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Es war ein Abend, an dem die 36.000 Zuschauer im Estadio Verde von León Esmeralda alles sahen - außer Toren ihrer eigenen Mannschaft. Pumas Nacional kam, sah und siegte mit kühler Effizienz 2:0 (2:0), während die Gastgeber zwischen Pech, Planlosigkeit und Platzverweisen taumelten. Trainer Andy Nordlicht grinste nach dem Schlusspfiff zufrieden: "Wir wollten früh ein Zeichen setzen - und die Jungs haben gleich zwei rausgeschickt." Schon in der 13. Minute war das Zeichen da: Der 21-jährige Marcio Maniche, sonst eher der Architekt im Mittelfeld, schloss einen schnellen Angriff über die linke Seite eiskalt ab. Diego Meireles hatte den Ball mit einem butterweichen Pass in den Lauf gelegt, Maniche zog aus 18 Metern ab - und der Ball zischte unhaltbar ins rechte Eck. Torwart Juan Pablo Coluna flog, als wolle er die Schwerkraft beleidigen, aber ohne Erfolg. León Esmeralda reagierte wütend, fast übermotiviert. Juriaan Coeyman prüfte den gegnerischen Keeper Corey Locklear schon in der 5. Minute mit zwei Distanzschüssen, die mehr Staub als Gefahr aufwirbelten. "Wenn du neunmal schießt und keiner rein will, dann weißt du: Der Fußballgott trägt heute ein Pumas-Trikot", knurrte Coeyman später. In der 42. Minute folgte der zweite Streich der Gäste: Roberto Olivadi, die rechte Rakete aus São Paulo, verwertete eine punktgenaue Vorlage von Theo Hiliard. Ein kluger Doppelpass in den Strafraum, ein kurzer Haken, und Olivadi schlenzte den Ball mit der Präzision eines Architekten ins lange Eck. 0:2 - und das Stadion verstummte, als hätte jemand den Ton abgestellt. León hatte optisch mehr Ballbesitz (51,7 Prozent), aber das war ein klassischer Fall von Scheinkontrolle. Pumas spielte offensiv, aggressiv und mit dieser unverschämten Selbstverständlichkeit, die nur Mannschaften besitzen, die wissen, dass sie besser sind. 12 Torschüsse der Gäste standen 9 der Heimelf gegenüber - und die gefährlicheren kamen fast alle von den Pumas. Die zweite Halbzeit war dann weniger ein Fußballspiel als ein Geduldstest. Pumas ließ den Ball laufen, als hätten sie einen Pakt mit der Uhr geschlossen. Nordlicht wechselte in der 60. Minute gleich doppelt: Miguel Andrade kam für Hiliard, Ivica Dordevic ersetzte den jungen Evan Houghton. "Wir wollten einfach frische Beine - und vielleicht jemanden, der sich nicht von der Sonne blenden lässt", witzelte Nordlicht später. Leóns Trainer - der Name war an diesem Abend so blass wie die Vorstellung seiner Elf - versuchte mit Systemänderungen und lautstarkem Coaching gegenzusteuern. Doch als sich Innenverteidiger Rafael Ruy in der 77. Minute verletzte und durch Duarte Morte ersetzt werden musste, war der letzte Rest Stabilität dahin. Die Schlussphase hatte dann etwas von Tragikomödie: In der 92. Minute sah Linksverteidiger Carles Antonio Gelb, wohl aus Frust über die Ungerechtigkeit des Lebens. Eine Minute später holte sich Ashton Argyll glatt Rot - ein Rempler, ein böser Blick, ein Griff ans Trikot, und der Schiedsrichter hatte genug. "Ich wollte nur den Ball", verteidigte sich Argyll später mit unschuldigem Augenaufschlag. Ein Mannschaftskollege murmelte trocken: "Vielleicht den Ball in der Kabine." Während die Fans von León mit hängenden Köpfen die Tribünen verließen, sangen die mitgereisten Pumas-Anhänger noch minutenlang. Marcio Maniche, der Mann des Abends, sagte nach dem Spiel: "Ich bin glücklich, aber auch ein bisschen überrascht. Ich dachte, der Schuss geht drüber." Ein Reporter fragte, ob das einstudiert war. Maniche lachte: "Das war pure Improvisation - wie ein Solo auf der Gitarre, nur mit Ball." Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen, aber Fußball wird nicht nach Ballbesitz entschieden, sondern nach Toren. Und die erzielten an diesem Abend nur die Gäste. Pumas Nacional zeigte, dass mutige Offensive und klare Struktur mehr wert sind als sterile Kontrolle. Am Ende konnte man den Eindruck gewinnen, dass León Esmeralda 90 Minuten lang alles versucht hatte - nur das Richtige nicht. Der Platzverweis in der Nachspielzeit passte da ins Bild wie der letzte Tropfen in ein übergelaufenes Glas. "Wir müssen ruhiger werden", sagte ein sichtlich genervter Kapitän Carles Mendes. "Man kann kein Spiel gewinnen, wenn man sich selbst besiegt." Und während er das sagte, schlich Ashton Argyll mit gesenktem Kopf vorbei, als wüsste er, wer gemeint war. Fazit des Abends: Pumas Nacional mit einem reifen, abgeklärten Auftritt - León Esmeralda dagegen mit einem Abend voller "was wäre wenn". Und irgendwo im Stadion pfiff der Wind, als wollte er flüstern: Der grüne Löwe schnurrt, aber brüllen tut er nicht mehr. 17.03.643987 21:11 |
Sprücheklopfer
Wenn man sich einredet, man ist müde, dann ist man müde.
Lothar Matthäus