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Es war ein Abend, an dem selbst der Ball kurz durchschnaufen wollte. 59.000 Zuschauer im Estadio Hidalgo sahen beim 19. Spieltag der 1. Liga Mexico ein packendes 2:3 zwischen Deportivo Pachuca und Pumas Nacional - eine Partie, die alles bot: frühe Führung, schnelle Wende, taktische Kniffe und ein Hauch von Chaos in der Luft. Deportivo-Trainer The Wizard - der Name verpflichtet - hatte sein Team offensiv eingestellt, und in der 19. Minute wirkte die Magie tatsächlich: Frangiskos Fyssas steckte durch, Pascal Kohl zog von links ab, und schon zappelte der Ball im Netz. "Ich dachte, der Keeper würde noch die Hand dranbekommen", grinste Kohl später, "aber anscheinend hat er lieber den Wind geprüft." Doch kaum hatte das Publikum den Torjubel beendet, konterten die Pumas mit der Eleganz eines Raubtiers, das Blut gerochen hat. Damian Pacos glich in der 29. Minute aus - ein strammer Schuss nach kurzem Solo durch die Mitte. Nur eine Minute später machte Roberto Olivadi ernst, bedient von Marcio Maniche, und drehte das Spiel mit einem platzierten Rechtsschuss. 1:2, und die Heimmannschaft stand da wie ein Zauberer, dem der Hut davongeflogen war. "Wir sind kurz eingenickt", gestand The Wizard nach dem Spiel. "Das Problem war nur, dass wir im Stehen geschlafen haben." Seine Defensive wirkte in dieser Phase tatsächlich wie in einem schlechten Traum - zu spät in den Zweikämpfen, zu weit weg vom Mann. Dabei war das Spiel statistisch ausgeglichen: 50,8 Prozent Ballbesitz für Pachuca, 49,2 für die Gäste. Kurz nach der Pause dann der nächste Rückschlag: In der 48. Minute machte Diego Meireles das 1:3 für Pumas Nacional - ein wuchtiger Linksschuss nach einer verunglückten Klärung der Gastgeber. Kaum hatten die Gäste den Treffer bejubelt, antwortete Pachuca mit britischem Humor: Jamie MacLean, der bullige Schotte im Sturm, drosch den Ball in der 49. Minute zum 2:3 unter die Latte. "Ich dachte, ich hau einfach mal drauf, bevor jemand auf die Idee kommt, zu passen", erklärte MacLean mit einem Zwinkern. Von da an entwickelte sich ein offenes Spiel. Elf Torschüsse Pachuca, zehn Pumas - ein Duell auf Augenhöhe. Fyssas zog mehrfach aus der Distanz ab (55., 72., 78.), doch Keeper Corey Locklear parierte mit stoischer Ruhe. "Ich hatte heute den Eindruck, der Ball mag mich", witzelte der Torwart, während er nach dem Spiel seine Handschuhe signierte. In der Schlussphase stellte Pumas-Trainer Andy Nordlicht auf Stabilität um, brachte den jungen Fabio Goncalves für Srdan Tadic und ließ seine Elf tiefer stehen. Pachuca drängte, mit langen Bällen und viel Herz, aber wenig Präzision. "Wir wollten mit Pressing und Leidenschaft zurückkommen", sagte MacLean, "aber manchmal ist Fußball wie ein schlechter Zaubertrick - du weißt, was passieren soll, und trotzdem verschwindet der Ball." Pumas hielt dagegen, konterte geschickt und ließ sogar noch Chancen liegen: Meireles (82.) und Olivadi (88.) hätten alles klar machen können. Stattdessen sorgte eine Gelbe Karte für Javi Bernal (81.) für kleine Emotionen, doch die Gäste behielten die Nerven. Nach Abpfiff klatschten sich die Pumas-Spieler ab, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen. "Wir hatten uns vorgenommen, mutig zu bleiben, auch wenn es laut wird", erklärte Nordlicht. "Und laut war es - spätestens, als The Wizard anfing zu zaubern." Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - eine faire Geste nach einem intensiven, wenn auch etwas wilden Kick. Statistisch lag Pachuca vorne, spielerisch aber fehlte das letzte Quäntchen Klarheit. Vielleicht war es der Versuch, zu viel Magie auf einmal heraufzubeschwören. Und so bleibt am Ende ein Spiel, das man in Pachuca wohl noch eine Weile diskutieren wird - zwischen Hoffnung, Ironie und einem Schuss Selbstironie. "Ich glaube, wir haben heute gezeigt, dass man auch verlieren und trotzdem zaubern kann", meinte The Wizard mit einem müden Lächeln. Pumas Nacional dagegen reist mit breiter Brust nach Hause - und mit drei Punkten, die so golden glänzen wie ihr Auftritt in der heißen Phase. Vielleicht war es am Ende kein Zauber, sondern einfach solides Handwerk. Aber wer will das schon hören, wenn man gerade den Zauberer geschlagen hat? 27.08.643987 01:04 |
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