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Was als kühler Winterabend im Stadio Comunale begann, endete in einer heißen Lehrstunde für den FC Bellinzona. 4:0 hieß es am Ende für Racing Club GE - und wer den Spielverlauf sah, der weiß: Das Ergebnis schmeichelt den Hausherren noch. "Manchmal ist Fußball einfach ungerecht", murmelte Bellinzonas Kapitän Radovan Kroca nach dem Schlusspfiff - und meinte das wohl in beide Richtungen. Denn sein Team hatte mit 52 Prozent Ballbesitz zwar etwas mehr vom Leder, aber Racing hatte alles andere: Tempo, Präzision, Tore. Schon nach einer Viertelstunde dämmerte den 4500 Zuschauern, dass das kein gemütlicher Heimabend werden würde. Der Genfer Stürmer Patryk Wasilewski, der offenbar beschlossen hatte, den Abend im Alleingang zu entscheiden, prüfte Bellinzonas Keeper Richard Duchesne gleich mehrfach - erst in der 8., dann in der 12. Minute. In der 17. Minute durfte er dann endlich jubeln: Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Kian Kinmont tauchte Wasilewski links im Strafraum auf und schoss eiskalt ein. 0:1. Bellinzona wankte und fand keine Antwort. Stattdessen legte Racing nach: In der 24. Minute fasste sich Linksverteidiger Mathias Eder ein Herz und drosch den Ball nach schönem Zuspiel von Johann Benz aus 20 Metern in den Winkel. Ein Verteidiger-Tor, das man so nicht alle Tage sieht. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Eder später, "aber wenn’s passt, dann passt’s." Das 0:2 zur Pause war schmeichelhaft, denn Racing hatte da schon 11 Schüsse auf das Tor abgegeben, Bellinzona gerade einmal zwei. Trainer Truthan Trainer - ja, der Mann heißt wirklich so - blieb trotzdem gelassen. "Wir spielen unseren Stil, egal ob’s schneit oder brennt", sagte er in der Halbzeit, und seine Jungs gehorchten. Die Gastgeber versuchten es nach dem Seitenwechsel vermehrt über die Flügel, Finlay Clancy und Joschua Beyer prüften Racing-Keeper Taci Recber in der 58. und 60. Minute, aber der blieb stoisch wie ein Bergsee im Januar. Dafür holte sich Mathias Eder kurz darauf Gelb ab, wohl um das Adrenalin zu feiern. Ab der 60. Minute durfte Genf dann den Nachwuchs ranlassen: Drei 18-Jährige - Featherstone, Michaud und Eckert - kamen und brachten frischen Wind. Und siehe da, der Jüngste von ihnen, Frank Michaud, durfte in der 85. Minute sogar eine Torvorlage feiern. Doch der Reihe nach: In der 82. Minute machte Thierry Haupt mit einem trockenen Schuss aus halbrechter Position das 0:3, nachdem Rune Halvorsen ihm den Ball perfekt in den Lauf gelegt hatte. Der Jubel war kurz, denn kaum drei Minuten später setzte Robert Kinmont den Schlusspunkt. Der bullige Mittelstürmer veredelte einen Pass von - genau - Frank Michaud und ließ Duchesne keine Chance. 0:4. Bellinzona wirkte nun ratlos. Auf der Tribüne hörte man einen Fan rufen: "Vielleicht sollten wir auch mal aufs Tor schießen!" Der Rest des Stadions schwieg höflich. Am Ende standen 19 Torschüsse für Racing, 4 für Bellinzona. Ein Ballbesitzvorteil ohne Wirkung, eine Abwehr im Chaos und ein Gegner, der seine Chancen einfach nutzte. FC Bellinzona-Coach (der nach dem Spiel lieber anonym bleiben wollte) fasste es trocken zusammen: "Wenn du mehr läufst, aber weniger triffst, dann war dein Plan wohl nicht so gut." Racing dagegen feierte ausgelassen. "Das war unsere beste Partie seit Monaten", sagte Doppeltorschütze Haupt (der sich selbst zum Doppeltorschützen erklärte, obwohl er nur einmal traf). "Na ja, fast", korrigierte ihn Wasilewski lachend. Ein Sonderlob gab’s von Trainer Truthan Trainer für den jungen Frank Michaud: "Der Junge hat keine Angst, das sieht man. Ich hatte fast Angst, dass er gleich noch ein Tor schießt - dann hätten die Alten Ärger bekommen." So blieb es beim 0:4 - ein Ergebnis, das Bellinzona wohl noch länger verdauen muss. Und während Racing Club GE mit breiter Brust in die nächsten Wochen geht, dürften im Tessin die Trainingsbälle morgen etwas leiser rollen. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Manchmal ist Fußball eben kein Spiel - sondern Nachhilfeunterricht." 18.03.643987 02:05 |
Sprücheklopfer
Ich glaube, er ist DIN A4.
Dragoslav Stepanovic auf die Frage, wie sein neuer Vertrag in Frankfurt aussieht