// Startseite
| Elfmeter |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war kein Fußballfest, aber eines dieser Spiele, bei dem die Stralsunder Fans am Ende beseelt in die kühle Aprilnacht torkelten: Pommern Stralsund schlägt den FC Gärtringen mit 1:0 und sichert sich am 27. Spieltag der Verbandsliga L drei hart erarbeitete Punkte. 3148 Zuschauer im Pommern-Stadion sahen ein zähes, aber intensives Ringen, in dem Jugend und Erfahrung, Wille und Wadenkrampf aufeinanderprallten. Das goldene Tor fiel früh: In der 18. Minute war es Meik Heinrich, der nach einem feinen Zuspiel von Linksverteidiger Linus Reinhardt den Ball humorlos ins rechte Eck drosch. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Heinrich später, "der Ball wollte wohl auch mal ins Netz, nach all den Flanken, die sonst keiner verwertet." Trainer Dennis Koch, der an der Seitenlinie meist mit verschränkten Armen steht wie ein Lehrer kurz vor der Klassenarbeit, nickte zufrieden: "Das war genau das, was wir trainiert haben - nur dass Meik sonst aus fünf Metern drüberhaut." Gärtringen, das mit einer betont ausgeglichenen Ausrichtung angetreten war, hatte kaum Zugriff. Drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. Zwar besaßen die Gäste mit knapp 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch dieser verpuffte wie warmer Atem im Ostseewind. "Wir hatten viel Ball, aber wenig Idee", seufzte Mittelfeldmann Sascha Hase, der in der 86. Minute den einzigen gefährlichen Abschluss seines Teams verbuchte. Pommern Stralsund dagegen spielte mit offenem Visier. Gleich zu Beginn prüfte Carl Moutinho den Gästetorwart Berndt Mai mit einem wuchtigen Schuss aus der Distanz - Minute eins, und die Pommern waren hellwach. Der 49-jährige Abwehrrecke Uwe Wiese, ein Mann, der eher an einen Werkstattmeister als an einen Fußballprofi erinnert, dirigierte seine Hintermannschaft mit knurriger Autorität. Neben ihm räumte Niclas Martens alles ab, was in seine Nähe kam - notfalls auch den eigenen Mitspieler. In der Offensive sorgten die beiden 19-jährigen Flügelstürmer Florian Hinz und Christoph Muster für frischen Wind. "Ich fühl mich manchmal wie in der Schule - Heinrich ist der Lehrer, wir machen die Laufarbeit", witzelte Hinz nach dem Spiel. Tatsächlich war es seine unermüdliche Arbeit, die Gärtringens Abwehr permanent beschäftigte. Einziger Schönheitsfehler in einer ansonsten fairen Partie: Gärtringens Rechtsverteidiger Dennis Weiss sah in der 56. Minute Gelb, nachdem er Christoph Muster mit einer Grätsche stoppte, die eher an Eishockey erinnerte. "War Ball gespielt!", brüllte Weiss - allerdings hatte der Ball da schon längst in eine andere Richtung gerollt. Torwart Finlay Hunt, der 21-jährige Schlussmann der Stralsunder, erlebte einen ruhigen Abend. Doch wenn er gebraucht wurde, war er da - etwa in der 44. Minute, als Leon Voss plötzlich frei vor ihm auftauchte. Hunt blieb cool, machte sich groß und parierte mit dem rechten Fuß. "Ich hab einfach gehofft, dass er aufs kurze Eck schießt", lachte Hunt, "und für einmal hatte ich recht." Statistisch gesehen war Pommern das aktivere Team: 11 Torschüsse gegenüber 3, ein leicht geringerer Ballbesitz, aber mehr gewonnene Zweikämpfe (56 Prozent). Die Taktik von Trainer Koch - offensiv, aber kontrolliert - ging auf. Während Gärtringen bis zum Schluss an seiner "balancierten" Spielweise festhielt, hatte man auf der Tribüne eher das Gefühl, dass sie in Watte gepackt spielten. In der Schlussphase wurde es noch einmal hitzig. Heinrich, längst auf der letzten Laufbahn, forderte in der 81. Minute lautstark einen Elfmeter, als er im Strafraum fiel - der Schiedsrichter winkte ab. "Ich bin ausgerutscht", gab Heinrich später zu, "aber vielleicht war’s ja auch der Wind von der Ostsee." Nach dem Schlusspfiff jubelte Stralsund, als hätte man den Aufstieg klargemacht. Koch klopfte jedem seiner Spieler auf die Schulter, sogar Ersatzkeeper Schumann, der das ganze Spiel über mit der Trinkflasche gesprochen hatte. "Das war kein Spektakel", resümierte der Trainer, "aber manchmal reicht ein solides 1:0. Und ein Meik, der trifft." Oder wie es ein Fan auf der Tribüne formulierte: "Schöner wird’s hier nur noch im Sommerurlaub." Pommern Stralsund bleibt damit im sicheren Mittelfeld, Gärtringen dagegen muss sich fragen, ob man mit "balanciertem" Fußball auch Punkte balancieren kann. Doch egal - an diesem Abend gehörte der Applaus den Pommern. Es war einer dieser Siege, die man nicht in Hochglanz druckt, aber gerne erzählt: mit einem Tor, einem Lächeln und einem Hauch von salziger Luft. 07.12.643996 03:34 |
Sprücheklopfer
Es ist egal, ob ein Spieler bei Bayern München spielt oder sonstwo im Ausland.
Erich Ribbeck