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Genf - Es war ein kalter, klarer Januarabend im Stade de la Praille, als sich 14.732 Zuschauer die Hände rieben - teils wegen der Kälte, teils vor Spannung. Racing Club GE empfing den FC Chur zum dritten Spieltag der 3. Liga Schweiz (1. Div), und am Ende stand ein 2:1 auf der Anzeigetafel, das knapper war, als es zur Halbzeit den Anschein hatte. Trainer Truthan Trainer - ja, der heißt wirklich so - hatte seine Genfer gewohnt offensiv eingestellt. Schon nach zehn Minuten prüfte Thierry Haupt mit einem kernigen Abschluss den Churer Keeper René Besson, der sich fortan nicht über Arbeitsmangel beklagen sollte. "Ich hab mir gedacht, heute wär’s nett, auch mal einen Ball zu halten", meinte Besson später mit einem schiefen Grinsen. Racing drückte früh, obwohl die Gäste mit fast 60 Prozent Ballbesitz das Spiel bestimmten. Doch Ballbesitz schießt bekanntlich keine Tore, und so kam, was kommen musste: In der 31. Minute nutzte Johann Benz eine Lücke auf links, flankte präzise in den Strafraum, wo Thierry Haupt per Direktabnahme zum 1:0 traf. Die Genfer Bank explodierte, und Haupt rief lachend in Richtung Trainerbank: "Siehst du, ich kann’s noch!" Nur fünf Minuten später legte Racing nach. Diesmal kam der Angriff über rechts - Cesar Capone setzte sich energisch durch und bediente Robert Kinmont, der den Ball trocken ins linke Eck setzte. 2:0, 36. Minute, und die Churer Verteidigung sah aus, als würde sie lieber den nächsten Zug nach Hause nehmen. Kurz darauf allerdings fing sich Benz die erste Gelbe Karte des Spiels ein, nach einem beherzten, sagen wir: ambitionierten Zweikampf. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", kommentierte er später, bevor er in der 88. Minute mit Gelb-Rot endgültig "nicht mehr da" war. Mit der Pausenführung im Rücken ließ Racing es nach Wiederanpfiff ruhiger angehen. Vielleicht zu ruhig. Trainer Trainer an der Seitenlinie gestikulierte wild: "Jungs, das ist kein Spaziergang am Genfer See!" rief er, als Chur zunehmend Druck machte. Die Gäste schnürten Racing zeitweise in deren Hälfte ein. Alexandre Reuter, der flinke Rechtsaußen der Bündner, tauchte immer wieder gefährlich auf. Nach mehreren vergebenen Chancen war es dann in der 74. Minute soweit: Joseph Devereux steckte durch, Reuter zog ab - und traf zum 2:1-Anschluss. "Da hab ich kurz gedacht: Jetzt kippt’s", gab Coach Trainer ehrlich zu. Und tatsächlich: Chur roch an der Sensation. Reuter hatte in der 82. Minute erneut den Ausgleich auf dem Fuß, aber der eingewechselte 18-jährige Racing-Keeper Olivier Benoist parierte glänzend - ein Moment, der das Publikum zu Standing Ovations hinriss. "Ich hab einfach den Arm ausgestreckt und gehofft, dass er trifft - mich, nicht das Tor", grinste der Teenager nach dem Spiel. In der Schlussphase wurde es hektisch. Der Schiedsrichter verteilte noch eine Gelbe Karte an Churs Joel Lockwood (72.) und schickte den bereits verwarnten Benz vom Platz. Truthan Trainer, inzwischen heiser vom Schreien, warf seine Mütze auf den Rasen: "Ich wollte eigentlich nur Zeit schinden, aber die Mütze blieb liegen - das war dann mein Beitrag zur Verlängerung." Die letzten Minuten waren ein einziger Sturmlauf der Gäste, doch Racing verteidigte mit allem, was Beine hatte. Selbst Ersatzkeeper Benoist brüllte von hinten Kommandos, als spiele er schon 100 Spiele. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel den Genfern ein ganzer Steinbruch vom Herzen. Statistisch gesehen war das Ergebnis fast ein kleiner Kunstraub: 13 Torschüsse Racing, 11 von Chur, aber 59 Prozent Ballbesitz für die Gäste. Doch Effizienz schlägt Ästhetik - und drei Punkte sind am Ende schöner als jede Passquote. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit gewonnen und in der zweiten überlebt", bilanzierte Trainer Trainer trocken. Churs Kapitän Devereux sah es ähnlich: "Wir haben zu spät gemerkt, dass das Tor nicht von allein umfällt." So bleibt Racing Club GE mit diesem 2:1 auf Kurs, während der FC Chur zwar den besseren Ball, aber die schlechtere Ausbeute hatte. Und am Ende, während die Genfer Fans im Schneegestöber "Allez Racing!" riefen, nickte Trainer Trainer zufrieden: "Manchmal reicht’s, wenn man einfach ein bisschen weniger schlecht ist als der Gegner." Ein Satz, der an diesem Abend vermutlich die ehrlichste Taktikanalyse war. 17.03.643987 03:51 |
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Giovanni Trappatoni