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Ein Montagabend in Celarevo, 20:30 Uhr. 70.648 Zuschauer - kein Tippfehler - füllten das Pivara-Stadion bis auf den letzten Plastikstuhl. Sie kamen mit Hoffnung, gingen mit heiserer Stimme - und einem breiten Grinsen. Denn was Pivara Celarevo gegen Crno Belgrad ablieferte, war ein kleines Fußballwunder: Aus einem 0:2-Pausenrückstand wurde ein 3:2-Sieg, der in die Vereinschroniken eingehen dürfte. Dabei hatte alles nach einem jener Abende ausgesehen, an denen die Heimmannschaft am liebsten schon zur Pause das Flutlicht ausschalten würde. Nach 26 Minuten führte Crno Belgrad durch Treffer von Pedro Ruiz (16.) und Jewgeni Groschew (26.) scheinbar sicher. Ruiz netzte nach einem butterweichen Pass von Rechtsverteidiger Hartmut Schmitz ein, und Groschew erhöhte zehn Minuten später nach schöner Vorarbeit von Gojko Ilic. Das Publikum seufzte, Trainer Andreas Go starrte in seinen Notizblock, als suchte er darin Trost. "Wir waren in der ersten Halbzeit schlicht nicht da", gestand Go später. "Vielleicht dachten einige, Crno würde uns den Ball freundlich überlassen - das haben sie aber offenbar vergessen." Tatsächlich hatte Celarevo zwar leicht mehr Ballbesitz (51,3 Prozent), doch Belgrad wirkte abgeklärter, zielstrebiger und einfach gefährlicher. In der Pause muss dann ein Wecker im Kabinentrakt geklingelt haben, denn die Heimmannschaft kam wie ausgewechselt zurück. Go hatte doppelt gewechselt: Kujovic kam für Dominguez, der junge Komljenovic ersetzte Basa. "Ich wollte mehr Biss und weniger höfliche Begleitung", grinste der Trainer später. Und siehe da: Schon in der 51. Minute platzte der Knoten. Ediz Sargun, der rechte Flügelflitzer mit der Frisur eines Rockstars, verwandelte nach Vorlage des eingewechselten Kujovic - 1:2. Das Stadion erwachte, und plötzlich glaubte wieder jeder an das Unmögliche. "Nach dem Tor wusste ich: Wir verlieren heute nicht", sagte Sargun mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Selbstvertrauen und Wahnsinn lag. Jetzt rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Crno-Keeper Oscar Warriner. Pivara kombinierte, flankte, schoss - insgesamt zwölf Torschüsse standen am Ende zu Buche. In der 65. Minute war es dann Jan Brezinsky, der nach feinem Zuspiel von Erland Thomassen den Ball unter die Latte hämmerte - 2:2! Die Bierbecher flogen, die Tribünen bebten. Thomassen, der später Gelb sah, hatte ohnehin den Turbo gezündet und war überall zu finden: links, rechts, manchmal auch gefühlt auf der Pressetribüne. Crno Belgrad hingegen verlor den Faden. Trainer Cevo Icvic wechselte fleißig (Duljaj für Ross, McShane für Ilic, später Raickovic für Schmitz), doch der Schwung der ersten Halbzeit war dahin. "Wir haben zu früh geglaubt, das Ergebnis verwalten zu können", seufzte Icvic nach Abpfiff. "Pivara hat uns dann überrannt. Und ehrlich - sie hatten heute das Glück des Tüchtigen." Das Glück kam in der 82. Minute in Person von Fabio Antunes: Nach einem Vorstoß von Linksverteidiger Jose Conceicao segelte der Ball in den Strafraum, Antunes stieg am höchsten - und köpfte zum 3:2 ein. Conceicao rannte jubelnd zur Eckfahne, während Trainer Go seine Wasserflasche im hohen Bogen in Richtung Himmel schleuderte. "Ich hab kurz überlegt, ob ich noch abpfeife", witzelte Schiedsrichter Petrovic später. Die letzten Minuten waren dann ein einziger Nervenkitzel. Belgrad warf alles nach vorne, Ruiz prüfte Torwart Dirk Benz noch einmal mit einem gefährlichen Distanzschuss (80.), aber Benz hielt, als hinge sein Monatsgehalt dran. Kurz vor Schluss sah dann noch Conceicao Gelb - ein taktisches Foul, das mehr nach Cleverness als nach Wut aussah. Als der Schlusspfiff ertönte, war das Stadion ein Tollhaus. "So ein Spiel siehst du nur einmal in zehn Jahren", rief ein Fan mit heiserer Stimme. Und vielleicht hatte er recht. Statistisch gesehen war das Duell ausgeglichen - 51 Prozent Ballbesitz für Celarevo, 49 für Belgrad, 12:7 Torschüsse, drei Gelbe Karten für jeden Geschmack. Doch was am Ende zählte, war der pure Wille, das unerschütterliche "Wir geben nicht auf". Trainer Go fasste es mit einem Augenzwinkern zusammen: "In der Halbzeit habe ich den Jungs gesagt, dass das Bier nach einer Niederlage schal schmeckt. Offenbar hat das gewirkt." Und während die Flutlichter langsam erloschen, hallte noch lange ein Gesang durchs Stadion. Ein Abend, an dem Pivara Celarevo nicht nur drei Punkte gewann, sondern auch die Herzen seiner Fans - und vielleicht ein bisschen den Glauben an Fußballwunder. 06.06.643987 05:26 |
Sprücheklopfer
Ich kann nicht sagen, dass ich es nicht gesagt habe, weil ich es gesagt habe.
Mehmet Scholl