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Ein lauer Maiabend in Petah Tikva, Flutlicht, 27.000 Zuschauer, und die Petah Blues wollten am 17. Spieltag der 1. Liga Israel eigentlich zeigen, dass ihr Name nicht Programm ist. Doch am Ende tanzte nur einer wirklich den Blues - Gal Buzaglo von Ramat HaSharon, der mit zwei Treffern die Gastgeber in die Melancholie schickte. 1:2 hieß es nach 90 Minuten, und die Gesichter der Heimfans waren so blau wie die Trikots ihrer Lieblinge. Dabei hatte es gut begonnen. In der 25. Minute zündete der 20-jährige Daniel Ben-Shushan den Turbo auf links, bekam den Ball vom flinken Raul Gurendez serviert und schob zum 1:0 ein. Ein Tor aus dem Lehrbuch - zumindest aus einem Lehrbuch für optimistische Nachwuchsstürmer. "Ich dachte, jetzt läuft’s richtig rund", grinste Trainer Cohen der Blues (wohl wissend, dass es das nicht tat). Denn nur fünf Minuten später zeigte Ramat HaSharons Dauerläufer Gal Buzaglo, dass Routine manchmal jünger macht als jedes Fitnessprogramm. Nach schöner Vorarbeit von Lionel Galindo knallte er das Leder kompromisslos in die Maschen - 1:1, und der Schwung der Gastgeber verpuffte wie der letzte Rest Bier in der Pause. "Wir haben das Momentum einfach verschenkt", knurrte Blues-Kapitän Amram Galili später in der Mixed Zone. "Vielleicht hätten wir nach dem 1:0 weniger schön spielen und mehr schießen sollen." Eine Erkenntnis, die spät kam: Nur sechs Torschüsse brachte Petah insgesamt zustande, während die Gäste ganze 14-mal den Abschluss suchten. Buzaglo machte dann in Minute 60 den Deckel drauf. Eine flache Hereingabe von Thomas Keane, ein kurzer Blick, ein präziser Schuss - und schon stand es 2:1 für Ramat HaSharon. Der Jubel bei den Gästen war laut, aber nicht übertrieben. "Ich wollte einfach Spaß haben", meinte der 32-Jährige später und grinste schelmisch. "Und Tore machen ist nun mal mein Hobby." Die Blues warfen danach alles nach vorn - also fast alles. Trainer Cohen blieb seiner offensiven Grundordnung treu, doch Pressing? Fehlanzeige. Die Statistik kennt kein Mitleid: 47,6 Prozent Ballbesitz für Petah, 52,4 für die Gäste. "Wir wollten kontrollieren, nicht rennen", erklärte Cohen mit einem Schulterzucken. Das Publikum sah das anders und verabschiedete die Mannschaft mit einem gepflegten Pfeifkonzert - israelische Zurückhaltung sieht anders aus. In der Schlussphase versuchten es die Blues immerhin noch mit Wladimir Stelnow und erneut Ben-Shushan, doch Ramat-Keeper Roman Janocko blieb unüberwindbar. Der junge Torhüter strahlte Ruhe aus, als hätte er schon hundert solcher Abende erlebt. "Meine Großmutter hat gesagt, ich soll ruhig bleiben, wenn’s laut wird", lachte er nach dem Spiel - und das schien zu wirken. Zwischendurch musste Schiedsrichter Ben-Hur zweimal Gelb zücken: erst für Ramat-Verteidiger Ion Zare nach einem beherzten Griff in die Trickkiste (29.), dann für Petahs Rechtsverteidiger Gai Revivo, der sich wohl dachte, dass ein taktisches Foul auch eine Art von Taktik ist (61.). Taktisch blieb das Ganze ohnehin überschaubar. Beide Teams setzten auf ausgewogenes Angriffsspiel, kein wildes Pressing, kein destruktives Mauern. Ramat HaSharon agierte abgeklärt, spielte kurze, sichere Pässe, während Petah auf Inspiration hoffte - und sie nicht fand. Nach dem Abpfiff standen die Blues-Spieler ratlos auf dem Rasen, während die Gäste sich in einer Jubeltraube feierten. "Wir hätten heute mehr verdient", murmelte Linksaußen Yaniv Goldmann, während er sich die Stutzen auszog. Ein Reporter fragte ihn, was genau er damit meinte. Goldmann grinste: "Na, vielleicht wenigstens einen Trostkaffee." Für Ramat HaSharon war es ein Sieg der Reife - und der Effizienz. Für die Petah Blues dagegen ein Abend der verpassten Gelegenheiten und der Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Zum Schluss stand Trainer Cohen vor der Presse und suchte nach tröstenden Worten. "Wir sind jung, wir lernen." Ein Kollege flüsterte: "Aber bitte schnell." So endete ein Spiel, das keine taktische Revolution brachte, aber jede Menge Stoff für Gespräche beim Frühstückskaffee. Ramat HaSharon lacht, Petah Blues seufzt - und irgendwo in der Ferne summt Gal Buzaglo wohl noch immer leise den Blues. 12.12.643999 18:20 |
Sprücheklopfer
Ich würde gegen die Italiener natürlich gerne mit zwei Stürmern spielen. Aber diese personellen Diskussionen werden bei uns gerne geführt. Wir haben in Österreich acht Millionen Einwohner, davon sind sechs Millionen Teamchef. Wenn man die alle fragen würde, hätten wir 3,5 Millionen verschiedene Aufstellungen.
Toni Polster