Außenseiter
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Pirmasens tanzt im Flutlicht - 2:0 gegen Hamburg dank Öztürk und Fuhl

Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 3.409 Zuschauer im Sportpark Husterhöhe - und eine Mannschaft, die sich warm spielt, während der Gegner noch über die Reiseroute nachdenkt. FK Pirmasens besiegte am 6. Spieltag der Oberliga C den VfL Hamburg mit 2:0 (1:0) - und das, obwohl die Gäste den Ball etwas länger streichelten. Aber wie sagte Trainerin Gudrun Schweitzer nachher mit einem süffisanten Lächeln: "Ballbesitz ist wie ein gutes Dessert - schön, wenn man’s hat, aber man muss auch mal zubeißen."

Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass der Abend kein sanftes Wiegenlied werden würde. Hamburg kam schwungvoll, Arpad Varhidi prüfte in der ersten Minute den jungen Pirmasenser Keeper Lucas Grantham, der den Ball sicher pflückte, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dann folgte Markus Berg mit einem Versuch in Minute 2 - ebenfalls sicher gehalten. "Da dachte ich: Heute läuft’s", sagte Hamburgs Berg später, "aber dann lief’s halt nur beim Gegner."

Denn in der 15. Minute nahm das Spiel seinen ersten entscheidenden Lauf: Archie MacAlister, der Schotte im Mittelfeld, der aussieht, als würde er lieber Dudelsack spielen als Doppelpässe, schickte Müjdat Öztürk mit einem Steckpass in den Strafraum. Öztürk blieb cool, schob den Ball flach ins lange Eck. 1:0 für Pirmasens - und Jubel, der durch die Pfälzer Nacht hallte. "Ich hab einfach geschossen", grinste Öztürk danach, "der Ball wollte ja auch mal rein."

Hamburg blieb bemüht, aber die Offensividee verpuffte irgendwo zwischen Mittelkreis und Strafraumkante. Zwar hatte der VfL am Ende etwas mehr Ballbesitz (51 Prozent), doch Pirmasens schoss öfter (14:8 Torschüsse) - und vor allem präziser. Die Gäste wirkten, als wollten sie den Ball hypnotisieren, statt ihn ins Tor zu befördern.

Kurz vor der Pause dann noch einmal Alarm: Öztürk, wieder er, zog in der 43. Minute ab, Torwart Ivica Drpic konnte nur mit Mühe parieren. Hamburgs Abwehr wankte, aber sie fiel nicht - noch nicht.

Nach dem Seitenwechsel blieb Schweitzers Team auf Kurs. Pirmasens spielte nun etwas kontrollierter, die Trainerin hatte von der Seitenlinie aus taktisch umgestellt, von "Offensive" auf "Balanced", wie die Statistiker später nüchtern notierten. Hamburg hingegen blieb "Balanced" - was in diesem Fall wohl "gleichgültig" bedeutete. Thomas Mayer holte sich in der 58. Minute die Gelbe Karte ab, nachdem er Marcel Fuhl an der Seitenlinie unsanft stoppte. "Ich hab nur den Ball gespielt", rief Mayer, worauf der Schiedsrichter trocken antwortete: "Welchen Ball?"

In der 63. Minute dann der Wechsel, der das Spiel entschied: Alex Coviello, der bis dahin vorne viel gerackert, aber wenig getroffen hatte, machte Platz für David Bernier. Eine Minute später bedankte sich das Schicksal: Öztürk flankte von links, Fuhl rauschte heran, nahm den Ball volley - 2:0. Das Stadion tobte.

"Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Fuhl später bescheiden. Teamkollege Öztürk ergänzte lachend: "Das war so geplant. Also… ungefähr."

Hamburg versuchte nochmal alles, brachte den 18-jährigen Lasse Sauer ins Spielgeschehen, der in der 83. und 84. Minute tatsächlich zweimal abzog. Doch Grantham im Pirmasenser Tor blieb standhaft. Als Sauer in der Nachspielzeit dann auch noch Gelb sah, war das Symbolik pur: jung, motiviert, aber eben zu spät dran.

Die letzten Minuten verwaltete Pirmasens clever. Schweitzer ließ auf "Defensive" umstellen, das Team presste hoch, als wolle es das Ergebnis in Stein meißeln. "Wir wollten hinten nichts mehr anbrennen lassen", erklärte sie. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab, und der Jubel war groß.

Statistisch gesehen war’s ein Spiel, das belegt: Man muss nicht den Ball haben, um das Spiel zu haben. 48,9 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse, 53,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe - solide Werte für eine Mannschaft, die vor allem über Leidenschaft kam. Hamburg dagegen hatte mehr Ballkontakte, aber weniger Ideen. Vielleicht lag’s am langen Anfahrtsweg, vielleicht an der Pirmasenser Luft.

"Wir haben uns das selbst eingebrockt", murmelte Hamburgs Kapitän Julius Fleischer nach dem Spiel, "aber wenigstens war die Bratwurst gut."

Trainerin Schweitzer gönnte sich derweil einen Tee und meinte augenzwinkernd: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald Eintritt nehmen fürs Training."

So bleibt festzuhalten: FK Pirmasens hat nicht nur gewonnen, sondern überzeugt - mit Tempo, Witz und einem Müjdat Öztürk, der an diesem Abend das Stadion in seinen privaten Garten verwandelte. Hamburg dagegen wird sich fragen, wie man 51 Prozent Ballbesitz so wirkungslos gestalten kann.

Und während die Fans noch den Sieg besangen, schob ein Ordner die leeren Kaffeebecher zusammen und murmelte: "War doch klar - wer Tore schießt, hat’s halt leichter."

Ein schöner Fußballabend in der Pfalz. Und einer, der in Hamburg wohl noch ein paar Nächte nachhallen wird.

26.07.643990 19:02
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