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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Gegner überhaupt den Bus gefunden hat. Pommern Stralsund ließ am 13. Spieltag der Verbandsliga L vor 2793 Zuschauern nichts anbrennen und schickte Hohenwestedt mit einem deutlichen 4:0 nach Hause. Der Sieg war so dominant, dass der Gast in 90 Minuten keinen einzigen Torschuss zustande brachte - ja, null. Das ist nicht nur statistisch bemerkenswert, sondern fast schon sportphilosophisch. Trainer Dennis Koch hatte seine Stralsunder gewohnt offensiv eingestellt. Von Beginn an rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Hohenwestedts Schlussmann Helmut Will zu, der bald mehr Ballkontakte mit den Händen hatte als seine Vorderleute mit den Füßen. Schon nach vier Minuten prüfte Sean Gage den Keeper, und das war nur der Anfang einer wahren Schussorgie. Stralsund feuerte insgesamt 20 Mal aufs Tor - fast im Drei-Minuten-Takt. Das erste Mal zappelte das Netz in der 23. Minute. Pol Caballero, der quirlige Rechtsaußen, verwandelte eine Vorlage von Serge Lalonde mit der Präzision eines Uhrwerks. "Serge hat mir den Ball so perfekt hingelegt, ich hätte ihn fast mit den Augen reingucken können", grinste Caballero nach dem Spiel. Nur drei Minuten später erhöhte Sean Gage auf 2:0, diesmal nach feinem Solo. Hohenwestedt wankte, Stralsund tanzte. "Wir wussten, dass sie offensiv kommen würden, aber das war ja ein Dauerfeuer", seufzte Gästetrainer (dessen Name man besser verschweigt, um Nachfragen zu vermeiden) in der Pressekonferenz. "Wir standen tief, sehr tief - eigentlich hätten wir bald Eintritt für die Zuschauer in unserem Strafraum verlangen können." Zur Pause stand es also 2:0, und das war noch schmeichelhaft. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen so weitermachen - und vielleicht auch mal das Tornetz schonen", witzelte Dennis Koch später. Doch seine Mannschaft hatte noch längst nicht genug. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff legte Stralsund wieder los: Sean Gage traf erneut (47.), diesmal nach einer schönen Kombination über - natürlich - Serge Lalonde. Gage, der 33-jährige Routinier, wirkte an diesem Abend wie in seinen besten Zeiten. "Ich hab mich zehn Jahre jünger gefühlt", sagte er und lachte. "Vielleicht lag’s am Flutlicht, das macht uns alten Jungs ja immer etwas nostalgisch." Das 4:0 in der 54. Minute war dann endgültig der Deckel auf dem Topf: Kayahan Özat verwandelte nach einer butterweichen Flanke von Michel Bushnell. "Ich dachte erst, Michel will den Ball zum Mond schießen", erzählte Özat, "aber er kam genau richtig runter - und ich hab ihn einfach reingedrückt." Während Stralsund weiter stürmte, blieb Hohenwestedt im Nebel seiner eigenen Ideenlosigkeit stecken. Kein einziger Abschluss, kein einziger Moment, in dem Torwart Finlay Hunt sich die Handschuhe schmutzig machen musste. Der junge Keeper scherzte nach dem Abpfiff: "Ich hätte eigentlich ein Buch mitbringen sollen. Vielleicht was Leichtes, so was wie ’Warten auf den Gegner’." Auch die Statistiken unterstreichen das einseitige Bild: 52,6 Prozent Ballbesitz für Stralsund, 20 Torschüsse zu null, und eine Zweikampfquote von fast 60 Prozent. Alles an diesem Abend sprach dafür, dass die Pommern nicht nur einen Sahnetag erwischt hatten, sondern auch taktisch bestens eingestellt waren. Offensives Alignment, ausgewogenes Passspiel, kein hektisches Pressing - einfach kontrollierte Wucht. Die Zuschauer auf der Tribüne hatten ihren Spaß. Einer rief nach dem dritten Tor: "Gebt ihnen doch ’nen Ball, vielleicht hilft’s!" - Gelächter auf den Rängen, auch weil Hohenwestedt zu dem Zeitpunkt wirklich nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Am Ende stand es 4:0 - und das sogar ohne Nachspielzeit. Stralsund spielte die letzten Minuten locker runter, fast wie beim Trainingskick. Trainer Koch zog ein zufriedenes Fazit: "Das war diszipliniert, konzentriert und trotzdem mit Spaß. So will ich meine Mannschaft sehen." Sein Gegenüber hingegen blickte ratlos drein: "Wir haben uns bemüht, ehrlich. Aber wenn du keinen Schuss aufs Tor bringst, dann kannst du auch kein Spiel gewinnen." Ein Satz, der in die Lehrbücher der Verbandsliga eingehen könnte. Und so bleibt als Fazit: Stralsund in Galaform, Gage und Caballero als Doppelschlag-Garanten, Hohenwestedt dagegen als Statisten in einer fremden Vorstellung. Vielleicht sollte man im nächsten Training einfach mal das Toreschießen üben - zur Abwechslung. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "War ein schöner Abend - wenn man’s mit den richtigen hält." 27.10.643999 18:08 |
Sprücheklopfer
Es ist egal, ob ein Spieler bei Bayern München spielt oder sonstwo im Ausland.
Erich Ribbeck