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Ein nasskalter Januarabend, 32.000 Zuschauer im Stadion von Maastricht - und ein Spiel, das keiner so recht glauben wollte, selbst nachdem der Schlusspfiff längst verklungen war. Am Ende hieß es 3:4 aus Sicht des SC Maastricht gegen PVC Eindhoven, doch das nackte Ergebnis erzählt nur die halbe Geschichte. Maastricht legte los, als hätten sie sich vorgenommen, die Liga im Alleingang neu zu erfinden. Schon in der 12. Minute zirkelte Itzhak Lawon den Ball nach feinem Zuspiel von Gerard Conklin ins Netz - ein Tor, so präzise, dass selbst die Ordner auf der Haupttribüne Beifall klatschten. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Lawon nach dem Spiel. "Ich wollte eigentlich flanken." Doch der Jubel währte kaum so lange, wie der Glühwein warm blieb. Eindhoven, angetrieben von Trainer Markus Frey, der mit verschränkten Armen und stoischer Miene an der Linie stand, schlug zurück. Hansen Putnam, der bullige Mittelstürmer, glich in der 24. Minute aus - natürlich nach einer butterweichen Flanke von Ronny Arens. Putnam feierte mit einem Jubel, der zwischen Kampfschrei und Opernfinale lag. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur im Bus gut aussehen", sagte er später mit einem Augenzwinkern. Kurz vor der Pause dann der Schock für Maastricht: Innenverteidiger Marek Nemeth, bei Standards sonst eher als Statist bekannt, köpfte nach Dorlands Freistoß zur 2:1-Führung für Eindhoven ein (39.). Nemeth rannte jubelnd Richtung Eckfahne - und stolperte über dieselbe. "Ich wollte eigentlich den Ronaldo machen", lachte er später, "aber der Rasen hatte andere Pläne." Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel zum offenen Schlagabtausch. Eindhoven blieb offensiv wie ein Dauerfeuer, 17 Schüsse aufs Tor sprechen eine klare Sprache. Maastricht dagegen hielt mit 52 Prozent Ballbesitz dagegen, doch Präzision war an diesem Abend Mangelware. In der 47. Minute erhöhte wieder Putnam, diesmal nach Vorlage von Robin Deroeck - ein Schuss, so trocken, dass selbst die Torlinientechnik kurz fror. Nur zwei Minuten später machte Nemeth sein zweites Tor des Abends, nach einem Eckball von Nelio Sandoval: 4:1 für Eindhoven, was die mitgereisten Fans in Ekstase versetzte und die Maastrichter Anhänger in die kalte Realität zurückholte. Aber Maastricht wäre nicht Maastricht, wenn sie nicht noch ein wenig Drama liefern würden. Nur eine Minute nach Nemeths Treffer drosch Linksverteidiger Michel Derrick den Ball nach Stepan Pereschogins Vorlage in die Maschen - 2:4, plötzlich wieder Hoffnung. Derrick, 34 Jahre alt und sonst eher der Mann für die ruhigen Momente, riss die Arme hoch und brüllte: "Ich bin noch da!" In der 67. Minute folgte der Anschluss: Wieder Lawon, diesmal nach feinem Steckpass von Leon Will. 3:4, und das Stadion bebte. Trainer Frey an der Seitenlinie tobte, schrie Anweisungen, die niemand verstand - und vielleicht war das auch besser so. Die letzten Minuten waren dann purer Wahnsinn: Eindhoven wankte, Maastricht drückte. Leon Will scheiterte in der Nachspielzeit mit einem Distanzschuss, der nur Zentimeter am Pfosten vorbeistrich. 32.000 Zuschauer hielten den Atem an - und dann kam der Abpfiff. Statistisch gesehen hatte Eindhoven verdient gewonnen: mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote (54 Prozent) und eiskalte Chancenverwertung. Maastricht dagegen hatte den Ball, die Moral - und am Ende den Frust. "Wir haben zu langsam umgeschaltet, zu oft gezögert", murmelte ein sichtlich gefasster Lawon nach dem Spiel. PVC-Trainer Frey hingegen zeigte sich zufrieden: "Wir wollten mutig sein, und das waren wir - manchmal vielleicht zu sehr. Aber vier Auswärtstore nimmt man immer mit." Ein kleiner Eklat am Rande: Maastrichts Verteidiger Arjen Wyman sah schon in der 9. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen, das eher an einen Skirennenstart erinnerte. Später folgte Haim Jadin mit einer Verwarnung - sinnbildlich für eine Abwehr, die an diesem Abend nie richtig Fuß fasste. Als Eindhoven in der 90. Minute gleich dreimal wechselte - Sandoval, Lampi und Putnam raus, drei Nachwuchskräfte rein - war klar: Frey wollte das Ergebnis über die Zeit retten. Und das tat er. Am Ende stand ein 4:3, das auf dem Papier nach knapper Partie aussieht, in Wahrheit aber eine Achterbahnfahrt zwischen Genie und Wahnsinn war. Die Fans verließen bibbernd das Stadion, aber mit einem Lächeln - schließlich hatte man mehr geboten bekommen als in so manchem Thriller. Oder wie es ein Maastrichter Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wenn man schon verliert, dann wenigstens mit Stil. Und mit sieben Toren." 08.04.643987 19:30 |
Sprücheklopfer
Lieber ewiges Talent als gar kein Talent.
Mehmet Scholl