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Wenn 59.654 Zuschauer an einem frostigen Februarabend in Celarevo die Ränge füllen, dann ahnt man: Hier geht’s nicht nur um Punkte, sondern um Stolz, Schweiß und vielleicht auch um ein bisschen Lokalgeschichte. Und tatsächlich lieferte Pivara Celarevo am 2. Spieltag der serbischen 1. Liga ein Spiel, das so klar war wie ein frisch gezapftes Glas aus der namensgebenden Brauerei - 3:0 hieß es am Ende gegen ein Zebre Cacak, das eher wie eine müde Herde wirkte als wie ein Rudel angriffslustiger Zebras. Schon nach zwölf Minuten war die Richtung klar. Nemanja Kezman, der rechte Flügelblitz der Gastgeber, zirkelte den Ball nach Vorarbeit von Marko Smiljanic ins lange Eck. Ein Tor, das so elegant war, dass selbst Trainer Andreas Go kurz vergaß, an seiner Wasserflasche zu nuckeln. "Wir wollten gleich zeigen, wer hier das Bier braut", scherzte Kezman nach dem Spiel mit einem Grinsen, das fast so breit war wie der Strafraum. Zebre Cacak versuchte zwar, Ordnung ins eigene Spiel zu bringen, doch was auch immer Trainer Jean-Marie Pfaff in der Kabine angeordnet hatte, blieb Theorie. Die Gäste hielten zwar den Ball zu knapp 48 Prozent in den eigenen Reihen, aber was nützt das, wenn man nur vier Torschüsse zustande bringt - und keiner davon gefährlicher war als ein lauwarmer Frühjahrswind. Pivara Celarevo hingegen schoss, flankte und kombinierte, als gäbe es kein Morgen. 16 Schüsse auf das Tor, davon einige so wuchtig, dass der Ball fast eine eigene Fluglizenz beantragen musste. In der 68. Minute folgte dann der zweite Streich: Smiljanic, der schon beim ersten Tor assistiert hatte, drehte diesmal selbst jubelnd ab. Nach präzisem Zuspiel von Charles MacPhee hämmerte er das Leder unter die Latte - 2:0, und die Fans sangen längst lauter als die Einlaufmusik. "Ich habe nur die Augen geschlossen und gehofft, dass er reingeht", gab Smiljanic hinterher zu. "Und dann war er drin. Vielleicht sollte ich öfter die Augen zumachen." Während Pfaff an der Seitenlinie hilflos gestikulierte - man munkelt, er habe kurz überlegt, selbst ins Tor zu gehen - blieb sein Team blass. Miroslav Medved und Dragan Stevic bemühten sich, doch sie fanden in Celarevos Torwart Dirk Benz ihren Meister. Der 31-Jährige parierte alles, was auch nur in die Nähe der weißen Linie kam, und dirigierte seine Abwehr mit der Ruhe eines Mannes, der schon alles gesehen hat. Als dann in der Nachspielzeit der junge Dejan Duljaj, gerade einmal 19 Jahre alt, nach Vorlage von Smiljanic zum 3:0 traf, war das der letzte Pinselstrich auf einem Fußballgemälde, das Pivara Celarevo in leuchtenden Farben gemalt hatte. Die Fans tobten, die Ersatzspieler tanzten, und selbst Trainer Go erlaubte sich ein Lächeln: "Wir haben gezeigt, dass unsere Offensivphilosophie nicht nur auf dem Papier funktioniert. Und wenn die Jungs so weitermachen, müssen wir bald überlegen, ob wir Bier oder Punkte exportieren." Jean-Marie Pfaff dagegen stapfte mit finsterer Miene vom Platz. Auf die Frage eines Journalisten, was er von der Leistung seiner Mannschaft halte, antwortete er trocken: "Wir waren da. Leider auch die Gegner." Statistisch gesehen war es ein Spiel der klaren Verhältnisse. Pivara Celarevo dominierte mit 56 Prozent gewonnener Zweikämpfe, kontrollierte das Mittelfeld und spielte schnörkellos nach vorn. Zebre Cacak hingegen wirkte, als wäre der Spielfluss an der Mittellinie verdunstet. Selbst die offensive Grundausrichtung, die Pfaff seinem Team verordnet hatte, verpuffte wie ein schlecht gezielter Freistoß. Kurz vor Abpfiff konnte man auf der Tribüne sogar hören, wie ein älterer Fan zu seinem Nachbarn sagte: "Wenn die so weiterspielen, brauchen sie keinen neuen Stürmer - vielleicht eher einen Psychologen." Beide lachten, während Duljaj gerade den Ball im Netz versenkte. Und so endete ein Abend, an dem Celarevo nicht nur Fußball, sondern auch Lebensfreude zelebrierte. Drei Tore, drei Vorlagengeber, kein Gegentor - das nennt man Effizienz mit Stil. Vielleicht war es nicht das Spiel der Saison, aber sicher eines, das man in Celarevo noch lange erzählen wird. Und irgendwo in der Kabine, zwischen Schweiß, Musik und dem süßen Duft des Erfolgs, soll Trainer Go gesagt haben: "Jungs, das war stark. Jetzt trinken wir ein Bier - aber nur eins. Wir haben noch eine Liga zu gewinnen." 10.06.643990 17:32 |
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