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Racing Club GE rettet spät ein Remis - Hartung trifft, Nani fliegt

Was für ein Abend in Genf! 15.467 Zuschauer sahen im Stade des Charmilles ein 1:1, das alles hatte, was ein solides Drittligaspiel braucht: ein frühes Gegentor, einen Platzverweis, eine Portion Drama - und einen 20-jährigen Mittelfeldspieler, der sich in die Herzen der Racing-Fans schoss.

Schon nach fünf Minuten war die gute Laune im Racing-Block dahin. Münsingens Rechtsverteidiger Alexandre Baur, offenbar in bester Laune, spazierte nach einem Doppelpass mit Georg Blanchard durch die Abwehr und versenkte den Ball trocken ins rechte Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Baur nach dem Spiel, "aber wenn er reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht." FC-Trainer (dessen Name die Chronistenstube inzwischen vergessen hat) klatschte zufrieden - und Racing-Coach Truthan Trainer warf bereits in der Coachingzone die erste Wasserflasche.

Racing reagierte - mit Wut, Wille und einer Schussstatistik, die jedem Statistiker Schweißperlen auf die Stirn treiben würde: 18 Torschüsse bis zum Abpfiff, aber lange kein Tor. Vor allem Thierry Haupt und Patryk Wasilewski prüften Münsingens Keeper Fehmi Özdenak in Serie. Doch der 31-Jährige war an diesem Abend eine Mischung aus Katze und Magnet - alles, was auf sein Tor kam, klebte an seinen Handschuhen.

"Irgendwann dachte ich, da steht eine Plexiglasscheibe vor dem Tor", stöhnte Racing-Stürmer Robert Kinmont, der gleich zweimal in den ersten zehn Minuten knapp scheiterte.

Münsingens Plan war simpel, aber effektiv: Ballbesitz (55 Prozent), Ruhe bewahren, Nadelstiche setzen. Racing dagegen rannte - und rannte sich fest. Nach 27 Minuten sah Innenverteidiger Kian Kinmont Gelb, nach 48 Minuten sein Kollege Fernando Nani ebenfalls. Zwanzig Minuten später übertrieb es Nani dann: ein übermotivierter Zweikampf, die zweite Gelbe, Gelb-Rot. "Er wollte den Ball treffen, hat aber wohl die falsche Postleitzahl erwischt", kommentierte ein Zuschauer trocken.

In Unterzahl wurde Racing zum Sinnbild der Verzweiflung. 70 Minuten hektisch, 80 Minuten verbissen - und dann, als viele schon gehen wollten, kam der Moment des Abends.

85. Minute: Der gerade eingewechselte 18-jährige Rechtsverteidiger Thomas Eckert flankt hoch aus der Tiefe, Dieter Hartung läuft ein, nimmt Maß - und trifft! Der Jubel war ohrenbetäubend, Trainer Truthan Trainer riss die Arme in die Luft, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab gar nicht überlegt", erzählte Hartung später, noch mit Grasflecken auf der Stirn. "Mein Opa sagt immer: Wenn du den Ball siehst, hau drauf. Hat heute funktioniert."

Eckert, der Vorlagengeber, grinste bescheiden: "Ich wollte eigentlich einfach nur den Ball wegbekommen."

Die letzten Minuten waren dann ein einziges Zittern. Münsingen drängte, Racing verteidigte mit allem, was noch laufen konnte. Keeper Taci Recber - bis zur 89. Minute im Kasten, ehe er für den jungen Olivier Benoist Platz machte - brüllte Kommandos, als hinge sein Leben davon ab. "Ich wollte, dass der Junge auch noch ein Gefühl für den Druck bekommt", erklärte Trainer Trainer augenzwinkernd den kuriosen Torwartwechsel kurz vor Schluss. "Und ehrlich gesagt - meine Nerven waren eh schon durch."

Am Ende blieb es beim 1:1, das sich für Racing wie ein kleiner Sieg anfühlte und für Münsingen wie ein verschenkter Dreier. "Wir hätten das Spiel killen müssen", moserte Münsingens Stürmer Guy Bach. "Aber vielleicht war das Flutlicht zu romantisch."

Statistisch gesehen war Racing klar aktiver: mehr Schüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen (56 Prozent), weniger Ballbesitz - aber am Ende der entscheidende Treffer spät. Münsingen dagegen blieb effizient, aber zu harmlos, um den Sack zuzumachen.

"Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", fasste ein älterer Fan beim Bierstand zusammen. "Ein bisschen wie mein Leben."

Ein Fazit, das wohl beide Seiten unterschreiben könnten: Racing Club GE hat Moral, Münsingen hat Struktur - und beide haben jetzt einen Punkt mehr.

Oder, wie Trainer Truthan Trainer es auf der Pressekonferenz formulierte: "Wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen - aber wenigstens sind wir nicht mehr da, wo wir waren."

Und das, an einem kalten Januarabend in Genf, zählt fast wie ein Sieg.

10.04.643987 06:10
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Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wußte: Wenn der Franz 'Bulle' Roth sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf - und ich habe mich dabei wunderbar entwickelt.
Uli Hoeneß
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