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Es war einer dieser Abende im Estadio El Sardinero, an denen man sich fragt, ob Racing Santander eher Fußball oder Nerven-Training betreibt. 39.110 Zuschauer bekamen beim 2:1-Heimsieg gegen Lanzarote CF jedenfalls beides geboten: Drama, Leidenschaft und ein Emilio Urrutia in absoluter Galaform. Kaum hatten sich die Fans hingesetzt, da zappelte der Ball schon im Netz der Gastgeber. In der 2. Minute schloss Lanzarotes James Young eiskalt ab - Vorlage von Ulf Berg, der auf dem rechten Flügel so frei war, dass er vermutlich noch kurz seine Steuererklärung hätte machen können. Racing-Trainer Florian Kappels schüttelte nur den Kopf: "Wir wollten ja wach beginnen - aber offenbar hat jemand den Wecker auf die falsche Zeitzone gestellt." Doch Santander wäre nicht Santander, wenn sie nicht in ihrer charmant-chaotischen Art immer irgendwie zurückkämen. Nach einer halben Stunde war es soweit: David Gecov, eigentlich rechter Verteidiger, stürmte nach vorne, flankte mit chirurgischer Präzision in den Strafraum, und Urrutia wuchtete den Ball per Direktabnahme in die Maschen. 1:1 - das Stadion bebte. "Ich hab einfach den Ball gesehen und gedacht: jetzt oder nie", grinste Urrutia später. "Und dann war es halt jetzt." Lanzarote, anfangs mit offensiver Marschrichtung unterwegs, zog sich danach etwas zurück. Trainer Meister Leverkusen (ja, der Name sorgt auch in Spanien für Stirnrunzeln) versuchte, Ruhe ins Spiel zu bringen, wechselte zur Pause gleich dreimal - darunter den erst 17-jährigen Javier Moreno. Doch der Teenager wirkte mehr eingeschüchtert als inspiriert. "Er sah aus, als hätte man ihm gesagt, er müsse gegen Godzilla verteidigen", kommentierte ein Fan launig auf der Tribüne. Santander hingegen kam mit neuem Schwung aus der Kabine. Kappels brachte frische Kräfte - den jungen Luis Arias für Ramallo und Osip Malzew auf links. Besonders Arias sollte sich noch als goldener Joker erweisen. In der 66. Minute leitete er mit einem schnellen Doppelpass über den rechten Flügel den Angriff ein, den Urrutia eiskalt vollendete. Wieder war es eine Direktabnahme, diesmal noch präziser als zuvor. 2:1, und die Racing-Fans verwandelten das Stadion in ein Tollhaus. "Luis ist 19, aber spielt, als hätte er schon 190 Spiele gemacht", lobte Kappels seinen Youngster. "Naja, zumindest in den guten Momenten." Lanzarote versuchte danach, das Ruder herumzureißen, kam aber kaum gefährlich vors Tor. Zwar hatten sie mit 53 Prozent Ballbesitz mehr vom Spiel, aber Racing zeigte, dass Ballbesitz noch kein Sieg ist. 16 Torschüsse der Gastgeber standen nur 6 von Lanzarote gegenüber - eine Statistik, die deutlich macht, wer wirklich wollte. Die Gäste wirkten zunehmend ratlos. In der 79. Minute versuchte es Young erneut, doch diesmal war Torhüter Martin Gimenez zur Stelle. Kurz darauf sah Gecov Gelb, nachdem er Young etwas zu temperamentvoll gestoppt hatte - "Ich wollte nur Hallo sagen", scherzte er später. In den letzten Minuten brannte Lanzarote ein offensives Feuerwerk ab - allerdings eher ein Silvesterböller als ein Flammenwerfer. Nikitin versuchte es in der 88. Minute mit einem Distanzschuss, der jedoch mehr Richtung Eckfahne als Richtung Tor ging. "Wenn wir das Tor etwas weiter nach rechts stellen, wäre das ein Traumtor gewesen", murmelte Trainer Leverkusen sarkastisch in seine Hand. Als Schiedsrichter Ruiz schließlich abpfiff, fiel Kappels seinem Assistenten um den Hals. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", meinte er. "Und ehrlich gesagt, nehme ich lieber hässliche Siege als schöne Niederlagen." Urrutia wurde zum Mann des Abends gewählt - zwei Tore, unermüdlich, immer gefährlich. "Ich mag keine halben Sachen", grinste er in die Kameras. "Wenn ich schon treffe, dann doppelt." So klettert Racing Santander mit diesem Sieg weiter nach oben in der Tabelle der 1. Liga Spanien, während Lanzarote CF sich trotz engagiertem Auftritt mit leeren Händen auf die Heimreise macht. Ein Zuschauer fasste es beim Hinausgehen treffend zusammen: "Santander ist wie ein alter Fiat - manchmal ruckelt’s, manchmal raucht’s, aber am Ende kommt er irgendwie ins Ziel." Und an diesem Abend kam er eben mit drei Punkten dort an. 09.04.643987 02:42 |
Sprücheklopfer
Jetzt müssen wir gegen Stuttgart gewinnen. Ob wir wollen oder nicht.
Otto Rehhagel