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Wenn ein Spiel schon nach vier Minuten Fahrt aufnimmt, weiß der geneigte Zuschauer: Heute wird’s turbulent. Und turbulent war es in Berkum am 4. Spieltag der 1. Liga Niederlande allemal. 26.279 Fans sahen ein 2:4, das sich zeitweise eher wie ein Eishockey-Ergebnis anfühlte. PVC Eindhoven reiste mit breiter Brust an - und fuhr mit noch breiterer wieder nach Hause. "Wir wollten früh stören und Berkum gar nicht erst ins Spiel kommen lassen", grinste Eindhoven-Trainer Markus Frey nach dem Schlusspfiff. Was man "früh" nennt, demonstrierte sein Team eindrucksvoll: In der vierten Minute zappelte der Ball bereits im Netz. Garritt Van Buren, der Mann mit der Frisur eines Rockstars und der Präzision eines Uhrwerks, verwertete eine Vorlage von Ronny Arens - 0:1. Doch Berkum schien den koffeinstarken Start der Gäste kaum zu beeindrucken. Nur vier Minuten später schlug Alessandro Basile zurück. Nach einem wuchtigen Vorstoß über die linke Seite von Nelson Dominguez bugsierte Basile den Ball aus kurzer Distanz ins Tor - 1:1. Das Stadion bebte, Trainer Hans Huber ballte die Faust, und plötzlich roch alles nach einem offenen Schlagabtausch. Und tatsächlich - das Spiel ging in eine wilde Phase über, die jeder neutralen Fußballseele ein Lächeln ins Gesicht zauberte. In der 12. Minute war es Alfonso Travassos, der nach einem Eckball und einer etwas kuriosen Kopfballstafette das 2:1 für Berkum markierte. "Ich dachte erst, der Ball sei schon draußen", lachte Travassos später, "aber dann lag er plötzlich vor meinen Füßen." Eindhoven zeigte sich davon unbeeindruckt. Arens, eben noch Vorlagengeber, antwortete nur drei Minuten später selbst mit einem satten Schuss aus dem Rückraum - 2:2. Und weil Van Buren offenbar beschlossen hatte, an diesem Abend persönlich den Unterschied auszumachen, traf er in der 19. Minute erneut. Nach einem Pass von Harold Putnam tanzte er den Innenverteidiger aus und schob cool zum 2:3 ein. Bis zur Pause ging es munter weiter, allerdings ohne weiteres Tor. Dafür sammelte Berkum fleißig Gelbe Karten: Xavier Enrico (11.), Noach Bushnell (25.) und später Vahap Özmen (51.) - der Innenverteidiger, der bereits in der Nachspielzeit mit Gelb-Rot vom Platz musste. "Das war kein Foul, das war Physik", fauchte Özmen beim Verlassen des Rasens, während Huber ihn mit einer Mischung aus Zorn und väterlicher Resignation verabschiedete. Nach der Halbzeit brachte Frey frisches Blut: Ignacio Postiga kam für Nicolaas Vanderveer, Dedrick Dag ersetzte Daniel Eliezer. Der Effekt ließ nicht lange auf sich warten. Drei Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Teo Males auf 2:4 - mustergültig eingeleitet von Harold Coeyman. Damit war der Widerstand der Hausherren im Grunde gebrochen. Berkum versuchte es danach zwar mit viel Herz, aber wenig Präzision. Ganze sieben Torschüsse standen am Ende zu Buche - Eindhoven kam auf deren 14. Auch die Ballbesitzstatistik sprach mit 54 zu 46 Prozent für die Gäste. "Wir haben nicht schlecht gespielt", meinte Trainer Huber später in der Pressekonferenz, "aber PVC war einfach eiskalt. Und unsere Verteidigung war heute... sagen wir: experimentell." Ein kleiner Disput am Spielfeldrand sorgte noch für Unterhaltung, als ein Balljunge den Ball zu spät zurückwarf und Huber ihm mit einem ironischen "Wir haben keine Zeit, Junge, das ist kein Picknick!" zur Eile mahnte. Das Publikum nahm’s mit Humor - der Rest des Spiels bot ohnehin wenig Anlass zur Freude. Eindhoven verwaltete das Ergebnis souverän, spielte lange Bälle, lauerte auf Konter - und ließ Berkum ins Leere laufen. In der 83. Minute hätte Males sogar noch erhöhen können, scheiterte aber am glänzend reagierenden Torhüter Valerio Acri, der zumindest eine höhere Blamage verhinderte. "Das war eine erwachsene Leistung", resümierte Frey zufrieden. "Wir haben unser Spiel durchgezogen, auch wenn Berkum kurzzeitig gefährlich wurde." Van Buren indes grinste nur: "Zwei Tore sind schön, aber ich hätte gern das Trikot von Basile - der Typ hat Feuer." Berkum hingegen wird sich nach dieser Niederlage neu sortieren müssen. Vier Gegentore, drei Gelbe Karten, eine Gelb-Rote - und das alles vor heimischem Publikum. Immerhin: Die Fans hielten bis zum Schluss durch. "Wir haben schon schlimmere Abende erlebt", meinte ein Zuschauer beim Hinausgehen. "Aber wenigstens war’s nicht langweilig." Und das stimmt. Wenn man verliert, dann bitte so: mit Spektakel, Emotionen und einer Prise Chaos. Fußball kann manchmal grausam sein - aber selten so unterhaltsam wie an diesem Abend in Berkum. 22.02.643987 20:15 |
Sprücheklopfer
Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.
Andreas Möller