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Racing Club GE zerlegt Schaffhausen - ein 45-Minuten-Wunder in Blau-Weiß

Challenge League | 13. Spieltag | 17.07.26 | Racing Club GE - SV Schaffhausen 6:1

Manchmal fragt man sich, was eigentlich in der Kabine passiert, wenn ein Team zur Halbzeit mit 0:0 in die Pause geht und zwanzig Minuten später 4:0 führt. Beim 6:1-Spektakel von Racing Club GE gegen den SV Schaffhausen vor 20.110 Zuschauern am 13. Spieltag der Challenge League war es wohl irgendetwas zwischen Motivationspredigt, Koffeinschock und göttlicher Eingebung.

Denn was die Zuschauer im Stade de Genève nach Wiederanpfiff erlebten, war eine dieser sagenumwobenen zweiten Halbzeiten, über die man Jahre später noch spricht. "Ich hab in der Pause nur gesagt: Vielleicht könnten wir diesmal das Tor treffen", grinste Racing-Coach Truthan Trainer nach dem Spiel. "Anscheinend haben sie mich wörtlich genommen."

Bis dahin hatte Schaffhausen eigentlich alles unter Kontrolle - zumindest statistisch. Mehr Ballbesitz (55 Prozent), mehr Passsicherheit, und mit Marek Warzycha und Karl Lavoie zwei Außen, die das Spiel breit machten. Doch das war alles nur Zierde: Racing Club GE wartete nur auf den Moment, in dem aus Kontrolle Verwirrung wurde.

Der Startschuss fiel in Minute 47, als Innenverteidiger Kian Kinmont nach einer Ecke von Johann Benz den Ball humorlos unter die Latte drosch. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Kinmont später, "aber offenbar war er drin - und das gleich richtig." Kaum hatten sich die Gäste sortiert, klingelte es erneut. Vier Minuten später stand Phillip Fouquet goldrichtig, wieder nach Vorlage von Benz, und nickte zum 2:0 ein.

Doch damit nicht genug: In der 52. Minute machte Andrew Sinclair mit einem satten Linksschuss das 3:0, und vier Minuten später legte Rune Halvorsen nach - nach einem klugen Rückpass von Verteidiger Florian Boyer. Innerhalb von zehn Minuten hatte Racing Club GE das Spiel in einen Torrausch verwandelt.

"Da stand’s plötzlich 0:4, und ich hab auf die Anzeigetafel geschaut, ob das ein Tippfehler ist", gestand Schaffhausens Mittelfeldmann Robert Abrial, der immerhin in der 64. Minute etwas Ergebniskosmetik betrieb. Sein sehenswerter Schlenzer zum 1:4 war der einzige Moment, in dem der SV Schaffhausen zeigte, warum man ihn normalerweise nicht unterschätzen sollte.

Doch Racing hatte an diesem Abend Appetit auf mehr. Fouquet, der ohnehin in Galaform war, hätte kurz darauf beinahe das fünfte Tor erzielt, scheiterte aber knapp. Dafür durfte sich der 18-jährige David Bettencourt in der 89. Minute noch in die Torschützenliste eintragen. Der Youngster kam gerade erst aufs Feld - sein erster Ballkontakt: Tor. "Das war kein Zufall", behauptete er mit einem Grinsen, das eher auf pures Glück hindeutete.

Am Ende stand ein 6:1, und man fragte sich, wie ein Team mit weniger Ballbesitz und fast identischer Zweikampfquote so dominieren konnte. Die Antwort war simpel: Effizienz. 16 Torschüsse, sechs Tore - das ist klinisch, fast chirurgisch. Schaffhausen hingegen hatte 12 Abschlüsse, aber nur einen Treffer. "Wir hatten den Ball, sie die Tore", fasste SVS-Trainer lakonisch zusammen. "Ich überlege, ob wir das nächste Mal einfach gar keinen Ballbesitz wollen."

Die Stimmung im Stadion schwappte längst in Richtung Volksfest. Die Fans sangen, die Ersatzspieler tanzten, und Trainer Truthan Trainer stand seelenruhig mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wollte er sagen: "Ich hab’s euch ja gesagt."

Selbst die gelben Karten - eine für Kian Kinmont nach rustikalem Einsatz (79.) und eine für Schaffhausens Fakir Aurelio (83.) - konnten das Spektakel nicht trüben. Im Gegenteil: Sie wirkten fast wie kleine Erinnerungshäkchen im Drehbuch eines Spiels, das alles bot, was man von einem Sommerabend im Juli erwarten kann.

"Das war kein normales Spiel", sagte Halvorsen nach Abpfiff. "Das war … na ja, Spaß mit Ball." Und irgendwie hatte er recht. Racing Club GE spielte in der zweiten Halbzeit, als habe jemand den Schwierigkeitsgrad auf "Arcade" gestellt - alles gelang, jeder Pass saß, und die Schüsse flogen wie programmiert ins Eck.

Schaffhausen hingegen wird sich fragen müssen, wie ein solider erster Durchgang in ein kleines Desaster münden konnte. Vielleicht war es Müdigkeit, vielleicht Überheblichkeit - oder einfach ein Gegner, der plötzlich das Fußballspielen neu erfunden hatte.

So oder so: Racing Club GE feiert den höchsten Saisonsieg, während Schaffhausen nach dieser Lehrstunde wohl ein paar Extraeinheiten Defensive einplant. Und wer weiß - vielleicht hat Trainer Truthan Trainer in der Kabine gar nichts gesagt. Vielleicht hat er einfach nur gelächelt.

Denn manchmal reicht das.

18.07.2026 00:15
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Ich habe ihn liquidiert. Wenn er etwas will, soll er sich vorher seinen Ausweis anhängen, damit seine Mutter ihn nicht nur an der Blutgruppe erkennt.
Toni Polster über Jörg Neun
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