verteidigen." So nahm Patizan Belgrad drei Punkte mit nach Hause, dank eines bestens aufgelegten Milan Rakic, der mit seinen zwei Treffern den Unterschied machte. Für Vojvodina bleibt die Erkenntnis: Frühe Führung ist schön - aber sie zählt nur, wenn man danach weiter Fußball spielt. Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wir waren besser, aber nur die ersten sieben Minuten." Ein Satz, der an diesem Abend wohl niemandem widersprochen hätte. 10.06.643990 13:45 |
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