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Pogon Szczecin ringt BKS Gdansk nieder - Desire trifft doppelt beim 3:2

Es war eine dieser Nächte an der Ostsee, in denen der Wind über das Stadion weht, der Ball eigenwillig springt - und am Ende einfach niemand so genau weiß, wie Pogon Szczecin dieses Spiel eigentlich gewonnen hat. 12.500 Zuschauer bekamen beim 3:2 gegen BKS Gdansk am dritten Spieltag der 1. polnischen Liga jedenfalls alles geboten: Tore, Karten, Emotionen - und einen jungen Mann namens Imre Desire, der mit 20 Jahren schon weiß, wie man ein Spiel an sich reißt.

Dabei deutete zunächst nichts auf einen Heimsieg hin. BKS Gdansk kam mit offenem Visier, spielte von Beginn an offensiv, aggressiv und - man muss es sagen - ziemlich frech. Schon nach 24 Minuten zappelte der Ball erstmals im Netz von Pogon: Sergio Galan traf nach feiner Vorarbeit von Innenverteidiger Bartosz Klose. Nur vier Minuten später legte Severin Kosowski nach, diesmal nach einem klugen Zuspiel von Linksverteidiger Josef Arens. 0:2 - und Trainer Mike Matt rieb sich die Hände. "Wir hatten das Spiel im Griff, Pogon war überrascht, fast schon eingeschüchtert", meinte er später mit leichtem Bedauern.

Doch Pogon Szczecin wäre nicht Pogon Szczecin, wenn es beim Einschüchtern geblieben wäre. In der 33. Minute schlug Desire zu - eiskalt, nach einem Pass aus dem Mittelfeld von Roger Marchand. Fünf Minuten später war es Karl Decker, der nach einer Hereingabe von - natürlich - Desire den Ausgleich erzielte. "Ich hab nur gesehen, dass Imre den Ball will. Also hab ich einfach gelaufen, die Augen zu und drauf", grinste Decker nach Abpfiff.

Das Publikum tobte, der Trainer Pavel Lato gestikulierte an der Seitenlinie wie ein Dirigent im Takt des Chaos. "Wir haben Nerven gebraucht. Aber die Jungs haben Herz gezeigt", sagte er hinterher. Und tatsächlich: obwohl Gdansk mehr Ballbesitz hatte (57,7 %) und stolze 14 Torschüsse abfeuerte (Pogon kam auf gerade einmal vier), waren es die Hausherren, die die klareren Momente hatten.

Nach der Pause schien Gdansk weiter am Drücker, doch Keeper Ole Ibsen hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was gar nicht zu halten schien. In der 58. Minute dann der Knackpunkt: Wieder Desire, wieder eiskalt. Marchand legte auf, Desire vollendete mit einem trockenen Schuss ins lange Eck. 3:2 - und das Stadion explodierte.

"Ich hab einfach abgezogen. Wenn du nachdenkst, ist der Ball schon weg", erklärte Desire später, als hätte er gerade vom letzten Trainingsspiel erzählt.

Das Spiel blieb hitzig. Leon Link sah zuerst Gelb (39.) und später Gelb-Rot (73.), nachdem er einem Gegenspieler den Ball - und beinahe auch das Trikot - abgenommen hatte. "Der Schiri hat gesagt, das war zu viel Leidenschaft", lachte Trainer Lato sarkastisch. Auch Linksverteidiger Pedro Baiao (71.) und Decker (91.) holten sich noch Gelbe Karten ab - vermutlich als Souvenir eines Abends, der kaum ruhiger hätte enden können.

Gdansk drückte in Überzahl, schoss aus allen Lagen - Bak, Mencel, Klose - doch das Tor blieb wie vernagelt. "Manchmal triffst du an so einem Tag einfach niemanden, nicht mal das eigene Spiegelbild", knurrte Gdansks Stürmer Marcel Bak nach Abpfiff.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe, mehr Abschlüsse - und trotzdem keine Punkte. Fußball eben. Pogon Szczecin dagegen feierte ausgelassen. Die jungen Wilden, an deren Durchschnittsalter kaum eine Studenten-WG heranreicht, hatten trotz Unterzahl die drei Punkte behalten.

Trainer Lato fasste es mit einem Augenzwinkern zusammen: "Wir hatten heute vier Schüsse aufs Tor, drei davon drin. Das nenne ich Effizienz - oder Glück. Aber bitte schreiben Sie Effizienz."

Und irgendwo in der Kabine soll Imre Desire beim Auslaufen gemurmelt haben: "Wenn’s läuft, dann läuft’s." Man möchte ihm nicht widersprechen.

Denn an diesem Abend lief für Pogon Szczecin alles - vielleicht nicht rund, aber gerade genug, um einen wilden Fußballabend in einen unvergesslichen Sieg zu verwandeln. Und wer weiß: Wenn Desire so weitermacht, wird man seinen Namen bald nicht nur an der Ostsee kennen.

03.09.644000 20:52
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