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Es war ein dieser Abende im Norden, an denen der Wind vom Meer her so pfeift, dass selbst die Eckfahne Mitleid bekommt - und trotzdem kamen 16.000 Zuschauer ins Peterhead-Stadion. Und sie wurden für ihr Durchhaltevermögen belohnt: Die Peterhead Blues lieferten beim 3:2 gegen den FC St. Mirren ein Spiel, das zwischen Kunst, Chaos und Küstennebel pendelte. Schon nach zehn Minuten lag der Ball das erste Mal im Netz - und zwar im richtigen. Charlie Skene, der rechte Mittelfeldmotor der Blues, drosch den Ball nach feiner Vorarbeit von Sander Van Geem in die Maschen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Skene später und zwinkerte. "Aber dann dachte ich: Ach, der Wind macht das schon." Der Wind machte tatsächlich einiges an diesem Abend, aber das Tor ging klar auf das Konto des 32-Jährigen. Die Blues blieben offensiv, wie es ihre Taktik versprach - "offensiv" stand schon vor Anpfiff in der Kabine an der Tafel. Doch St. Mirren, trainiert vom temperamentvollen Paolo John, hatte etwas gegen eine frühe Vorentscheidung. Der erst 25-jährige Rechtsaußen Ogün Sabankay nutzte in der 26. Minute einen Moment kollektiver Verwirrung in der Blues-Abwehr, nachdem ein Freistoß halbherzig geklärt worden war, und glich aus. Das Zuspiel kam - man glaubt es kaum - vom Innenverteidiger Joao Munoz. "Ich hab einfach mal nach vorne gedroschen", gab der später lachend zu. "Ogün stand halt zufällig da." So ging es mit 1:1 in die Pause, und das war durchaus leistungsgerecht. St. Mirren hatte mit knapp 52 Prozent Ballbesitz etwas mehr Kontrolle, Peterhead aber die klareren Chancen (15:14 Torschüsse). In der Halbzeitpause tanzten Kinder im Maskottchenkostüm "Bluey the Seal" über den Rasen, während Blues-Trainer - ein Mann, der sich selbst lieber im Hintergrund hält - seinen Spielern offenbar ein sehr einfaches Rezept mitgab: Mehr Mut, weniger Nachdenken. Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug der auffällige Mittelstürmer Agemar Bertran zu. Erst 46 Minuten waren gespielt, als er eine butterweiche Flanke von Samuel Carter volley ins Tor jagte. 2:1 - und das Stadion tobte. "Ich dachte, der Ball sei im Aus", lachte Carter später, "aber Agemar rennt ja auch durchs Feuer, wenn’s um Tore geht." Doch St. Mirren gab nicht auf. Der 17-jährige Cameron O’Halloran, das blasse Wunderkind im Mittelfeld, spielte in der 69. Minute einen Pass, der jede Geometrielehrerin stolz gemacht hätte: haargenau in den Lauf von Matias Chalana, der eiskalt zum 2:2 abschloss. "Der Junge spielt, als hätte er GPS in den Schuhen", schwärmte Trainer Paolo John. Das Publikum hatte sich kaum vom Schock erholt, da zappelte der Ball schon wieder im Netz - diesmal auf der anderen Seite. Nur eine Minute nach dem Ausgleich, in der 70. Minute, stellte erneut Bertran den alten Abstand her. Diesmal hatte der erfahrene Simon Dierickx den Ball clever durchgesteckt, und Bertran blieb cool, als wäre das Ganze nur ein Trainingsspiel im Garten. 3:2 - Endstand. Danach wurde’s ruppiger. Joshua MacAlister kassierte in der 85. Minute noch Gelb, nachdem er Chalana an der Außenlinie "versehentlich" umgepflügt hatte. "Ich hab nur geguckt, wo der Ball ist", verteidigte er sich mit einem unschuldigen Grinsen. Der Schiedsrichter zeigte Milde - vielleicht hatte auch er keine Lust auf eine hitzige Nachspielzeit im Wind von Peterhead. Am Ende jubelten die Blues, während St. Mirren enttäuscht, aber keineswegs gebrochen wirkte. "Wir haben Charakter gezeigt", sagte John. "Und ein bisschen Pech gehabt. Vielleicht auch zu viel Respekt vor dem Wind." Auf der anderen Seite lobte Bertran seine Teamkollegen: "Wir haben gebrannt. Der Ball wollte einfach zu uns." In der Statistik blieb alles eng - fast zu eng für diesen Spielverlauf. Peterhead 48 Prozent Ballbesitz, 15 Schüsse aufs Tor; St. Mirren 52 Prozent und 14 Abschlüsse. Doch die Effizienz der Blues machte den Unterschied, und vielleicht auch das Quäntchen Glück, das man in einem Stadion braucht, das nach Salzluft und kaltem Tee riecht. Als die letzten Fans das Stadion verließen, murmelte einer: "Wenn das so weitergeht, bauen wir hier noch eine Tribüne mehr." Und wer weiß - wenn die Blues weiter so stürmisch auftreten, dann könnte Peterhead bald nicht mehr nur für Fischfang bekannt sein, sondern auch für Fußball, der Herz und Humor hat. Ein Abend, der zeigte: Zwischen Wind, Wellen und Wahnsinn kann Fußball manchmal richtig schön sein. 16.06.2026 22:08 |
Sprücheklopfer
Mit 50 bist Du als Fußballtrainer reif für die Klapsmühle. Wenn Du genug Geld verdient hast, kannst Du wenigstens erster Klasse liegen.
Otto Rehhagel