Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Raanana Reds siegen mit Herz, Humor und einem Hauch Chaos

Wenn am Valentinstag um 20:30 Uhr Fußball gespielt wird, liegt Liebe in der Luft - zumindest für den, der trifft. 34.416 Zuschauer im Raanana-Stadion sahen am 8. Spieltag der 1. Liga Israel eine Partie, die anfangs nach einem romantischen Abend für die Raanana Reds aussah, später aber eher in eine Beziehungskrise mündete. Am Ende stand ein 2:1-Sieg gegen Tirat Carmel FC, der mehr Nerven als Rosen kostete.

Schon nach zwei Minuten prüfte Nahum Rosenthal die Reflexe des Gästekeepers Georg Danielsen. Ein Warnschuss, der ankündigte: Raanana hatte Lust. Und wie. Trainer Levi Ackerman, sonst ein Mann der klaren Worte, grinste nach dem Spiel: "Wir wollten heute nicht viel Ballbesitz - nur die Tore. Hat ja fast geklappt." Tatsächlich lag der Ballbesitz mit 55 Prozent leicht zu Gunsten der Hausherren, aber die Reds machten daraus mehr.

In der 16. Minute platzte der Knoten: Mosche Itzhaki, der rechte Mittelfeldmotor mit der Lunge eines Marathonläufers, zog nach Vorlage des erfahrenen Innenverteidigers Jakub Szewczyk ab - und der Ball zappelte im Netz. 1:0. Das Stadion brodelte, und Itzhaki rannte jubelnd zur Eckfahne, als wolle er sie persönlich umarmen. "Ich hab nur gedacht: endlich mal einer, der drin ist!", sagte er später mit einem Grinsen.

Tirat Carmel, das unter der energischen Babsi Klemm angetreten war, um über die Flügel zu kommen, antwortete mit Wucht. Isidoro Oliveira prüfte den heimischen Keeper Pinchas Zeewi gleich mehrfach, fand aber in ihm einen Mann, der offenbar beschlossen hatte, heute nichts mehr durchzulassen. "Ich hab’s irgendwann persönlich genommen", erklärte Zeewi trocken.

Kurz vor der Pause dann der Moment, der den Raanana-Fans das Herz erwärmte: Menachem Shitrit, 23, blitzschnell und frech, vollendete nach Pass von - natürlich - Itzhaki zum 2:0 (44.). In der Trainerzone klatschte Levi Ackerman so heftig, dass sein Notizblock in hohem Bogen auf dem Rasen landete. "Das war kein Wurf aus Frust", erklärte er später lachend, "das war Begeisterung mit Schwung."

Zur Halbzeit stand es 2:0, die Reds hatten alles im Griff. 17 Torschüsse würden es am Ende sein - fast doppelt so viele wie Tirat Carmel. Doch wie so oft im Fußball wollte die zweite Hälfte nicht ganz so romantisch verlaufen wie die erste.

In der 49. Minute sah Tirats Innenverteidiger Eugenio Conte Gelb, nachdem er Miguel Salvadorez mit einer Grätsche stoppte, die mehr nach Wrestling aussah. Levi Ackerman hob nur die Augenbraue; Babsi Klemm schüttelte den Kopf. "Eugenio hat das Gras wohl mit dem Ball verwechselt", murmelte sie später sarkastisch.

Dann kam die 65. Minute, und plötzlich war das Spiel wieder offen. Ausgerechnet Linksverteidiger Adriano Figo, sonst eher für solide Defensivarbeit zuständig, nutzte einen Moment der Unordnung und drosch den Ball nach Pass von Ivica Jovanovic unter die Latte - 2:1. Tirat Carmel jubelte, und Klemm schrie über den Platz: "Hab ich’s euch gesagt! Flügel, Leute, Flügel!"

Von da an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Die Gäste warfen alles nach vorne, wechselten den angeschlagenen Jovanovic (77.) aus, während Raanana sichtbar die Kräfte schwanden. Rosenthal, Levinger und Shitrit liefen noch einmal an, doch der letzte Punch fehlte. Und als in der 91. Minute Frans Dahl für Tirat Carmel einen Schuss knapp über die Latte setzte, hielt das Stadion kollektiv die Luft an.

"Da hab ich innerlich schon den Ball aus dem Netz gefischt", gab Keeper Zeewi später zu. Doch der Ball blieb draußen - und der Jubel drinnen.

Am Ende sprach das Ergebnis eine klare Sprache: 2:1 (2:0) für Raanana, verdient nach Zahlen und Einsatz. Tacklingquote 53 Prozent, Ballbesitzvorteil, mehr Schüsse, mehr Herz. Tirat Carmel bleibt der Trost, dass man sich nie hängen ließ - und dass Trainerin Klemm trotz Niederlage Humor bewies: "Wir haben uns reingekämpft. Nur leider in die falsche Richtung."

Raanana dagegen träumt weiter vom oberen Tabellendrittel. Itzhaki fasste den Abend wohl am besten zusammen: "Manchmal ist Fußball wie Liebe - du musst dich trauen, auch wenn du weißt, dass’s weh tun kann."

Ein bisschen Pathos, ein bisschen Chaos - und am Ende drei Punkte. Valentinstag in Raanana eben.

19.08.643990 09:25
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