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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die man im Drehbuch so nicht abnehmen würde. FK Pirmasens lag zur Pause noch mit 0:1 hinten, wirkte fahrig, nervös, und die 3.283 Zuschauer im Sportpark Husterhöhe begannen schon, missmutig an ihren Stadionwürstchen zu nagen. Doch am Ende jubelten sie: 2:1 gegen BW Magdeburg - nach einer zweiten Halbzeit, die alles hatte: Tore, Karten, Emotionen und ein bisschen Chaos. Magdeburg begann forsch, wie ein Team, das den Tabellenkeller hinter sich lassen will. Trainer Sven Lange hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, lange Bälle, viel Risiko, manchmal etwas zu viel. "Wir wollten früh stören, aber dann haben wir uns selbst gestört", knurrte Lange später und warf einen Blick auf den frisch getrimmten Rasen, als könnte der etwas dafür. Der Plan schien zunächst aufzugehen: In der 32. Minute staubte der 35-jährige Routinier Dirk Winter ab. Pirmasens’ Keeper Dennis Frei hatte zuvor einen Schuss von Ralf Otto nur abklatschen können - Winter stand goldrichtig, 0:1. "Da hat man gesehen, warum der Mann noch läuft, obwohl er eigentlich schon Trainer sein könnte", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne, der offensichtlich großen Respekt vor Winters Erfahrung hatte - und vermutlich auch vor seinem Bauchumfang. Bis zur Pause blieb Magdeburg das gefährlichere Team, auch wenn der Ballbesitz leicht für Pirmasens sprach (53,6 Prozent). Doch die Gastgeber wirkten ideenlos, als hätten sie vergessen, dass Tore zum Spiel gehören. Trainerin Gudrun Schweitzer soll in der Kabine laut geworden sein. "Ich habe gesagt: Entweder ihr spielt Fußball oder ich bringe meine E-Jugend", verriet sie halb scherzend nach dem Spiel. Offenbar hat’s gewirkt. Denn nur elf Minuten nach Wiederanpfiff packte Noah Specht die ganze jugendliche Ungestümtheit eines 21-Jährigen aus. Nach feinem Zuspiel von Archie MacAlister zog er ab - zack, 1:1. Das Stadion erwachte. Pirmasens drückte nun, Magdeburg taumelte. Nur sieben Minuten später war’s wieder passiert: Diesmal war’s Alex Coviello, der nach Vorlage des jungen Portugiesen Vitorino Ramallo traf. 2:1 - und das Spiel stand Kopf. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball wollte rein, und ich wollte auch", grinste Coviello nach Schlusspfiff. Und tatsächlich: Von da an wollte Pirmasens den Sieg unbedingt, auch wenn Mittelfeldmann David Bernier in der 67. Minute mit Gelb-Rot vom Platz flog, nachdem er wohl etwas zu engagiert klärte. "Er meinte, er habe nur den Ball getroffen", kommentierte Schweitzer trocken. "Leider war der Ball zu dem Zeitpunkt schon fünf Meter weiter." Magdeburg witterte in Überzahl seine Chance, doch die Gäste schafften es nicht, das Spiel wieder an sich zu reißen. Elf Torschüsse Pirmasens, sieben Magdeburg - das Zahlenwerk spricht eine klare Sprache. Und als der junge Markus Lohmann kurz vor Schluss verletzt raus musste (88.), fehlte den Gästen auch noch der letzte Stürmer, der wirklich gefährlich wirkte. Das Ende wurde hitzig. In der Nachspielzeit holte sich Magdeburgs Innenverteidiger Luis Ebert noch die Rote Karte ab - wohl aus Frust, vielleicht auch aus fehlender Geduld. "Ich hab nur laut geatmet", soll er dem Schiedsrichter erklärt haben, der allerdings anderer Meinung war. Als der Abpfiff ertönte, stürmten die Pirmasenser Spieler auf ihre Trainerin zu. Schweitzer lachte, klatschte, atmete tief durch. "Ich hab die Jungs heute wachsen sehen", sagte sie später in die Mikrofone. "Und dann schrumpfen, als ich Bernier vom Platz fliegen sah. Aber sie haben’s clever zu Ende gespielt." Sven Lange hingegen verschwand kurz nach dem Schlusspfiff wortlos in den Katakomben. Ein Assistent erklärte, der Coach müsse "erstmal runterkommen". Kein Wunder - 46 Prozent Ballbesitz, eine frühe Führung, und am Ende wieder nichts. So bleibt für Pirmasens ein Abend, an dem Moral und Mut belohnt wurden - und für Magdeburg die Erkenntnis, dass Erfahrung allein keine Punkte bringt. Oder, wie Gudrun Schweitzer süffisant meinte: "Manchmal gewinnt nicht die bessere Mannschaft, sondern die, die nach der Pause Kaffee statt Kamillentee trinkt." Ein Satz, den man sich merken darf - zumindest bis zum nächsten Spieltag der Regionalliga B. 03.02.643997 21:27 |
Sprücheklopfer
Sammy geht nach dem Sonnenstand. Die Sonne stand heute morgen für ihn zu tief, um schon aufzustehen.
Ottmar Hitzfeld als Trainer des FC Bayern München über Sammy Kuffour, der nach der Zeitumstellung am Sonntag eine Stunde zu spät zum Training erschien