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Es war ein Abend, an dem die 41.834 Zuschauer im Quebec-Stadion ihr Eintrittsgeld mehr als wert waren. Die Quebec Blues und Surrey City lieferten sich am 27. Spieltag der 1. Liga Kanada ein wildes, launisches und stellenweise chaotisches 4:3-Spektakel - ein Spiel, das eher an ein Rockkonzert als an taktische Disziplin erinnerte. "Ich fühlte mich wie Schlagzeuger in einer Band ohne Dirigent", lachte Blues-Trainer Gerd Froebe nach dem Spiel. Schon in der zehnten Minute begann das Feuerwerk: Ausgerechnet Linksverteidiger Luís Morte, normalerweise eher für rustikale Grätschen bekannt, zog aus gut 25 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Morte später schmunzelnd zu, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." 1:0 für Quebec, und die Tribüne bebte. Die Blues spielten weiter mit offenem Visier, und in der 27. Minute legte Claude Leclair nach. Nach feiner Vorarbeit von Guillaume Williamson drückte der flinke Rechtsaußen das Leder kompromisslos ins Eck. Nur eine Minute später allerdings konterte Surrey City, als Martin Santoyo eine flache Hereingabe von Damian Moreno verwertete. 2:1 zur Pause - und man hatte das Gefühl, das war erst der Anfang. Surrey-Trainer Günter Schwarz schwor seine Mannschaft in der Kabine auf "mehr Biss und weniger Staunen" ein. Offenbar wirkte es: Gleich nach Wiederanpfiff (46.) traf erneut Santoyo - diesmal nach einem schönen Zuspiel von Olivier Auclair, der gerade erst eingewechselt worden war. "Wir haben den Blues kurz Blues singen lassen", grinste Schwarz. Doch die Freude währte nicht lange. In der 51. Minute stellte Lewis MacLaren die Führung für Quebec wieder her. Der Schotte, dessen linker Fuß eher einem Vorschlaghammer gleicht, donnerte den Ball nach einer Ecke von Christophe Beyince unter die Latte. 3:2 - und wieder bebte das Stadion. "Ich hab’ einfach draufgehauen", meinte MacLaren trocken, "und gehofft, dass keiner im Weg steht." Das Spiel blieb wild, und in der 71. Minute sorgte Giacomo Fabbri nach Assist von Innenverteidiger Maurice Hoskins für das 4:2. Hoskins hatte sich bei einer Ecke ganz nach vorn geschlichen und mit einem wuchtigen Kopfball die Vorarbeit geleistet. "Das war fast schon italienischer Stil", schwärmte Froebe. Aber Surrey gab nicht auf. Der junge Samuel Simard, erst 20 Jahre alt und in der 60. Minute eingewechselt, traf in der 79. Minute nach Pass des flinken Vitorino Ordonez zum 4:3-Anschluss. "Ich wollte zeigen, dass ich bereit bin, auch wenn’s 4:2 steht", sagte Simard später, während er sich selbstironisch auf die Schulter klopfte. In den letzten zehn Minuten wurde es dann richtig nervös. Fouquets Gelbe Karte (82.) brachte noch einmal Pfeffer in die Partie, und in der Nachspielzeit sah auch Hoskins Gelb, als er einen Konter rustikal stoppte. Statistisch gesehen war das Duell fast ausgeglichen - 51 Prozent Ballbesitz für Quebec, 49 für Surrey -, doch die Blues hatten mit 19:9 Schüssen aufs Tor schlicht mehr Zug nach vorn. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", seufzte Surrey-Kapitän Joel Clancy, "aber wenigstens war’s schön anzusehen." Die taktischen Vorgaben? Nun ja, beide Teams starteten offiziell "offensiv", aber das war ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm im Schneesturm. Quebec spielte mit Herz und Chaos, Surrey mit Mut und Schmerzgrenze. Als Froebe in der 75. Minute den jungen Xabier Costa für Fabbri brachte, stand das Stadion Kopf - ein symbolischer Wechsel zwischen Generationen. Nach Abpfiff umarmten sich Spieler beider Teams erschöpft. Froebe grinste: "Wenn wir jede Woche so spielen, brauche ich bald Herztabletten - aber zufriedene." Schwarz hingegen nahm’s sportlich: "Vier Tore auswärts kassieren ist Mist, aber wenigstens haben wir drei geschossen. Das nenne ich Fortschritt." So endete ein Abend, der in Quebec wohl noch lange besungen wird - vielleicht nicht mit Taktiktafeln, aber mit breitem Lächeln. Ein Spiel voller Leidenschaft, Fehler, Helden und kleiner Katastrophen - kurzum: Fußball, wie man ihn liebt. 27.04.644000 20:10 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller