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Racing Club GE ringt Bellinzona nieder - Sinclair trifft, Statistik applaudiert

Es war ein kalter Januarabend in Genf, aber die 11.041 Zuschauer im Stade de la Prairie hatten schnell vergessen, dass ihre Finger frieren. Racing Club GE besiegte den FC Bellinzona mit 1:0 - ein Resultat, das knapper klingt, als es sich anfühlte. Wer Zahlen liebt, der nickt: 21 Torschüsse zu 4, 50,1 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Wer Fußball liebt, der seufzt: Es hätte auch 3:0 heißen dürfen.

Trainer Truthan Trainer - ja, er heißt wirklich so - fasste es nach dem Abpfiff mit einem verschmitzten Lächeln zusammen: "Wir haben gespielt, als wollten wir das Tor nur besuchen, nicht bewohnen." Besuch gab es reichlich im Strafraum der Gäste, doch erst in der 51. Minute platzte der Knoten.

Andrew Sinclair, 23, Linksaußen mit der Eleganz eines Tänzers und der Wucht eines Presslufthammers, nahm eine butterweiche Flanke von Rechtsverteidiger Thomas Eckert volley und drosch den Ball aus zwölf Metern unter die Latte. Dass der junge Eckert, erst 18, die Vorlage lieferte, war fast schon symbolisch: Genfs Zukunft hat keine Geduld. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Sinclair später. "Wenn ich nachgedacht hätte, ginge der wahrscheinlich auf den Parkplatz."

Bis dahin hatte Genf schon eine ganze Galerie an Chancen verpasst. Thierry Haupt schoss in der ersten Minute, der Ball pfiff am Pfosten vorbei. In Minute 5 wieder Haupt, diesmal direkt auf Bellinzonas Keeper Marwin Boyer - der hielt mehr, als er wollte. Robert Kinmont versuchte’s dreimal, Frank Michaud viermal, und irgendwann schien das Tor wie magnetisch abweisend. "Ich dachte, wir spielen Handball - so oft wie der Ball im Kreis war", stöhnte Kinmont später, halb lachend, halb verzweifelt.

Bellinzona? Nun ja, sie waren da. Vier Torschüsse, zwei Gelbe Karten, null Ideen. Ihre Taktik war so ausgewogen, dass man sie glatt mit Schlafmittel verwechseln konnte. Kein Pressing, kein Risiko, nur gepflegtes Abwarten. Trainer Truthan Trainer kommentierte das trocken: "Ich glaube, sie warteten auf unsere Fehler. Leider haben wir keine geliefert."

Doch ein kurzer Schreckmoment unterbrach Genfs Dominanz: In der 55. Minute musste Linksverteidiger Mathias Eder verletzt raus. Der junge Matthew Staunton kam - und spielte, als wäre er sein älterer Bruder. "Ich war nervös, bis ich den ersten Ball berührt hab", sagte Staunton später. "Dann hab ich nur noch gedacht: nicht stolpern." Stolpern tat niemand, und Racing spielte weiter stur nach vorn.

Bellinzona versuchte es nach dem Rückstand kurz mit so etwas wie Angriff. Uwe Kolb schoss einmal (56.), Günther Eckert einmal (57.) - beide Male wirkte Genfs Torwart Taci Recber eher gelangweilt als gefordert. Kurz darauf durfte auch er Feierabend machen, als Trainer Trainer in der 80. Minute dem 18-jährigen Ersatzkeeper Olivier Benoist ein paar Minuten schenkte. Vielleicht symbolisch für die neue Generation, die Racing gerade formt.

Zweimal Gelb für Bellinzona - Ernst Gaudin (67.) und Sascha Berndt (74.) - rundeten das Bild ab: viel Einsatz, wenig Effekt. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Gaudin hinterher. "Hat ja geklappt, bis auf das Tor. Und die 21 anderen Schüsse."

Das Publikum quittierte den Abpfiff mit Applaus, aber auch mit einem kollektiven Aufatmen. 1:0, drei Punkte, alles gut - aber wer das Spiel gesehen hatte, wusste: Diese Mannschaft kann mehr. Und wird es müssen, wenn sie oben mitspielen will.

Im Presseraum schien Trainer Trainer dann fast poetisch zu werden: "Ich mag knappe Siege. Sie halten die Jungs bescheiden." Ob er das wirklich meinte, ist unklar - seine Augen lachten jedenfalls.

Und während Andrew Sinclair draußen noch Selfies mit Fans machte, murmelte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne: "Früher hätte Racing sowas 0:0 gespielt." Vielleicht stimmt das. Aber an diesem Abend war Racing Club GE mehr als nur bemüht - sie waren mutig, verspielt, ein bisschen verrückt. Und genau das macht Fußball schön.

Fazit: Ein verdienter Sieg für Racing Club GE, ein frustrierender Abend für Bellinzona, und ein Spiel, das niemanden fror - trotz Januarkälte. Wer’s gesehen hat, weiß: Genf kann Fußball. Und manchmal sogar Geduld.

12.10.643987 08:09
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