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Es war einer dieser Abende, an denen man beim SV Kornwestheim besser den Rasenmäher im Schuppen gelassen hätte. Vor 3 653 Zuschauern im heimischen Stadion kassierte die Mannschaft von Günther Krueger am 20. Spieltag der Regionalliga B eine deftige 2:6‑Packung gegen den FK Pirmasens. Dabei hatte alles so hoffnungsvoll begonnen - zumindest für ganze drei Minuten. Der Abend war kaum zwölf Minuten alt, als Pirmasens‑Verteidiger David Marano nach einer Ecke von Alexander Satchmore per Kopf das 0:1 erzielte. Kornwestheim‑Keeper Michael Berg, mit 17 Jahren der Jüngste auf dem Platz, griff daneben wie ein Schüler beim Vokabeltest. Doch statt sich hängen zu lassen, reagierten die Hausherren erstaunlich trotzig - und wie! In der 24. Minute drosch Dirk Schröder nach Vorarbeit von Sebastian Schmitt den Ball humorlos ins Netz. Zwei Minuten später drehte Lovre Safaric sogar die Partie, als er eine flache Hereingabe von Joschua Hartung eiskalt verwertete. Die Tribüne bebte, Trainer Krueger brüllte "Weiter so!", und mancher Fan bestellte sich schon das zweite Bier auf Sieg. Nur drei Minuten später kam die Ernüchterung: Der 19‑jährige Stefan Keller egalisierte für die Gäste - sein erstes von zwei Toren an diesem Abend. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Teenager später, "und plötzlich war der Ball drin." In der 40. Minute legte Rechtsverteidiger Ulf Eriksen nach, diesmal nach Vorlage von - richtig geraten - Keller. 2:3 zur Pause, und dennoch wirkte Kornwestheim im Ballbesitz überlegen (54 Prozent). "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", murmelte Krueger später, "bloß haben wir vergessen, dass Tore zählen." Seine Elf passte fleißig, suchte den sicheren Abschluss - nur sieben Schüsse aufs Tor in 90 Minuten belegen das. Pirmasens dagegen schoss, als gäbe es Punkte für Mut: 17 Torschüsse, sechs Treffer, eine Lehrstunde in Effizienz. Nach dem Seitenwechsel kam, was kommen musste. Die Gäste blieben ihrem offensiven Stil treu, ihre Taktik "Offensive + Anytime‑Shooting" klang nicht nur gefährlich, sie war es auch. In der 56. Minute stach der frisch eingewechselte Kornej Babinow, bedient von Vitorino Ramallo, zum 2:4. Kornwestheim wirkte fortan wie ein Boxer, der nach der dritten Rechten nur noch auf den Gong wartet. Dann folgte die Doppel‑Ohnmacht: In der 71. und 72. Minute trafen Alexander Satchmore und erneut Stefan Keller - zweimal innerhalb von 60 Sekunden. Pirmasens spielte da längst wie im Rausch, während Kornwestheim betete, dass der Schiedsrichter vielleicht Mitleid zeigt und früher abpfeift. "Das war kein Fußball mehr, das war ein Überfall", schnaufte SV‑Mittelfeldmann Georg Meiser nach dem Spiel. Trainerin Gudrun Schweitzer war dagegen bester Laune: "Wir wollten offensiv bleiben, auch wenn wir führen. Die Jungs haben das perfekt umgesetzt." Sie hatte schon in der 20. Minute Mut bewiesen, als sie nach einer frühen Gelben Karte ihren Mittelfeldmann David Bernier vom Platz nahm und Archie MacAlister brachte - ein Wechsel, der das Zentrum stabilisierte. Kornwestheim versuchte es noch mit Anstand. Schröder prüfte in der 89. Minute den Gästekeeper Dennis Frei, doch auch das war sinnbildlich: ein schöner Versuch, aber ohne Wirkung. Beim Schlusspfiff stand ein klares 2:6 (2:3) auf der Anzeigetafel - und ein ratloser Günther Krueger an der Seitenlinie. "Wir wollten ausgewogen spielen, sind aber ausgewogen baden gegangen", sagte er mit einem gequälten Lächeln. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal auch einfach aus allen Lagen schießen, wie Pirmasens." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Lokalpatriotismus. Auf der Tribüne meinte ein älterer Fan trocken: "Wenn man schon sechs Dinger kriegt, dann wenigstens mit Stil." Ein bisschen Stil war da tatsächlich: zwei ansehnliche Treffer, etwas mehr Ballbesitz, und ein 17‑jähriger Torwart, der trotz allem noch lächelte. Aber am Ende blieb nur das Gefühl, dass der FK Pirmasens an diesem Abend in einer anderen Liga spielte - und Kornwestheim die Quittung bekam für zu viel Balance und zu wenig Biss. Schlusswort? Nun, wer das 2:6 als Lehrstunde begreift, kann daraus wachsen. Wer es verdrängt, wird nächste Woche wieder Lehrgeld zahlen. Und Günther Krueger? Der murmelte beim Verlassen des Rasens nur: "Ich hoffe, die Statistik war wenigstens schön." 27.01.644000 20:25 |
Sprücheklopfer
Die italienischen Vereine sagen mir: Von der Ablösesumme für Emerson könnt ihr euch doch zwei Spieler kaufen. Ich antworte denen dann immer: Dann kauft euch die doch selbst.
Rainer Calmund